Trocknet Niedersachsen aus?
NABU fordert konsequente Renaturierung als Schutz vor Hitze und Wasserknappheit

Verdorrte Baumkronen: Der NABU fordert eine Renaturierung, damit Wasser länger in der Landschaft gespeichert wird. Foto: Christoph Hardt
Region Hannover. Ausgetrocknete Böden, überhitzte Gewässer und sinkende Wasserstände setzen Mensch und Tier in Niedersachsen zunehmend unter Druck. Das sagt der NABU Niedersachsen. Besonders deutlich werde die angespannte Lage unter anderem an der Okertalsperre im Harz, deren Wasserstand so niedrig ist wie noch nie zuvor in einem Juli. Für den NABU ist das kein kurzfristiges Extrem, sondern ein unübersehbares Warnsignal der Klimakrise. Der Landesverband fordert deshalb, die Renaturierung von Mooren, Flüssen und Auen deutlich zu beschleunigen, damit Wasser wieder länger in der Landschaft gespeichert werden kann.

„Unsere geschwächten Landschaften stoßen immer schneller an ihre Grenzen“, warnt Lamin Neffati, Pressesprecher des NABU Niedersachsen. „Die Grundwasserstände sinken, Gewässer erwärmen sich und verlieren Sauerstoff. Das Fischsterben im Steinhuder Meer und im Maschsee führen uns Teilaspekte der dramatischen Folgen bereits bildlich vor Augen.“

Mit der anhaltenden Trockenheit wächst auch die Gefahr von Wald- und Flächenbränden. Die schweren Feuer in Spanien und Frankreich zeigen laut Neffati, wie schnell Brände bei großer Hitze und ausgetrockneter Vegetation außer Kontrolle geraten und ganze Regionen bedrohen können. Auch in Deutschland steigt das Risiko mit jedem Tag ohne Niederschlag.

Besonders gefährdet sind trockene Wälder, Moore, Wiesen und Böschungen. Die Brände bedrohen nicht nur Menschen, Siedlungen und Infrastruktur, sondern auch wertvolle und einzigartige Lebensräume. Viele Tiere können den Flammen nicht rechtzeitig entkommen. Die Überlebenden verlieren Nahrung, Rückzugsorte und Brutstätten.

Wie schwer Hitze und Trockenheit eine Region treffen, hängt laut NABU entscheidend davon ab, wie viel Wasser ihre Landschaft speichern kann. In Niedersachsen fließen Niederschläge vielerorts noch immer zu schnell ab. Entwässerte Moore, begradigte Flüsse, abgetrennte Auen und versiegelte Böden verschärfen den Wassermangel. Gleichzeitig schwächen sie den natürlichen Schutz vor Hitze, Dürre und Starkregen.

„Die wirksamste Antwort auf Hitze und Trockenheit ist die Renaturierung unserer Landschaften“, betont Neffati. „Wiedervernässte Moore, lebendige Auen und naturnahe Gewässer speichern Wasser, kühlen ihre Umgebung und stabilisieren den natürlichen Wasserhaushalt. Davon profitieren Menschen, Tiere und ganze Ökosysteme.“

Der NABU Niedersachsen fordert deshalb, die EU-Wiederherstellungsverordnung konsequent umzusetzen. Moore müssen wiedervernässt, Flüsse und Auen renaturiert, Feuchtgebiete geschützt und unnötig versiegelte Flächen zurückgebaut werden. Nur so kann Wasser länger in der Landschaft verbleiben und Extremwetterlagen können abgepuffert werden.

„Die nächste Hitzewelle können wir nicht verhindern. Wir können aber verhindern, dass sie auf eine immer stärker ausgetrocknete Landschaft trifft“, betont Neffati. „Niedersachsen muss Wasser endlich dort zurückhalten, wo es gebraucht wird. Die Politik muss den Auftrag der EU ernst nehmen und die Renaturierung entschlossen vorantreiben. Es geht um unsere Wasserversorgung, unsere Gesundheit und den Erhalt der biologischen Vielfalt.“

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