Wenn Kinder Laatzen regieren
Demokratie im Alltag: 120 Mädchen und Jungen bauen im Kinder- und Jugendzentrum ihre eigene Stadt auf

Bürgermeister und Stadtrat der Kinderstadt begrüßen Bürgermeister Kai Eggert.Foto: Stadt Laatzen
Laatzen. Im Kinder- und Jugendzentrum wurde in der vergangenen Woche nicht gespielt, sondern regiert, gearbeitet und diskutiert. Zum zweiten Mal ist dort die Kinderstadt entstanden – eine eigene kleine Kommune, in der 120 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren den Alltag selbst gestalten. Sie übernehmen Berufe, gründen Firmen, verdienen eigenes Geld und entscheiden gemeinsam über das Zusammenleben. Bürgermeister Kai Eggert besuchte das Projekt ebenfalls und zeigte sich beeindruckt vom Engagement der jungen Stadtbewohner.

Eine Woche lang verwandelt sich das Kinder- und Jugendzentrum in eine lebendige Stadtgesellschaft. Wer mitmachen möchte, bewirbt sich zunächst beim Arbeitsamt auf einen Arbeitsplatz. Anschließend verdienen die Kinder ihre eigene Währung, die „Lala’s“, und geben sie unter anderem im Kino, im Bistro, im Beautysalon oder in der Seifenwerkstatt wieder aus. Andere arbeiten im Betriebshof, kümmern sich um Grünflächen oder berichten als Reporterinnen und Reporter für die eigene Kinderzeitung über das Geschehen.

Dabei geht es nicht nur um das Kennenlernen verschiedener Berufe. Die Kinder übernehmen Verantwortung und erfahren, wie demokratische Entscheidungen zustande kommen. Während der Woche wählen sie zweimal eine Bürgermeisterin oder einen Bürgermeister sowie einen Stadtrat. Dort werden Anträge beraten und abgestimmt, ehe die Ergebnisse in einer Bürgerversammlung allen Einwohnerinnen und Einwohnern vorgestellt werden. Erst danach beginnt die gemeinsame Mittagspause mit einem von den Hannoverschen Werkstätten zubereiteten Essen.

Für Kai Eggert ist genau dieses Zusammenspiel der eigentliche Wert des Projekts. „Die Kinderstadt zeigt eindrucksvoll, wie ernsthaft, kreativ und neugierig Kinder ihre Stadt gestalten, wenn Erwachsene ihnen Raum dafür geben“, sagt der Bürgermeister. Demokratie werde hier nicht theoretisch erklärt, sondern praktisch erlebt. Die Kinder wählten, diskutierten, arbeiteten gemeinsam, entwickelten eigene Projekte und träfen selbst Entscheidungen. Das stärke die Stadtgesellschaft schon heute.

„Die Kinder füllen diese Stadt mit unglaublich viel Energie, Fantasie und Verantwortungsgefühl“, sagt Christine Kirschen, Koordinatorin der Kinderstadt. „Besonders schön ist zu sehen, wie schnell aus einzelnen Ideen gemeinsame Projekte entstehen. Die Kinder verhandeln, helfen einander, probieren sich aus und merken: Ihre Meinung zählt.“ Zum Angebot gehören neben klassischen Handwerks- und Kreativbereichen auch Erste-Hilfe-Schulungen sowie die Möglichkeit, eigene Unternehmen zu gründen. Dadurch entstehen immer wieder neue Ideen, die von den Kindern eigenständig umgesetzt werden. Die Stadt entwickelt sich während der Woche ständig weiter – ganz nach den Vorstellungen ihrer jungen Bewohner.

Organisiert wird die Kinderstadt vom Kinder- und Jugendbüro der Stadt Laatzen gemeinsam mit zahlreichen Ehrenamtlichen, Sponsoren und Kooperationspartnern. Beteiligt sind unter anderem das DRK Hannover/Laatzen, Avacon Netz GmbH, Bauhaus Laatzen, das Stadtteilbüro Laatzen, das Bündnis gegen Extremismus Laatzen, Porta Möbel, NeonGolf Hannover, die HAWK Hildesheim mit dem Projekt „MAKE – Materialwelten im Maker Space“, der BSV Gleidingen, Feuerwehr und Polizei Laatzen, das Aqualaatzium, Hannover 96, Café Eis Blume sowie verschiedene Teams der Stadtverwaltung.

Für Eggert steht deshalb neben der Leistung der Kinder auch das Engagement der vielen Unterstützer im Mittelpunkt. Sein Dank gelte allen Beteiligten und den zahlreichen Ehrenamtlichen. Vor allem aber seien es die Kinder selbst, die mit ihren Ideen, ihrem Mut und ihrer Begeisterung die Kinderstadt zum Leben erweckten. RED
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