Laatzen spart weiter
Bürgermeister Kai Eggert präsentiert den Haushaltsplanentwurf für 2027 –Investitionen in Bildung, Feuerwehr, Digitalisierung und Infrastruktur geplant

Laatzens Bürgermeister Kai Eggert präsentiert bei der Ratssitzung im Forum der Albert-Einstein-Schule seinen Haushaltsplanentwurf.Foto: Stadt Laatzen
Laatzen. Die Stadt Laatzen will trotz erheblicher Finanzprobleme weiter in Schulen, Feuerwehr, Straßen und Digitalisierung investieren. Bürgermeister Kai Eggert hat am Donnerstag, 28. Mai, den Entwurf für den Haushalt 2027 in den Rat eingebracht. Die Stadt setzt dabei erneut auf einen frühen sogenannten Turbo-Haushalt, um schon vor der Kommunalwahl und einem möglichen Wechsel in politischen Gremien oder Verwaltungsspitzen handlungsfähig zu bleiben.

Der Entwurf zeigt die angespannte Lage deutlich. Im Ergebnishaushalt rechnet die Stadt mit ordentlichen Erträgen von rund 152,9 Millionen Euro. Dem stehen Aufwendungen von rund 190,8 Millionen Euro gegenüber. Unter dem Strich ergibt sich damit ein geplantes Defizit von 37,8 Millionen Euro. Das ist rund eine Million Euro mehr als noch im November als Eckwert beschlossen worden war. Zu den größten Ausgabeblöcken zählen Personal mit 69,4 Millionen Euro, Transferaufwendungen einschließlich Sozialleistungen und Regionsumlage mit 63,3 Millionen Euro sowie Sach- und Dienstleistungen mit 29,7 Millionen Euro. Bei den Einnahmen fallen vor allem der Gemeindeanteil an der Einkommensteuer mit 25,3 Millionen Euro, Schlüsselzuweisungen des Landes mit 24,6 Millionen Euro und Gewerbesteuern mit 22,7 Millionen Euro ins Gewicht.

Eggert machte in seiner Haushaltsrede deutlich, dass Laatzen sparen müsse, sich aber nicht „kaputtsparen“ dürfe. Die Stadt stehe unter Druck, weil Bund und Land Aufgaben übertrügen, ohne sie auskömmlich zu finanzieren. Hinzu kämen steigende Kosten, höhere Zinsen, begrenzte eigene Einnahmen und ein großer Sanierungsbedarf. Ende 2027 könnten die langfristigen Schulden nach der Planung bei 254,2 Millionen Euro liegen. Die Nettoneuverschuldung soll 4,3 Millionen Euro betragen und damit deutlich niedriger ausfallen als der Planwert für 2026. Gleichzeitig könnten die Liquiditätskredite auf 153,9 Millionen Euro steigen.

Im Finanzhaushalt sind Investitionen von 15,7 Millionen Euro vorgesehen, davon 12,9 Millionen Euro für Baumaßnahmen. Größtes Einzelprojekt ist der Neubau der Grundschule Im Langen Feld mit Sporthalle. Dafür sind 2027 2,5 Millionen Euro eingeplant, die Gesamtbausumme liegt bei 32,37 Millionen Euro. Für die Grundschule Rethen sollen in den kommenden Jahren 1,6 Millionen Euro in Umbau und Mensaerweiterung fließen, 800.000 Euro davon im Jahr 2027. Weitere 400.000 Euro sind für Planungen zur Erweiterung der Grundschule Gleidingen vorgesehen. Die Sanierung des C-Traktes der Albert-Einstein-Schule schlägt mit 1,9 Millionen Euro zu Buche, zusätzlich sind 787.000 Euro für Schulen und Sporthallen angesetzt.

Auch die Feuerwehr bleibt ein Schwerpunkt. Für das neue Feuerwehrhaus Ingeln-Oesselse sind 2027 1,9 Millionen Euro vorgesehen. Insgesamt kostet das Projekt einschließlich Grundstück etwa 10,5 Millionen Euro. Für Fahrzeuge und Geräte sind weitere 570.000 Euro eingeplant.

Ein großer Anteil der Investitionen betrifft Straßen und Kanäle. Für den Tiefbau stehen 2027 rund 6,6 Millionen Euro im Entwurf. Vorgesehen sind unter anderem Arbeiten an der Bergstraße in Ingeln für 2,1 Millionen Euro, am Sonnenweg in Grasdorf für 800.000 Euro, an der Talstraße für 500.000 Euro und an der Alten Rathausstraße in Alt-Laatzen für 800.000 Euro. Kleinere Maßnahmen summieren sich auf weitere 2,4 Millionen Euro. Für die Jahre bis 2030 kalkuliert die Stadt zusätzlich gut 24,4 Millionen Euro ein.

Beim Klimaschutz setzt Laatzen auf Photovoltaik und energiesparende Beleuchtung. Für Solaranlagen auf städtischen Gebäuden sind 2027 und in den Folgejahren zusammen 750.000 Euro eingeplant. Die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED soll 2027 rund 335.000 Euro kosten, später sollen weitere rund eine Million Euro folgen. „Eine verantwortungsbewusste Kommune muss gerade in der Krise unterscheiden zwischen Ausgaben, die dauerhaft belasten, und Investitionen, die Zukunft sichern oder Folgekosten vermeiden. Wir investieren nicht, weil wir zu viel Geld haben, sondern weil Nichtstun am Ende teurer wäre“, betonte Eggert.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Bildung und sozialer Teilhabe. Zum 1. August führt Laatzen den offenen Ganztag an allen sieben Grundschulen für sämtliche Klassenstufen ein. Dafür sind ab 2027 jährlich rund 4,8 Millionen Euro vorgesehen. Fünf Standorte übernimmt die AWO Region Hannover, zwei die Stadt. Auch in den Kitas sieht die Verwaltung wachsenden Bedarf, besonders bei Sprachförderung, Integration und heilpädagogischer Unterstützung. In Laatzen-Mitte fehlen nach der Planung in den kommenden Jahren bis zu 140 Betreuungsplätze. Durch den Umbau bisheriger Horträume sollen zusätzliche Gruppenräume entstehen. Für die Kitas Brucknerweg und Pinienweg sind dafür 96.000 Euro vorgesehen.

Zur Konsolidierung setzt die Stadt neben Sparmaßnahmen auch auf neue Einnahmen und digitale Abläufe. Genannt werden unter anderem höhere Elternzuschüsse beim Kita-Essen, die Beherbergungssteuer, die Kita-App, ein Elternportal für die Platzvergabe, digitale Bauanträge, die Online-Wohnsitzanmeldung und der Chatbot LINA. Der Haushaltsentwurf wird nun in Ausschüssen und Klausuren beraten. Der Ratsbeschluss ist für den 8. Oktober geplant. Danach geht der Haushalt samt Sicherungskonzept an die Region Hannover als Kommunalaufsicht. RED
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