Mehr Kita-Plätze, aber Personal bleibt der Engpass
Region Hannover legt neuen Kita-Bericht vor:
In Hemmingen und Pattensen ist die rechnerische Versorgung gut, doch die
tatsächliche Belegung zeigt deutliche Unterschiede

Die Versorgung verbessert sich, der Fachkräftemangel bleibt die zentrale Herausforderung: Das geht aus dem Kita-Bericht hervor, den die Region Hannover kürzlich veröffentlicht hat.Symbolfoto: Ksenia Chernaya / Pexels
Hemmingen / Pattensen. Die Betreuungssituation für Kinder in der Region Hannover hat sich weiter verbessert. Das geht aus dem neuen Themenfeldbericht „Frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung“ hervor, den die Region Hannover jetzt veröffentlicht hat. Vor allem im Kindergartenbereich ist die Lage rechnerisch entspannter als in den Vorjahren: In den 16 Kommunen, für die die Region Hannover als Jugendhilfeträgerin zuständig ist, steht demnach inzwischen rein statistisch für jedes Kind im Alter von drei Jahren bis zum Schuleintritt ein Betreuungsplatz zur Verfügung.

Zum Stichtag 1. Oktober 2025 gab es in diesen Kommunen insgesamt 355 Kindertageseinrichtungen mit 23.967 Betreuungsplätzen in Krippen, Kindergärten und Horten. Die Versorgungsquote für Kinder unter drei Jahren stieg von 46,9 auf 48,2 Prozent. Im Kindergartenbereich erhöhte sie sich von 99,1 auf 101,3 Prozent. Im Hortbereich sank sie leicht von 16,6 auf 16 Prozent. Hintergrund ist hier vor allem die Umstellung auf Ganztagsangebote an Grundschulen.

Ganz verschwunden sind die Engpässe damit aber nicht. Für das laufende Kindergartenjahr sieht die Region weiterhin einen geschätzten Fehlbedarf von 142 Plätzen im Krippenbereich und 396 Plätzen im Kindergartenbereich. Immerhin: Im Vorjahr war der rechnerische Fehlbedarf noch deutlich höher. Bei den Kindergartenplätzen hat er sich fast halbiert.

„Die Zahlen zeigen, dass sich die Versorgungssituation insgesamt entspannt. Dennoch bleibt der Fachkräftemangel das größte Risiko für eine verlässliche Betreuung“, sagt Anne Spiegel, Dezernentin für Soziales, Teilhabe, Jugend und Familie der Region Hannover. Denn Plätze auf dem Papier helfen Familien nur dann, wenn Gruppen tatsächlich öffnen können und ausreichend Personal für verlässliche Betreuungszeiten vorhanden ist.

Regionweit fehlen nach Angaben der Kommunen derzeit 276 pädagogische und heilpädagogische Fachkräfte. Davon entfallen 84 Stellen auf Krippen, 129 auf Kindergärten, 24 auf Horte und 39 auf heilpädagogische Bereiche. Zwar ist auch diese Zahl gegenüber dem Vorjahr gesunken, die Region warnt aber vor vorschneller Entwarnung: Vielerorts seien Betreuungszeiten gekürzt oder Gruppen geschlossen worden, um den Personalmangel abzufedern.

In Hemmingen stellt sich die Lage im regionalen Vergleich besonders stabil dar. Dort leben laut Bericht 399 Kinder unter drei Jahren, 597 Kinder im Kindergartenalter und 872 Kinder im Hortalter. Für die unter Dreijährigen weist die Region insgesamt 229 Plätze aus, was einer Versorgungsquote von 57,4 Prozent entspricht. Im Kindergartenbereich liegt Hemmingen mit 690 Plätzen bei 115,6 Prozent. Hinzu kommen 140 Hortplätze, entsprechend einer Quote von 16,1 Prozent.

Interessant ist der Blick auf das Verhältnis von Platzangebot und tatsächlicher Belegung zum Stichtag 1. Oktober 2025. Ohne Kindertagespflege gerechnet standen in Hemmingen 214 Krippenplätze zur Verfügung, tatsächlich belegt waren 156. Im Kindergartenbereich wurden 690 Plätze ausgewiesen, belegt waren 527. Im Hortbereich standen 140 Plätze zur Verfügung, genutzt wurden 56. Das zeigt: Die rechnerische Kapazität liegt deutlich über der Belegung. Daraus lässt sich aber nicht automatisch ableiten, dass jeder Platz jederzeit verfügbar wäre. Entscheidend sind unter anderem Personal, Gruppenzuschnitte, Betreuungszeiten und die konkrete Nachfrage der Familien.

Auch die Selbsteinschätzung der Stadt Hemmingen fällt entspannt aus: Für Krippe, Kindergarten und Hort wird kein zusätzlicher Platzbedarf angegeben. Konkrete Anfragen, die im laufenden Kindergartenjahr nicht berücksichtigt werden konnten, meldet Hemmingen ebenfalls nicht. Auch beim Fachkräftebedarf gibt die Stadt in den abgefragten Bereichen Krippe, Kindergarten, Hort und Heilpädagogik jeweils null an. Bis Ende des Kindergartenjahres 2027/2028 sind dennoch weitere Kapazitäten geplant: fünf zusätzliche Krippenplätze und 25 Kindergartenplätze.

Pattensen erreicht ebenfalls hohe rechnerische Versorgungsquoten. Dort leben laut Bericht 307 Kinder unter drei Jahren, 487 Kinder im Kindergartenalter und 701 Kinder im Hortalter. Für die Krippenbetreuung stehen insgesamt 166 Plätze zur Verfügung, die Versorgungsquote liegt damit bei 54,1 Prozent. Im Kindergartenbereich weist Pattensen 603 Plätze aus und kommt auf eine Quote von 123,9 Prozent. Das ist einer der höchsten Werte im Bericht. Im Hortbereich stehen 80 Plätze zur Verfügung, die Quote liegt bei 11,4 Prozent.

Beim Vergleich von Platzangebot und tatsächlicher Belegung fällt Pattensen anders auf als Hemmingen. Ohne Kindertagespflege standen zum Stichtag 153 Krippenplätze zur Verfügung, davon waren 129 belegt. Im Kindergartenbereich weist die Einzelauswertung 603 Plätze aus, tatsächlich belegt waren 478. Im Hortbereich ist der Abstand dagegen gering: 80 Plätze standen zur Verfügung, 75 waren belegt. Besonders im Hort ist die Auslastung damit deutlich höher als in den jüngeren Altersgruppen.

Trotz der starken rechnerischen Ausstattung bleibt Pattensen ein Beispiel dafür, dass hohe Versorgungsquoten nicht automatisch alle praktischen Probleme lösen. In der kommunalen Selbsteinschätzung wird für Krippe, Kindergarten und Hort kein zusätzlicher Platzbedarf genannt. Im Hortbereich konnten jedoch fünf konkrete Anfragen im laufenden Kindergartenjahr nicht berücksichtigt werden. Deutlich sichtbar wird außerdem der Personalbedarf: Pattensen meldet neun fehlende Fachkräfte im Krippenbereich, 15 im Kindergartenbereich und drei im Hort. Hinzu kommen sechs heilpädagogische Fachkräfte.

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, setzt die Region ihre Fachkräfteoffensive fort. Dazu gehören unter anderem das internationale Fachkräfteprojekt „Hola Kita“ mit pädagogischen Fachkräften aus Spanien, ein Onboarding-Programm für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger an der Alice-Salomon-Schule Hannover sowie Fortbildungsangebote für Kita-Leitungen. Außerdem plant die Region ein Modellprojekt zur praxisintegrierten Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern.

Parallel unterstützt die Region die Kommunen finanziell beim Ausbau und Erhalt von Einrichtungen. Für den Neubau zusätzlicher Plätze stehen in den Haushaltsjahren 2025 und 2026 jährlich rund sechs Millionen Euro bereit. Weitere vier Millionen Euro pro Jahr sind für Sanierungsmaßnahmen vorgesehen.

Der Bericht zeigt damit eine Entwicklung mit zwei Gesichtern: Die Versorgungslage hellt sich auf, vor allem im Kindergartenbereich. Hemmingen und Pattensen stehen rechnerisch gut da, teilweise sogar mit deutlichem Abstand zwischen Angebot und Belegung. Doch die entscheidende Frage bleibt, ob vorhandene Plätze auch im Alltag verlässlich nutzbar sind. Denn eine Kita-Landschaft funktioniert nicht allein mit Räumen, Tabellen und rechnerischen Quoten. Sie braucht vor allem Menschen, die Kinder begleiten, fördern und betreuen. RED
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