In Unternehmen mit 20 und mehr Angestellten müssen in Deutschland je nach Unternehmensgröße bis zu 5 Prozent Menschen mit einer Schwerbehinderung beschäftigt werden. Sonst muss eine Ausgleichsabgabe bezahlt werden. Diese Regelung gilt schon lange. Dazu kommt jetzt aufgrund der demografischen Entwicklung noch, dass die Arbeitskräfte immer knapper werden. „Für uns ist auch der sogenannte zweite Arbeitsmarkt wichtig“, sagt Steding. Dazu zählen Arbeitslose und leistungseingeschränkte Menschen.
Auf Initiative der ehrenamtlichen Schwerbehindertenbeauftragten in der Verwaltung, Anja Klocke, und ihres Stellvertreters Marc Jacobs hat die Stadt dieses Jahr erstmals am DuoDay teilgenommen. An diesem europaweiten Aktionstag laden Unternehmen Menschen mit Beeinträchtigungen ein, um ihnen einen Einblick in die jeweiligen Arbeitsfelder zu geben. Pattensen hatte zwei Stellen im Betriebshof, eine in der Zentrale und eine im Klärwerk angemeldet. Auf letztere meldete sich der 36-Jährige Christian Reckewerth aus Barsinghausen. Er ist seit 13 Jahren bei der Lebenshilfe Seelze beschäftigt und sucht jetzt eine Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt. „Viele Unternehmen melden für diesen Tag Stellen im Büro. Ich suche aber eher etwas im Handwerk“, sagt Reckewerth. Er freute sich deshalb über diese Möglichkeit, genauere Einblicke zu erhalten. Tim Landes und Marc Meyer-Stadie, Mitarbeiter im Klärwerk, zeigten Reckewerth mehrere Stunden lang ihr Aufgabengebiet. Dabei durfte Reckewerth auch schon kleinere Aufgaben übernehmen. Die Stadt bietet ihm jetzt zusätzlich ein Praktikum an, um noch etwas länger dort hineinzuschnuppern.Steding kündigt an, dass die Stadt auch nächstes Jahr wieder am DuoDay teilnehmen will. Sie macht Menschen mit einer Behinderung Mut, sich auch ganz regulär für einen Job im Rathaus zu bewerben. Die sogenannten Nachteilsausgleiche werden dort berücksichtigt. So bekommen etwa Menschen mit Diabetes Zeit und einen Raum, um sich zu spritzen oder den Blutzucker zu messen, wenn sie dies nicht öffentlich machen wollen.
Für eine Beschäftigte im Rollstuhl wurde der Stempelautomat so versetzt, dass sie besser herankommt. Klocke ergänzt, dass die Betroffenen den Raum für ihre Bedürfnisse auch beanspruchen können, ohne die Art ihrer Behinderung zu nennen, wenn sie dies nicht wollen. „Wir werden sie auch nicht danach fragen“, sagt sie.
Bürgermeisterin Ramona Schumann (SPD) weist noch darauf hin, dass viele Menschen ihre Schwerbehinderung auch erst während ihres Lebens, etwa durch einen Unfall, bekommen. Es sei dann auch die Aufgabe des schon bestehenden Arbeitgebers, den Arbeitsplatz so einzurichten, dass die Betroffenen dort weiterarbeiten können, sofern dies möglich ist. Wenn die körperliche Beeinträchtigung so groß ist, dass notwendige handwerkliche Tätigkeiten an der bestehenden Arbeitsstelle nicht mehr möglich sind, gebe es zwar Grenzen. „Doch wir haben als Arbeitgeber ganz klar einen Inklusionsauftrag“, sagt Schumann.