Essen für einen Euro: „Crazy Tuesday“ verfünffacht Schülerzahl
Das Problem in der Hemminger KGS-Mensa: Der große Zuspruch bringt die Finanzierung
des Projekts jetzt ins Wanken

Essen gern in der Mensa: Alicia (11), Greta (12), Maja (13) und Matthis (16).Foto: Tobias Lehmann
Hemmingen. Muss das Projekt „Crazy Tuesday“ an der KGS in Hemmingen-Westerfeld vorzeitig abgebrochen werden, weil es zu erfolgreich ist? Vor dieser kuriosen Situation stehen die Initiatorinnen Sandra Bekiesch-Skripuletz und ihre Tochter Emilia Skripuletz aus Arnum gerade. Bei der für das laufende Halbjahr geplanten Aktion kostet das Essen in der KGS-Mensa nur einen Euro. Der übliche Preis liegt bei 5,30 Euro. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler hat sich seit dem Start des Projekts im Februar an den Dienstagen verfünffacht. Besuchen sonst rund 60 Schülerinnen und Schüler die Mensa an einem Tag, sind es dienstags jetzt immer bis zu 300.

Bekiesch-Skripuletz und ihr Team hatten für das Projekt rund 13.000 Euro eingeplant. Das Geld liegt aufgrund der Zuwendungen von Sponsoren mittlerweile auch bereit. Um die finanzielle Abwicklung kümmert sich der Förderverein der KGS. „Doch wir hatten mit rund 180 Essen pro Dienstag kalkuliert und nicht mit 300, sagt Bekiesch-Skripuletz. Jetzt wird zusätzliches Geld benötigt. Wie viel genau, das kann sie noch nicht benennen. „Wir freuen uns aber über jede weitere Unterstützung“, sagt sie. Interessenten könnten sich per E-Mail an crazytuesday@kgshemmingen.eu wenden. Erhöhen will Bekiesch-Skripuletz den Preis pro Mensaessen für den jetzigen Zeitraum nicht. „Die Schülerinnen und Schüler sind jetzt auf diesen Preis bis zu den Sommerferien eingestellt. Das haben wir so angekündigt, und das sollte auch so bleiben“, sagt sie. Zumal das Projekt durch die Universität Osnabrück ausgewertet wird und die Ergebnisse nicht verfälscht werden sollten. Die Schülerinnen Alicia (11), Greta (12) und Maja (13) sowie der Schüler Matthis (16) bestätigen, dass es dienstags jetzt in der Mensa immer voller ist als üblich. Das habe aber nicht nur Vorteile. So mache es zwar Spaß, zusammen mit mehreren Leuten zu essen. Doch manchmal müssten sie lange in der Schlange vor der Ausgabe anstehen und dann auch noch warten, bis ein Sitzplatz frei wird. Der stellvertretende Schulleiter Andreas Gonschior sagt, dass sich die Schule über das gestiegene Interesse am Essen in der Mensa freut. Ein wenig könne über die Aufsicht möglicherweise noch gesteuert werden, dass Sitzplätze schneller frei werden. „Die Mensa ist einfach auch ein schöner Aufenthaltsraum. Viele bleiben nach dem Essen noch ein wenig sitzen“, sagt er. Bürgermeister Jan Dingeldey (CDU) sagt augenzwinkernd, dass die Stadt über den Bau einer zweiten Mensa nachdenke, wenn täglich bis zu 300 Schülerinnen und Schüler in der Mensa essen. Auch er zeigt sich von dem Zuspruch überrascht. Die Bevölkerung in Hemmingen gilt als relativ gut situiert. „Auch wenn das immer noch zu hoch ist: Wir haben mit rund 10 Prozent die kleinste Kinderarmutsquote in der Region Hannover“, sagt Dingeldey.

Schülersprecherin Johanna Bullerdiek sagt, dass es wahrscheinlich mehrere Gründe gebe, weshalb Schülerinnen und Schüler die Mensa nicht jeden Tag besuchen. Doch der Preis scheint eine große Rolle zu spielen. „Jetzt sind sogar Schülerinnen und Schüler aus der Oberstufe, für die das Essen in der Mensa sonst eher als uncool gilt, häufiger zu Gast“, sagt sie. Das bestätigt auch Sylvia Baronowski, die das Projekt für den zuständigen Caterer „vomfeinsten“ betreut. In der gesamten Essenszeit von 11.10 bis 13.20 Uhr soll die Mensa an den Dienstagen jetzt immer gut besucht sein. „Das macht auch für uns an der Ausgabe mehr Spaß, wenn wir die strahlenden Gesichter der Schülerinne n und Schüler sehen“, sagt sie.
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