Und doch liegt in dem Gebäude, das 1731 erstmals errichtet und 1822 wieder aufgebaut wurde, einiges im Argen. Seit Anfang 2022 sorgen riesige Stützen auf der Rückseite dafür, dass die nach Westen ausgerichtete Fassade nicht weiter ausbeult. Nachdem die Schäden zur Jahreswende 2021/22 festgestellt worden waren, hatte die Stadt zwischenzeitlich ein Gutachten in Auftrag gegeben. Ergebnis: Um weitere Schäden überhaupt ermessen zu können, müsse das Gebäude vollständig entkernt werden.
Bis dahin behilft man sich mit Provisorien – und die funktionieren erstaunlich gut, wie beim Rundgang durch das Gebäude mit Petra Schwarz deutlich wird. „Unsere Arbeitsabläufe sind überhaupt nicht beeinträchtigt“, sagt die Leiterin des Standesamts, das hier neben dem städtischen Friedhofsamt untergebracht ist. In den rückwärtigen Räumen auf der Westseite habe die Stadt zwar etliche Stützen einbauen lassen, um die Statik zu ertüchtigen. Aber damit habe man sich gut arrangiert: Eines der Büros, durch das die Balken laufen, wurde zum Drucker- und Technikraum umfunktioniert, im Vorraum des Friedhofsamts, das ansonsten mit Regalen vollgestellt ist, wirken die Balken geradezu pittoresk.
Während des Rundgangs versammelt sich allmählich eine Hochzeitsgesellschaft im Trauraum auf der Südostseite, die von den Statikproblemen nicht betroffen ist. Von den Schäden bekommen Besucher allenfalls etwas mit, wenn sie die Toilette aufsuchen, durch die ebenfalls Stützbalken laufen.
Eigentlich sollte angesichts der großen Nachfrage auch der ehemalige Ratssaal längst zum zweiten, größeren Trauzimmer umgebaut werden. Das Projekt liegt auf Eis – stattdessen ruhen in dem Raum, in dem früher Laatzens Rat tagte, heute Tausende Akten des Standesamts, das neben Trauungen auch mit Namensänderungen, Einbürgerungen und anderen Personenstandsangelegenheiten befasst ist.
Über all dem schwebt die Frage, wie es mit dem Gebäude langfristig weitergeht. Denn eine Sanierung dürfte in die Millionen gehen. Schon allein für das Erdgeschoss mit Umbau des alten Ratssaals zum Trauzimmer samt barrierefreiem Zugang und Aufzug hatte die Stadt einst 740.000 Euro veranschlagt. Für die Arbeiten im aktuell leer stehenden Obergeschoss, in das Büros einziehen sollten, waren 2022 und 2023 weitere 720.000 Euro vorgesehen. Vom Ausmaß der statischen Probleme war damals allerdings noch keine Rede.
Neue Kostenschätzungen liegen zwar nicht vor. Sollte sich die Stadt aber, wie von den Gutachtern vorgeschlagen, für eine grundlegende Kernsanierung entscheiden, werde „der veranschlagte Kostenrahmen überschritten, da umfassende Arbeiten am Mauerwerk und in der statischen Ausrichtung erwarten sind“, wie Stadtsprecherin Sonja Westphal erläutert. Hinzu kämen Kostensteigerungen im Baugewerbe.
Bei ihren weiteren Planungen geht die Stadt deshalb Schritt für Schritt vor. Vor einer Entkernung müssen zunächst Standes- und Friedhofsamt das Gebäude verlassen. Das Standesamt soll dafür in die Alte Schule in Gleidingen umziehen, die dafür jedoch noch hergerichtet werden muss. Die Planungen, die eigentlich in diesem Frühjahr hätten beginnen sollen, liegen im Verzug. Sie sollen nun „schrittweise“ wieder aufgenommen werden, kündigt Westphal an. Klar sei schon jetzt, dass ein Umzug des Standesamts nach Gleidingen nicht vor Ende 2027 abgeschlossen sein würde. Geld für die Sanierung des Alten Rathauses könnte dann frühestens 2028 in den Haushalt eingestellt werden. Früher sei dies unrealistisch - auch weil das Vorhaben mit anderen Bauprojekten des notorisch überlasteten Hochbaubereichs der Stadt konkurriere.
Eine Dauerlösung soll Gleidingen nicht werden. „Das Alte Rathaus soll nach der Sanierung weiter als Standesamt der Stadt Laatzen genutzt werden“, stellt Westphal klar. Gleichlautend beantwortete auch Stadtbaurat Hauke Schröder zuletzt eine Anfrage der Wählergemeinschaft GFW. Im Standesamt selbst ist man mit der Zwischenlösung unterdessen zufrieden. „Wir sind froh, dass eine Immobilie gefunden wurde, die ein ansprechendes Äußeres hat“, sagt Schwarz. Auch in Gleidingen handelt es sich schließlich um ein Gebäude mit Geschichte – und für Sektempfänge nach den Trauungen steht auch dort eine Grünfläche zur Verfügung. Auf jeden Fall passe das Ambiente besser, als wenn das Amt ins Bürohaus an der Gutenbergstraße oder ins Stadthaus umgezogen wäre.
Ob die Trauungen in Gleidingen so beliebt sein werden wie in Alt-Laatzen, müsse man abwarten, sagt Schwarz. Unabhängig davon bleibt den Brautpaaren ohnehin noch eine weitere Möglichkeit: Auch künftig beabsichtigt das Standesamt, viermal im Jahr Trautermine im Park der Sinne anzubieten.