Eine Stadt zum Kuscheln
Laatzen hat per KI Bilder von typischen Motiven im Stil der
Plüschfiguren des Herstellers Jellycat erstellen lassen. Auch andere sind dem Trend gefolgt.

Flauschiges aus dem Computer: Die Stadt hat KI-Bilder von bekannten Laatzener Motiven erstellen lassen - vom Rathaus bis zu den Bibern in der Leinemasch.Quelle (2): Stadt Laatzen/Ki-generiert
Laatzen. Einige der bekanntesten Motive im Laatzener Stadtbild grüßen derzeit im Internet in der Optik von Plüschfiguren: Die Stadt hat per KI Bilder ihres Rathauses und anderer Orte und Dinge, die für Laatzen stehen, im Jellycat-Stil generieren lassen. Auch weitere Städte sind dem Trend gefolgt.

Bevor Laatzens Rathaus im nächsten Jahr abgerissen wird, hat die Stadt ihm nun ein virtuelles Denkmal in Plüsch gesetzt: Auf dem städtischen Instagram-Kanal @stadtlaatzen ist das Verwaltungsgebäude im Stadtzentrum seit Kurzem als flauschige Variante mit freundlich lächelndem Gesicht zu sehen – unter dem Motto „Laatzen plüschig“. Und nicht nur das: Niedliche Bilder im gleichen Stil gibt es unter anderem vom Stadtwappen, den Bibern in der Leinemasch und anderen lokalen Motiven.

Laatzens Stadtverwaltung springt damit auf den „Jellycat“-Trend auf, der seit einiger Zeit durch die sozialen Netzwerke wabert. Alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird dort derzeit per KI zu Plüschtier-Bildern umgestaltet – von Lebensmitteln bis zu Gebäuden. Vorbild sind die Plüschtiere der englischen Marke Jellycat, die es zwar schon seit vielen Jahren gibt, die aber in Zeiten der KI-Bildgeneratoren zum zusätzlichen Internet-Hype wurden.

Gepostet hat die Stadt ihre Plüschgalerie vor Kurzem als einen „Montagsgruß“ zum Start in die Woche. „Wir wollten einfach mal etwas Schönes machen“, sagt Stadtsprecherin Ilka Hanenkamp-Ley, die dafür mehrere KI-Modelle erprobt und die Bilder schließlich per ChatGPT erstellt hat – eine Charmeoffensive von Amts wegen, sozusagen. Mit Erfolg: „Wir haben eine sehr gute Reichweite damit erzielt“, sagt Hanenkamp-Ley. Binnen neun Tagen habe man 15.000 Aufrufe gehabt – weit über Durchschnitt. „Einer hat schon gefragt, ob es das auch zu kaufen gibt“, berichtet die Stadtsprecherin.

Die flauschige Laatzen-Galerie ist tatsächlich ein Hingucker. Zu den Motiven zählen neben dem Rathaus und dem Stadtwappen ein Ortseingangsschild, das Insektenauge im Park der Sinne, zwei Biber, das Alte Rathaus, der Tordenskiold-Gedenkstein in Gleidingen, die Aqualaatzium-Rutsche und – na klar – ein Storch.

Sogar das Niedersächsische Kommunalverfassungsgesetz gibt’s als Laatzen-Plüschi. So wie die anderen Motive ist es in fröhlich-bunten Farben gestaltet und mit Jellycat-Gesicht versehen. So niedlich sah ein Paragrafenwerk vielleicht noch nie aus.

Erfunden hat Laatzen das Konzept der Stadt-Plüschis nicht. Zu den Vorbildern zählten etwa die von Radio Hamburg erstellten Hansestadt-„Plüschis”, sagt Hanenkamp-Ley. Auch für Celle und Hannover gibt es bereits Ähnliches. In der Region könnte Laatzen aber ein wenig zum Trendsetter werden: Sehnde jedenfalls hat vor wenigen Tagen nachgezogen.

Zeitaufwendig war die Marketing-Aktion übrigens nicht, zumal das Vorgehen einfach sei, wie Hanenkamp-Ley berichtet. Mit dem Hochladen der jeweiligen Motivfotos habe sie die KI gebeten, Bilder gemäß dem Plüschi-Trend zu generieren, und teils noch genauere Anweisungen gegeben – etwa zu den Bibern, von denen kein Fotomaterial vorlag. Beim Stadtwappen beispielsweise passte es auf Anhieb.

„Nur mit dem Standesamt hatte ich Probleme“, sagt die Stadtsprecherin. „Das hat die KI nicht richtig hingekriegt.“ Anstelle des burgähnlichen Gutshauses im Alt-Laatzener Rathauspark zeigt das KI-Bild das Alte Rathaus als Fachwerkgebäude – immerhin mit dem Originalmotiv unscharf im Hintergrund. „Ich habe keine Ahnung, warum er das gemacht hat, er hat sich nicht davon abbringen lassen“, sagt Hanenkamp-Ley, als handele es sich um einen „echten“ KI-Kreateur.

Den virtuellen Raum verlassen werden die Laatzen-Jellycats wohl nicht: Sie als echte Figuren, als offizielle Giveaways in Auftrag zu geben, schließt Hanenkamp-Ley aus. Eine zweite Bilderserie könne sie sich hingegen vorstellen. Zumindest, wenn es die Zeit erlaube – und die Zeit bis dahin nicht über den Trend hinweggegangen ist.

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