Stadt entfernt alle Sitzgelegenheiten auf dem Natur-Aktiv-Platz
Vandalismus am Park der Sinne: Warnung vor Verlagerung des Problems

Kaputtgeschlagen: Die aus Ytongsteinen bestehende und mit bunten Mosaiken gestaltete Sitzbank in Form eines Drachen wurde seit dem Herbst immer mehr zerstört - nun ist sie weg.Foto: Torsten Lippelt
Laatzen. Erneut haben Unbekannte Schäden auf dem früheren IBM-Gelände neben dem Park der Sinne angerichtet. Am ersten Märzwochenende brannte auf dem Natur-Aktiv-Platz der Tisch einer Sitzgruppe nieder. Die Stadt hat nun sämtliche Outdoor-Sitzmöbel in dem Bereich nördlich des Fußweges zum Park der Sinne entfernen lassen, darunter auch die seit Herbst zunehmend zertrümmerte Mosaik-Drachen-Bank. Anlieger reagieren teils erleichtert.

„Ich bin sehr froh darüber, weil sich da keine Gruppen mehr sammeln können“, sagt Regina Wostbrock, die das Café im Park der Sinne betreibt. Vor allem junge Männer hätten sich oft getroffen, getrunken und gegrillt. „Jedes Mal hatten wir Angst, dass mal ein Funke überspringt“, so die Gastronomin. Aus der Gruppe heraus seien mitunter auch Passanten angepöbelt worden, die vom Parkplatz Gutenbergstraße aus zum Park spazierten. „Gäste haben sich beschwert“, berichtet Wostbrock, die auch von größeren Müllresten berichtet.

„Die Sitzgelegenheiten beim Natur-Aktiv-Platz haben wir abgebaut, weil es dort leider immer wieder zu Schäden durch Vandalismus gekommen ist“, teilte Stadtsprecherin Sonja Westphal am Freitag auf Nachfrage mit. Die Maßnahme sei bereits seit Längerem geplant gewesen. Der Betriebshof habe die Sitzecken und Bänke Anfang der Woche entfernt – nach einem neuerlichen Vorfall.Der jüngste Vandalismus ereignete sich am Samstagabend, 7. März. Laatzens Feuerwehr wurde um 20.23 Uhr wegen eines Brandes an die Gutenbergstraße und zum Natur-Aktiv-Platz gerufen. Den brennenden und wie die übrige Sitzgruppe aus Palettenholz zusammengezimmerten Tisch konnten die Helfer schnell löschen. Bereits im Herbst hatten Unbekannte die aus Ytongsteinen gebaute Drachenbank beschädigt, auf dem südlich gelegenen Spielplatz ein Bodentrampolin abgefackelt sowie im Park der Sinne eine Stele umgeworfen. Geschätzter Schaden: mehr als 10.000 Euro.

Der Natur-Aktiv-Platz wurde 2014 von dem Verein Transition Town gefördert und von der Region als außerschulischer Lernort angelegt: mit kleiner Hütte, Beerensträuchern, einer Aktionsfläche, Beschattungsmöglichkeiten und verschiedenen Sitzgelegenheiten. Auf Stämmen, Palettenmöbeln, einer halbrunden Metallbank sowie besagter Drachenbank fanden ganze Schulklassen Platz. Nun ist die Fläche leer – zumindest vorerst.

Bei den bisherigen Sitzecken würden im Herbst Beerensträucher und Bäume gepflanzt, teilte die Stadtsprecherin mit. Angebote wie der Naschgarten blieben erhalten, ebenso wie der südlich des Weges gelegene Mitmachgarten. Genau von dort gibt es auch kritische Stimmen.

Sitzgelegenheiten abzubauen sei vielleicht eine Not-, aber keine Dauerlösung, sagt Corinna John vom Team des Mitmachgarten: „Die Leute verschwinden nicht einfach, sondern suchen sich andere Plätze.“ Sachbeschädigungen seien verwerflich, doch es gebe auch einen grundsätzlichen Bedarf an kostenlosen Sitzgelegenheiten.

„Der Natur-Aktiv-Platz ist tot“, sagt John. Nötig sei ein neuer Pächter, der sich kümmert. Der einstige Vertrag zwischen der Stadt und TTH ist ausgelaufen. Denkbar sei auch, das Parkgelände samt Umzäunung auszuweiten. „Die Leute kommen zu uns, weil noch offen ist.“

Die Vertreterin des Mitmachgartens berichtet von eigenen Erfahrungen mit Sachbeschädigungen. Auch bei ihnen werde verbotenerweise gegrillt und es gebe Brandlöcher in der Terrasse. Mehrfach sei zudem der Unterstand mit Gartengeräten aufgebrochen worden. Seitdem aber das Vorhängeschloss entfernt wurde und nur noch ein Stein die Tür verschließt, sei das Interesse verschwunden. Offenbar gehe es bei Zerstörungen auch um eine Art Mutprobe, vermutet John.

Ob die Stadt an anderer Stelle noch einmal Bänke aufstellt, sei noch nicht abschließend geklärt, teilte Sprecherin Westphal auf Nachfrage mit. Denkbar wäre dies näher am Weg.

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