Zum Beispiel Marion Krug, die nicht nur stellvertretende Vorsitzende des Schützenvereins ist, sondern auch seit zehn Jahren der Interessengemeinschaft Gleidinger Vereine (IGV) vorsitzt. „Die IGV wurde vorher tatsächlich nur von Männern geführt. Ich bin da nur reingerutscht, weil ich entsetzt war, dass das Maifest aus Zeitgründen einfach so ausfallen sollte“, sagt sie am Rande des Rundgangs im Gespräch mit dieser Redaktion. Sie habe das Fest dann kurzfristig auf die Beine gestellt – mit einem Erfolg, der einen der damaligen Helfer zu einem Vergleich animierte, der sie heute noch lachen lässt. „Er meinte noch zu mir, dass ich echt Eier in der Hose hatte. Wird mir nie wieder aus dem Kopf gehen.“
Haben es Frauen in solchen Positionen schwerer als Männer? Hindernisse als Frau gebe es immer, aber es werde besser, findet Krug, die beruflich als Selbstständige im Bereich Steuerberatung tätig ist. „Man muss sich als Frau immer beweisen, zumindest noch bei der älteren Generation“, sagt sie. Wer männliches Dominanzverhalten zeige, dem gehe sie einfach aus dem Weg. „Ich glaube, dass wir Frauen toleranter und flexibler sind als Männer. Außerdem sind wir mehr auf das Gemeinwohl ausgerichtet“, findet sie.
Ortsbürgermeisterin Silke Rehmert (SPD) betrachtet Gleidingen als besonders liberalen Ort – seit vielen Jahren. Rehmert ist nicht nur die einzige Ortsbürgermeisterin im Laatzener Stadtgebiet, sondern auch die aktuell einzige Fraktionsvorsitzende im Rat der Stadt und zudem Vorsitzende des Kulturrings Gleidingen. „Ich bin davon überzeugt, dass es hier, neben den Nachahmungseffekten, auch ein Klima gibt, in dem gute Ideen gefördert werden“, sagt sie.
Natürlich gebe es immer wieder Reibereien, die aber nicht unbedingt zwischen Männern und Frauen stattfinden, sondern themenorientiert seien. „Ich habe es zum Glück nicht erlebt, dass ich nur aufgrund der Tatsache, dass ich eine Frau bin, abgelehnt oder diskriminiert wurde“, sagt Rehmert. Wer ihr gegenüber durch Posen punkten wolle, den ignoriere sie.
Über Gleidingen hinaus wirkt die Schriftstellerin und Projektkünstlerin Corinna Luedtke, deren Engagement für die Erinnerungskultur schon mit dem Couragepreis der Stadt gewürdigt wurde. Luedtke bemüht sich nicht nur um das Sichtbarmachen von Spuren der einstigen jüdischen Gemeinde im Ort, sondern will auch an Geschichten von Frauen in der Zeit des Nationalsozialismus erinnern. „Erinnerung lebt nicht nur von großen Ereignissen, sondern von den Menschen, die sie erlebt haben – und von der Stärke der Frauen, die in dieser schweren Zeit oft Großes getragen und bewirkt haben“, sagt Luedtke. Die drei Gleidingerinnen stehen nur exemplarisch dafür, wie Frauen sich im Ortsteil engagieren. So berichtete Angelika Bär aus ihrer Arbeit als Sprecherin des Seniorenbeirats. Organisatorin Marion Bode-Pletsch und Laatzens frühere stellvertretende Bürgermeisterin Gabriela Neumann-Köhler (SPD) erinnerten an weitere bekannte und erfolgreiche Gleidingerinnen der vergangenen Jahrzehnte: Sie zählte gleich mehrere Unternehmerinnen auf, die Leitungen der Grundschule, der örtlichen Kitas und des Sportvereins BSV.
Das Fazit Bode-Pletschs zum Abschluss des Rundgangs, an dem rund 40 Interessierte teilnahmen: „Der Frauentag ist kein Tag der Geschenke oder Blumen, sondern ein Tag des Nachdenkens und des Handelns.“