Fischsterben im Park
der Sinne
Stadt Laatzen sammelt 16 Kadaver ein,
spricht von einem Novum und will Fachleute kontaktieren.
Sauerstoffmangel im Teich ist offenbar die Ursache.

An der Oberfläche: Mindestens sieben große tote Fische hat die Laatzenerin Heidrun Martin im Teich im Park der Sinne ausgemacht.Fotos (2): Daniel Junker
Laatzen. Tote Fische treiben an der Wasseroberfläche, und Enten streiten sich um herausgerissene Stückchen: Was Heidrun Martin am Dienstag im Park der Sinne mitansehen musste, war für sie alles andere als schön. „Ich bin geschockt“, sagt die Laatzenerin, die regelmäßig durch die Grünanlage joggt. Sie fragt sich, was der Grund für das Fischsterben ist und warum anscheinend niemand etwas dagegen unternahm.

„Sind die Fische krank?“, fragt Martin. Oder bekamen sie in der Kälteperiode unter der dicken Eisschicht zu wenig Sauerstoff? Bereits vor etwa einer Woche, als noch Kinder über den zugefrorenen Teich liefen, seien mehrere kleinere tote Fische zu sehen gewesen, berichtet die Laatzenerin.

Die kleinen Fische waren am Dienstagnachmittag verschwunden – mutmaßlich waren sie aufgefressen worden. Dafür trieben auf der inzwischen fast eisfreien Oberfläche noch mehrere größere tote Fische. Unter den sieben größeren Kadavern von 30 Zentimetern und mehr Länge meinte Martin auch den eines geschätzt über 50 Zentimeter langen Koi zu erkennen.

Die für den Park der Sinne zuständige Stadt Laatzen bestätigte am Mittwoch das Fischsterben. Es habe mehrere Hinweise aus der Bevölkerung gegeben, sagte Stadtsprecherin Ilka Hanenkamp-Ley.

Das Phänomen in dem bis zu 1,20 Meter tiefen künstlichen Gewässer ist der Sprecherin zufolge ein Novum. „Da ein solcher Vorfall bislang nicht aufgetreten ist, stehen wir bereits im Austausch mit Fachleuten, um geeignete Vorsorgemaßnahmen zu prüfen und künftig auch bei längeren Kälteperioden ein Fischsterben zu verhindern.“

Insgesamt wurden laut Stadtsprecherin 16 Kadaver gezählt. Goldfische sollen nicht darunter gewesen sein, so Hanenkamp-Ley. Wie konnte es überhaupt dazu kommen?

Tatsächlich sei das Sterben der Fische auf die in diesem Winter ungewöhnlich lang andauernde Kälteperiode zurückzuführen, sagte die Sprecherin. „Aufgrund der dicken Schneedecke auf dem Eis konnten Algen und andere Pflanzen keinen Sauerstoff mehr produzieren, was zu Sauerstoffmangel führte.“ Die Folge: Die Tiere erstickten.

Angelegt wurde der Teich mit dem Park der Sinne zur Expo 2000. Fische hätten hier zunächst keine Rolle gespielt, so die Stadtsprecherin. Sie seien im Laufe der Jahre hinzugekommen: gewollt und ungewollt. „Im Teich leben Welse, Hechte und Goldfische“, sagte Hanenkamp-Ley. Doch während die Goldfische bewusst von der Stadt und dem Verein Angelfreunde Zucker eingesetzt wurden, als 2019 der einstige Marktteich für den heutigen Weidengrund verschwand, kamen die übrigen Fischarten wild in den Teich.

Was bei Gewässern und längeren Kälteperioden zu beachten ist? Der Vorsitzende des Vereins Angelfreunde Zucker Rethen, Hartmut Kreiss, rät, bei anhaltendem Frost auf die Sauerstoffkonzentration zu achten. „Ich habe bei meinem Koi-Karpfenteich permanent die Sauerstoffpumpe laufen und keine Verluste.“ Die Oberfläche von Gewässern sei zumindest stellenweise eisfrei zu halten. Bei Teichen sollte am besten gleich eine Belüftung installiert werden.

Zudem solle möglichst niemand über Eis laufen, um die Tiere nicht aufzuschrecken. „Die Fische halten sich normalerweise am Teichgrund in einer Art Winterquartier auf und reduzieren die Atmung“, so Kreiss. Würden sie durch Geräusche gestört, bekämen sie Angstzustände und wüssten nicht mehr, wohin. Erst recht nicht bei kleinen Gewässern mit geringer Tiefe und wenig Rückzugsmöglichkeiten.

Das Gewässer im Park der Sinne ist seit Mittwoch wieder frei von Kadavern. Die Stadt hat die toten Fische am Vormittag einsammeln und entsorgen lassen.



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