„Wir dürfen keine Tabus haben, wenn wir die Chance haben, Gebäude zu erhalten“, mahnt Wolf Kohlstedt, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstands und Teil der Steuerungsgruppe Gebäudepriorisierung. Wenn die Gemeinde die Nutzung ihrer Räume ausweite, könnten sich neue Konstellationen ergeben, auch mit Schulen.
Nicht alle Kirchen seien für alle Angebote geeignet. Für moderne Nutzungen biete sich vor allem St. Petri an. Dort wurden die sperrigen Bänke bereits durch Stühle ersetzt und ein festes Traversensystem für Licht- und Soundanlage verbaut.
Wie gut sich in Rethens Gotteshaus feiern lässt, konnte unter anderem die queere Jugendorganisation Andersroom testen, die dort im Sommer 2024 eine Gala zum zehnjährigen Bestehen feierte.
„Kirche ist im Wandel, und wir wollen ihn gestalten“, sagt die Vorsitzende des Kirchenvorstands, Pastorin Katrin Dieckow, ebenfalls Mitglied der Steuerungsgruppe. Es gibt aber auch Handlungsdruck. Zurzeit erhalte Laatzen jährlich 180.000 Euro für die Bauunterhaltung, künftig seien es bestenfalls 130.000 Euro. Das klinge zunächst viel, sagt Kohlstedt, doch bei 15 Gebäuden werde es schon knapp, zumal im Haushalt allein 40.000 Euro für Energiekosten abzuziehen sind.
Was die Gemeinde erleichtert: Laatzens Sakralgebäude sind in gutem Zustand, betont der Vorsitzende des Bauausschusses, Ralph Beerbom. Ein Verkauf von Kirchen – anders als bei den Katholiken der von St. Mathilde – sei daher bei der evangelischen Gemeinde bisher kein Thema.
Um die Auslastung der Kirchengebäude angesichts des erwarteten Mitgliederschwundes von aktuell rund 10.000 auf etwa 6000 im Jahr 2035 zu erhöhen sowie Einnahmen zu erzielen, will die Gemeinde mit potenziellen Interessenten ins Gespräch kommen. Es habe schon einzelne Anfragen gegeben, heißt es. Die Gemeinde will aktiv werden. „Wir sprechen dafür mit der Stadt Laatzen und Vereinen“, sagt Dieckow.
Ohne Abstriche geht es aber nicht. Um 30 Prozent Einsparung bis 2035 zu erreichen, müssten Pfarr- oder Gemeindehäuser abgegeben werden. Was das im Einzelnen bedeuten kann, erläuterte der Kirchenvorstand im Januar bei einer Gemeindeversammlung.
■ Rethen: Das Gemeindehaus an der Bruchriede hat Hochwasserschäden im Keller, das Obergeschoss ist aus Brandschutzgründen gesperrt. Auch beim sanierungsbedürftigen Pfarrhaus sind größere Investitionen nötig, sodass diese Gebäude wohl bis 2035 abzugeben sind. Perspektivisch könnte die Kirche der neue Gemeinderaum werden.■ Gleidingen: Die denkmalgeschützte St.-Gertruden-Kirche ist Laatzens ältestes Gebäude und soll erhalten bleiben. Das Ensemble aus Pfarrhaus, Gemeindehaus und Pfarrgarten gilt als überdimensioniert und muss nicht zwingend behalten werden. Auf dem Gelände könne, womöglich mithilfe von Investoren, ein Treffpunkt und Sozialraum entstehen.■ Grasdorf: In der Pilgerkirche von St. Marien steht seit 2025 Laatzens erstes Kolumbarium, das neue Gemeindehaus wurde erst 2021 eröffnet und sei grundsätzlich schon für andere soziale Gruppen und Interessenten offen. Dies gelte es weiterzuentwickeln. Das große Pfarrhaus hingegen könne auch anderweitig genutzt oder verkauft werden.■ Laatzen-Mitte: Die Arche mit Gemeindezentrum und Kirche an der Marktstraße wird bereits zur Diakonie- und Segenskirche weiterentwickelt. Hinter das Grundstück Thomaswiese sowie das Pfarrhaus am Brucknerweg hingegen setzt der Kirchenvorstand ein Fragezeichen.■ Alt-Laatzen: Die Immanuelkirche ist die größte der fünf in der Gesamtkirchengemeinde. Sie könnte zu einem Konzert- und Veranstaltungsraum umgebaut werden. Bei dem dazugehörigen Pfarrhaus an der Alten Rathausstraße wünscht sich die Gemeinde hingegen am ehesten eine außerkirchliche Nutzung.Die alte Kapelle schräg gegenüber der Immanuelkirche soll für Gottesdienste, Andachten und Kasualien wie Taufen und Hochzeiten weiter ausgebaut werden. Hier wird versucht, über Fundraising Geld für den Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes zu bekommen.
„Noch ist nichts entschieden“, betont Dieckow. Sie wollten vielmehr rechtzeitig über den bevorstehenden Prozess informieren und zur Mitarbeit ermutigen. „Wir brauchen jetzt Hilfe und Ideen“, ergänzt Beerbom. Menschen seien immer offener für Veränderungen von Kirche geworden, meint Kohlstedt. Konflikte zwischen Progressiven und jenen, die das Bisherige bewahren wollten, gehörten im Prozess dazu.
Am 28. Februar stellt die Steuerungsgruppe ihr Konzept dem Kirchenkreis vor. Das Kirchenparlament, die sogenannte Synode, werde wohl im Juni über die Finanzierung bis 2035 entscheiden, sagt Kohlstedt. Wer sich noch mit Ideen einbringen will, kann sich an den Kirchenvorstand wenden.