Entstehen hier mehr Wohnungen?
Stadt spricht mit Investor über Umwidmung ehemaliger
Gewerbeflächen in Laatzen-Mitte

Statt Autos: Auf dem Gelände des bisherigen Parkdecks an der Senefelderstraße soll künftig eine Mischnutzung aus Wohnen, Gewerbe und Reha-Einrichtung möglich sein.Foto: Johannes Dorndorf
Laatzen. Zieht ins nördliche Stadtzentrum von Laatzen-Mitte bald mehr Leben ein? Das früher vor allem gewerblich genutzte Gebiet zwischen Würzburger Straße und Senefelderstraße soll künftig noch stärker zum Wohnquartier ausgebaut werden. Neben dem ehemaligen Hellux-Gelände bereitet die Stadt die Freigabe zweier weiterer Grundstücke für eine Wohnnutzung vor.

Konkret geht es um die bisherige Freifläche neben dem H4-Hotel an der Ecke Würzburger Straße/Mergenthalerstraße und um das Parkdeck neben dem Verwaltungsgebäude Gutenbergstraße, das sich an der Ecke Mergenthaler-/Senefelderstraße befindet. Die Stadtverwaltung gab jetzt bekannt, dass sie mit einem Investor über die Entwicklung der beiden Grundstücke im Gespräch ist.

Details nennt die Stadt dazu noch nicht, aber die Richtung ist klar: „Ziel der Planung ist, auf der als Parkhaus genutzten Fläche die Errichtung einer gemischten Nutzung aus Wohnen, Gewerbe und gesundheitsbezogenen Pflegeeinrichtungen zu ermöglichen“, heißt es in einer Ratsdrucksache zum Thema. Die Rede ist dabei von einem Reha-Angebot, hieß es jetzt im Ortsrat Laatzen. Für die Freifläche, die sich an das H4-Hotel im Osten und Victor’s Residenz im Norden anschließt, gehe es überwiegend um eine Wohnnutzung mit Gewerbe im Erdgeschoss.

Damit würde sich der Bereich nördlich der Würzburger Straße noch mehr weg vom Gewerbe und hin zum Wohnquartier entwickeln. Möglich wird dies durch einen planungsrechtlichen Eingriff, der noch politisch beraten werden muss: Bislang sind beide Grundstücke als sogenanntes Kerngebiet ausgewiesen, in dem Wohnen nur sehr eingeschränkt möglich ist. Die Stadt strebt die Umwidmung in ein „urbanes Gebiet“ an, das flexibel für Wohnen, Gewerbe sowie soziale und kulturelle Zwecke genutzt werden darf.

Bestärkt wird die Belebung des Quartiers auch dadurch, dass die Stadt ihre Verwaltung in diesem Jahr nahezu vollständig im Bürogebäude an der Gutenbergstraße zusammenziehen will. Damit verlässt die Stadt mit den meisten Dienststellen das Stadtzentrum in Richtung Nordwesten. Einzig das Bürgerbüro, die Stadtbücherei und die Einrichtungen im Stadt- und im Nachbarschaftshaus verbleiben im eigentlichen Stadtzentrum.

Die politischen Beschlüsse stehen allerdings noch aus. Ob die Pläne die Unterstützung der Ratsfraktionen erhalten, ist noch offen – zumal sie derzeit noch sehr vage sind. „Ich kann im Moment nicht viel damit anfangen. So reicht mir das nicht“, sagte etwa SPD-Ortsratsmitglied Harald Zietz, als das Thema vor kurzem im Ortsrat Laatzen grob vorgestellt wurde. „Wie viele Wohnungen sollen gebaut werden – und wie ist die Aufteilung?“, wollte auch David Novak (CDU) wissen.

Stadtplaner Jörg Schmidt erläuterte, dass man noch ganz am Anfang stehe. „Es wird in Abstimmung mit dem Investor ein Entwurf bearbeitet“, sagte Schmidt. Dieser werde vor einer Beschlussfassung vorgelegt. „Wir sind in der allerersten Stufe des Planverfahrens.“

Die Ausweisung weiterer Wohngebiete berührt allerdings eine zentrale Frage, die Laatzens Ratspolitiker seit längerer Zeit beschäftigt: Soll die Stadt weiterwachsen oder soll das Wachstum gebremst werden, um mögliche Folgekosten für die notwendige Infrastruktur – allen voran im Bereich Schulen – zu vermeiden? Sollten die beiden Flächen bebaut werden, würde gerade Laatzen-Mitte noch mehr auf einen Wachstumskurs einschwenken. Mit dem angrenzenden früheren Hellux-Gelände ist bereits ein weiteres Quartier mit bis zu 380 Wohnungen in Vorbereitung.

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