In einem Ortsteil, berichtet Seeger, wurde zwei Mitarbeitern sogar körperliche Gewalt angedroht. „Die beiden Kollegen waren mit Heckenschnitt beschäftigt. Ein Anwohner meinte, sie sollten noch mehr erledigen. Aber wir bekommen von unserem Chef immer klare Anweisungen“, sagt Seeger. Folglich ignorierten die beiden den lautstarken Mann. „Sie fuhren weg, der Mann hinter ihnen her und drohte ihnen Schläge an“, berichtet Seeger. Der Fall endete schließlich sogar mit einer Gerichtsverhandlung.
Immer wieder unschön endet das Bearbeiten der Grünflächen oberhalb von Rigolen. „Wir bekommen von Bürgern vorgeworfen, dass wir viel zu selten dort sind“, berichtet Seeger. Die Flächen dieses unterirdischen Systems zum Versickern von Regenwasser werden nur etwa dreimal pro Jahr gemulcht. „Das heißt, wir sammeln das Schnittgut nicht auf“, erklärt Seeger den Unterschied zum Mähen. „Wenn wir dort öfter mulchen, kann das System verstopfen und das Wasser nicht mehr abfließen. Und wenn wir mähen sollen, brauchen wir dafür mehr Zeit.“
Den teils aufgebrachten Anwohnenden versucht Seeger diesen Sachverhalt zu erklären. „Aber sie wollen es teilweise nicht verstehen.“ Er sagt: „Natürlich kann ich nachvollziehen, dass es nicht schön aussieht, wenn das Unkraut 20 Zentimeter in die Höhe ragt.“ Wünschenswert aus seiner Sicht wäre: „Die Leute können uns gerne fragen. Aber bitte in einem freundlichen und nicht gleich aggressiven Tonfall.“
Vorwürfe, die Seeger und die anderen Mitarbeiter immer wieder hören: Ihr seid ja faul, ihr macht nichts. „Da setzen wir uns mal für einige Minuten in das wärmende Auto, um einen Kaffee zu trinken, schon meckert uns jemand an“, sagt der 24-Jährige. „Das nervt einfach und ist demotivierend.“ Nicht selten wollen Pattenserinnen und Pattenser den Spezialisten erklären, wie sie ihre Arbeit richtig zu erledigen haben. „Wir sind vom Fach. Wir wissen, was wir wie zu tun haben“, sagt Seeger. „Die sollten sich lieber um ihre Pflichten kümmern. Uns wollen sie erzählen, wo wir Unkraut entfernen müssten. Vor ihrem Haus in der Gosse wächst es aber in die Höhe. Dafür sind sie zuständig“, sagt Seeger.
Für Unmut sorgt ebenfalls, dass sich das Team häufig nicht ernst genommen fühlt. „Wir stellten an einer Parkplatzfläche in der Kernstadt Parkverbotsschilder auf, um den Bereich reinigen und Bäume schneiden zu können“, sagt Seeger. Doch statt Freude der Anwohner, dass ihre Straße von wucherndem Grün befreit und somit aufgehübscht wird, gab es auch hierfür Anfeindungen. Das Parkverbot ignorierten einige. Das Ergebnis war, dass drei Wochen lang keine Arbeit verrichtet wurde. So etwas soll in Zukunft strenger verfolgt werden. Pattensens Stadtsprecherin Andrea Steding kündigt an, dass Stadtbetriebshof und städtisches Ordnungsamt enger zusammenarbeiten werden.
Ein Spruch, den Seeger auch schon mehrfach gehört hat, sorgt inzwischen nur noch für ein Schmunzeln bei ihm. „Es ist egal, ob die Menschen den Vornamen der Bürgermeisterin kennen. Sie können uns damit nicht einschüchtern, dass sie Ramona kennen. Ich kenne sie auch“, sagt er gelassen. Steding ergänzt: „Die Mitarbeiter wissen, dass Frau Schumann und die direkten Vorgesetzten hinter dem Team stehen.“
Die Mitarbeitenden werden immer wieder auf bestimmte Situationen besonders vorbereitet. „Wir schulen sie, wie sie sich gegenüber aggressiven Menschen verhalten sollen“, sagt Steding. Die grundsätzliche Empfehlung: ruhig bleiben. Wenn die Situation allerdings zu eskalieren droht oder die Mitarbeiter zu sehr von ihrer Arbeit abgehalten werden, sollen sie die Menschen vor Ort darauf hinweisen, dass diese sich direkt an das Rathaus wenden können. Missstände im Stadtgebiet können Pattenser zudem per Smartphone-App Meldoo weitergeben.Seeger und seine Kollegen erleben vereinzelt auch mal schöne Momente. „Es gibt auch sehr angenehme Gespräche. Und ab und zu gibt uns mal jemand einen Kaffee aus“, sagt er. Allerdings überwiegen die negativen Erfahrungen. Er hofft auf Einsicht, dass alle Mitarbeiter des Stadtbetriebshofs ihrer Arbeit bestmöglich nachgehen. „Wir machen unsere Arbeit so gut es geht“, betont er.