Als die Juden – laut der Bibel durch ihre eigene Schuld - in die babylonische Gefangenschaft verschleppt waren, erinnerte sich einer im Gebet an die Geschichte der Vorväter, als Gott Israel aus Ägypten befreit hatte.
Er fragte: Warum sollte Gott nicht wieder so handeln? Warum kann ich nicht auch mal so etwas erleben? Dieser sehr kurze Gebetstext steht im Psalm 126 und ist wahrscheinlich in Babylon in der Gefangenschaft geschrieben. Und da heißt es ganz schlicht und ergreifend: mach das noch mal! Befreie uns aus der Gefangenschaft. Führe uns zurück ins gelobte Land.
In Luthers Übersetzung kommt das nicht so deutlich heraus. Aber Martin Buber und Franz Rosenzweig machen es in einem Vers ihrer Übersetzung ganz deutlich: „Laß uns Wiederkehr kehren“. Der amerikanische Übersetzer Eugene Peterson schreibt es noch plakativer: „And now, Yahweh, do it again!“ Auf Deutsch: „Und nun, Gott, mach das nochmal.“
So frech muss man erstmal sein! Eine ganze Kultur ist gerade den Bach runtergegangen, Jahrhunderte der Glaubensgeschichte sind zerstört. Und dann betet man einfach: mach das nochmal! Aber so ist es vielleicht, wenn man von Gott nur vom Hörensagen vernommen hat. Und wissen Sie was: das finde ich gut! Sie lassen nicht zu, dass schwere Schuld sich zwischen sie und Gott schiebt. Sie bitten ihn, wieder zu handeln. So ist aus dem Zweifel ein großes Vertrauen geworden.
Siebzig Jahre später bauten sie Jerusalem wieder auf.
Sigmar von Blanckenburg
Fundraising und Öffentlichkeitsarbeit
Ev.-luth. Kirchenkreis Laatzen-Springe