Der Raum als dritter Pädagoge
Rund 200 Schülerinnen und Schuler sowie 30 Lehrkräfte
haben das zweite Obergeschoss in der KGS neu gestaltet

Drei Schulleiter der KGS Pattensen: Klaus Gehoff (von links), Mirjam Gerull und Andreas Lust-Rodehorst.Foto: Tobias Lehmann
Pattensen. Die KGS Pattensen wird vom klassischen Lernort immer mehr zum Wohlfühlort. „Schülerinnen und Schüler bleiben freiwillig länger als nötig hier, um noch zu lernen und sich auszutauschen“, sagte Silas Lowke aus der Schülervertretung bei der Vorstellung der neuen Räume für die Oberstufe am Freitag. Rund 200 Schüler haben gemeinsam mit 30 Lehrerinnen und Lehrern und einer Architektin zehn Kursräume, einen Gruppenarbeitsraum, ein Ruhearbeitszimmer, einen Coachingraum, die Cafeteria, das Auditorium und die Toiletten im zweiten Obergeschoss neu gestaltet. „Alle Räume wurden individuell eingerichtet. Keiner gleicht dem anderen“, sagte Lowke.

Die Gestaltung lag in den Händen der Schülerinnen und Schüler. Für jeden Raum standen rund 2000 Euro zur Verfügung. Das Geld dafür stammt hauptsächlich aus dem Sponsorenlauf im Mai dieses Jahres. „Wir haben gelernt, mit einem begrenzten Budget auszukommen. Und der eine oder andere neu gelernte praktische Handgriff wird uns sicherlich später bei der Einrichtung der eigenen Wohnung auch noch helfen“, sagte Lowke. Manche Möbel wurden bei einem schwedischen Händler gekauft, andere haben die Schülerinnen und Schüler selbst gebaut. Zudem haben sie 145 Quadratmeter Wand neu gestrichen.

Pattensens neue Jugendbürgermeisterin Katharina Komlach, die selbst noch Schülerin der KGS ist, dankte den Pädagogen für das Vertrauen. „Wir haben hier Zukunft gestaltet“, sagte sie. Schulleiterin Mirjam Gerull ging darauf ein, dass das Lernen in den Schulen sich verändert. So soll der Eindruck der Schülerinnen und Schüler von „Fremdbestimmung und Bewertung“ dem Gefühl weichen, selbst bestimmen zu können.

Immer wichtiger werde die Kommunikation untereinander und die Fähigkeit, in Teams zu arbeiten, sagte Gerull. Deshalb wurden jetzt auch Gruppenarbeitsräume für die Oberstufe eingerichtet. Dort können die Schülerinnen und Schüler die Stunden verbringen, in denen sie eigenverantwortlich lernen sollen. Diese Stunden gehören schon lange zum Lehrplan der KGS. Der stellvertretende Schulleiter Andreas Ulrich sagte, dass es bisher aber keinen richtigen Platz dafür gab. „Jetzt haben wir Räume zum Wohlfühlen“, sagte er.

Vor Ort waren auch Gerulls Vorgänger Andreas Lust-Rodehorst und Klaus Gehoff. Beide lobten die Einrichtung. Lust-Rodehorst sagte, dass auch er in seiner Amtszeit von 2010 bis 2018 bereits Wert auf die Einrichtung der Klassenräume gelegt habe. Um Gruppenräume sei es damals aber noch nicht gegangen. „Der Raum ist der dritte Pädagoge“, zitierte Lust-Rodehorst den italienischen Reformpädagogen Loris Malaguzzi. Dessen Lehre nach sind die ersten beiden Pädagogen die Kinder selbst und die Erwachsenen. Gut gestaltete Räume sollen zusätzlich die Möglichkeit zur Selbstgestaltung geben.

Auch Gehoff äußerte sich anerkennend über die in die Zukunft gewandte Pädagogik der KGS. „In diesem Bereich sind viele Länder schon weiter als Deutschland. Wir müssen uns auf den Weg machen“, sagte er und ergänzte, dass die Entwicklung der Schulen aber nur gelingen könne, wenn die Schulträger auch dahinter stehen. In Pattensen ist das die Stadt. Bürgermeisterin Ramona Schumann (SPD) war auch vor Ort und lobte die neue Gestaltung. „Der Prozess zur Neugestaltung der KGS Pattensen hat schon vor vielen Jahren begonnen. Das hier ist ein Beispiel dafür, dass es sich lohnt, eine Vision zu entwickeln und sich auf den Weg zu machen“, sagte sie.



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