Welche Zukunft haben die kirchlichen Gebäude?
Immer weniger Mitglieder: Evangelischer Gemeindeverband informiert über Zahlen und Prognosen

Kleinod im alten Dorf: die Kapelle in Hemmingen-Westerfeld.Seite 4
Hemmingen. Für die Kapellen in Devese und Hemmingen-Westerfeld sollen Fördervereine gegründet werden. Das ist eines der Ergebnisse des jüngsten Informationsabends des Kirchengemeindeverbandes Hemmingen im Bürgersaal des Rathauses zur Zukunft der Gebäude der evangelischen Kirche.Der Hintergrund: Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt und entsprechend auch die Kirchensteuereinnahmen. Nach der Prognose der Landeskirche verlieren die Kirchengemeinden in den nächsten zehn Jahren ungefähr ein Drittel bis die Hälfte ihrer Mitglieder. Diese treten aus oder sterben altersbedingt.

Für die Region Hemmingen wird mit einem Rückgang der Mitgliederzahl von etwa 3 Prozent pro Jahr gerechnet. Zählte man 2023 insgesamt 6490 Mitglieder, so schwanken bei den zwei vorgestellten Hochrechnungen für 2035 die Prognosen zwischen 4129 beziehungsweise 3172 Mitgliedern. In der Trinitatisgemeinde mit Hemmingen-Westerfeld und Devese sinken die Zahlen demnach von 2443 im Jahr 2023 auf 1291 beziehungsweise 1165. In der Friedensgemeinde Arnum von 2385 auf 1535 beziehungsweise 735, in der St.-Vitus-Gemeinde mit Wilkenburg und Harkenbleck von 847 auf 681 beziehungsweise 667 und in der Nikolaigemeinde mit Hiddestorf und Ohlendorf von 815 auf 619 beziehungsweise 605.

Eine Bewertung der kirchlichen Gebäude mittels eines Kriterienkatalogs ergab: Hinsichtlich Nutzung und Lage, Zustand und Sanierungsbedarf sowie Heiz- und weiterer Kosten gibt es nur geringe Unterschiede. Also hat eine Arbeitsgruppe die Gebäude in vier Kategorien von A bis D eingeteilt. Die Kategorie A hat erhöhten Sanierungsbedarf.

Hierzu gehören St. Vitus und wegen Dachproblemen die Nikolaigemeinde. In B gelistet sind die Friedensgemeinde und die Trinitatisgemeinde mit der Kirche in Hemmingen-Westerfeld. In der Kategorie C gibt es keine Gebäude, bei D allerdings die Kapellen in Hemmingen-Westerfeld nahe der Dorfstraße und in Devese, die beide zur Trinitatisgemeinde gehören und die grundsätzlich zu erhalten sind. Für diese beiden Gebäude gelte es nach vergleichbaren Vorbildern im Stadtgebiet möglichst Fördervereine zu gründen, sagte Jochen Seidel, Baubeauftragter des Kirchenvorstands der Friedensgemeinde vor rund 40 Gästen der etwa anderthalbstündigen Veranstaltung, die von Reimund Wolf vom Bistum Hildesheim moderiert wurde. Fördervereine gibt es bereits für die Kapellen in Arnum und Harkenbleck.

Bis Februar 2026 sollen alle Gemeinden im Kirchenkreis Laatzen-Springe, zu dem auch Hemmingen und Pattensen gehören, eine sogenannte Gebäudebedarfsskizze 2035 vorlegen. Bereits im Februar 2025 hatten sich die Kirchenvorstände aller vier Hemminger Gemeinden bei ihrer Klausurtagung intensiv mit dem Thema beschäftigt.

Der Mitgliederrückgang wirkt sich auch auf den Verteilungsschlüssel für Pastoren und Pastorinnen mit einer vollen Stelle je 2350 Mitglieder aus. Derzeit bestehen zwei volle Stellen in Arnum und Hemmingen-Westerfeld und zwei halbe in Hiddestorf und Wilkenburg. Künftig seien eventuell nur zwei volle Stellen zu erwarten. „Kurzfristig ist das jedoch nicht zielführend, denn die Pensionskosten laufen weiter“, betonte Seidel.

„Der Prozess, der vor uns liegt, ist eine Herausforderung. Wir wollen einen Weg finden, die inhaltlichen Ziele unserer Kirche hier vor Ort in Einklang zu bringen mit den wirtschaftlichen Möglichkeiten, die wir in Zukunft haben“, betonte Seidel. „Wir wollen so auch dem Veränderungsdruck vorgreifen, solange wir noch die Möglichkeit haben, die Richtung selbst zu gestalten.“ In der abschließenden Gesprächsrunde an dem Abend reichten die Ideen von der Zentralisierung von Aufgaben oder der Spezialisierung einzelner Gemeinden in den Bereichen Kultur und Event, Jugend und Diakonie bis hin zur Fusion.



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