Hintergrund ist vor allem die finanzielle Belastung durch eine solche Mietlösung. Nach Informationen dieser Redaktion wäre die Summe, mit der die Stadtverwaltung rechnet, langfristig rund 50 Prozent höher als bei dem Szenario, am Verwaltungsgebäude an der Gutenbergstraße festzuhalten.
Hinter den Kulissen wird derzeit über mehrere Varianten gesprochen. Die teuerste wäre eine Verlegung der Stadtverwaltung zur Rentenversicherung. Das Rathaus würde dann abgerissen, für das Gebäude Gutenbergstraße müssten eine neue Nutzung oder ein Verkauf geprüft werden.
Als Alternative im Gespräch ist ein Zusammenziehen der Stadtverwaltung an der Gutenbergstraße. Wenn der Platz dort nicht für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausreicht, müsste die Stadt entweder zusätzliche Räume anmieten oder auf einen Anbau setzen. Der könnte entweder auf dem bestehenden Parkplatz vor dem Gebäude oder auf dem Gelände des benachbarten, weitgehend ungenutzten Parkdecks entstehen.
Ein weiteres Problem: Die von Bürgermeister Kai Eggert (parteilos) angestrebten neuen Arbeitswelten mit größeren Büroflächen und ohne feste Zuordnung der Mitarbeiter zu Arbeitsplätzen („Shared Desk“) ließen sich dort nur sehr eingeschränkt und nicht ohne größere Umbauten umsetzen. Bislang arbeiten dort ein bis zwei Personen in einem Büro mit festen Arbeitsplätzen.
Diskutiert wird inzwischen sogar wieder die alte Idee, das bestehende Rathaus um einige Etagen zu reduzieren, sodass das Gebäude nicht mehr unter die strengen Baurichtlinien für Hochhäuser fällt. Den Ansatz hatte die Laatzener Politik bereits vor einigen Jahren verfolgt, dann aber zugunsten eines Neubaus verworfen – der am Ende nicht zustande kam.
Die Debatte erfolgt bislang hinter verschlossenen Türen. Die Skepsis gegenüber dem Umzug zur Rentenversicherung ist offenbar groß. „Das Projekt ist tot“, sagt ein Ratsherr. Zurückhaltender äußert sich die SPD-Fraktionsvorsitzende Silke Rehmert. „Der Eindruck ist nicht verkehrt“, sagt sie auf die Frage, ob das Rentenversicherungsprojekt wackelt. Sie plädiere aber dafür, weiterhin ergebnisoffen zu diskutieren. Ein zentraler Punkt sei für sie, das Miteinander innerhalb der Verwaltung zu fördern.
Für den Grünen-Fraktionsvorsitzenden Thomas Weber sind die Kosten ein wichtiges Argument. „Wenn ich mir die Haushaltslage anschaue, müssen wir unsere Entscheidung an den Ressourcen der Stadt ausrichten und nicht nur an der Frage, ob moderne Arbeitswelten das A und O für die Verwaltung sind“, sagt Weber. Dies würde dafür sprechen, an der Gutenbergstraße zu bleiben, wo schon heute ein Großteil der Stadtverwaltung untergebracht ist.
„Ich habe schon früh gesagt: Wenn wir in die Rentenversicherung gehen, brauchen wir eine Antwort auf die Frage, was aus der Gutenbergstraße wird“, ergänzt Weber. „Wir können so ein Riesengebäude mit 7000 Quadratmetern nicht leer stehen lassen und auf der anderen Seite etwas mieten.“ Nach der Schaffung des Bildungscampus in Laatzen-Mitte könnten künftig zudem Räume in der bisherigen Grundschule Pestalozzistraße frei werden.
„Wir sollten aus wirtschaftlichen Gründen an der Gutenbergstraße festhalten“, findet auch CDU-Fraktionschef Fabian Bodenstab. Es gehe dann darum, die Räume „und andere Möglichkeiten, die sich ergeben“, optimal zu nutzen. Dank Desk Sharing und Homeoffice müssten heute weniger Schreibtische vorgehalten werden als bislang. Zu einem späteren Zeitpunkt könne man auch über einen Erweiterungsbau nachdenken.
Dass Desk Sharing ein Teil der Lösung ist, glaubt auch Rehmert: „Ich glaube, in der heutigen Zeit muss man nicht mehr für 100 Prozent einzelne Arbeitsplätze zur Verfügung stellen“, sagt sie.
Bodenstab warnt dabei davor, durch ein Festhalten an den neuen Arbeitswelten Zeit zu verlieren. Er beruft sich dabei auf die Befragung innerhalb der Stadtverwaltung zu dem Thema: „Wenn das bei 71 Prozent der Mitarbeiter nicht gut ankommt, sollte man vielleicht davon Abstand nehmen und es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal versuchen.“
Zumal die Zeit drängt: Bis Ende 2026 muss der Rathaus-Abriss beauftragt sein, um Fördergelder zu erhalten. „Dass das Projekt einen so massiven Zeitverzug hat, ist aus meiner Sicht nicht akzeptabel“, sagt Bodenstab. „Das ist kein gutes Projektmanagement.“
„Wir haben schon zu viel Zeit vertrödelt“, findet auch Gerhard Klaus (FDP). Im Gegensatz zu Bodenstab hält er den Umzug zur Rentenversicherung für das kleinere Übel – und zählt die Nachteile des Standorts Gutenbergstraße auf: „Das Rathaus würde aus dem Mittelpunkt der Stadt wegrücken, es gibt keinen barrierefreien Stadtbahnanschluss, nur wenige Parkplätze und das Gebäude ist schon 25 bis 30 Jahre alt“, sagt er. Die Rentenversicherung biete Vorteile – vom Stadtbahnanschluss über Sitzungs- und Besprechungsräume bis zur Kantine für die Beschäftigten. Über den Vorschlag, das alte Rathaus umzubauen, könne er nur den Kopf schütteln. „Ich empfinde das als totale Konfusion der Verwaltung.“
Einigkeit herrscht hingegen in einem anderen Punkt: Das Bürgerbüro und die Stadtbücherei sollen im Stadtzentrum bleiben. Heißer Kandidat dafür ist das leer stehende Adler-Gebäude am Leine-Center.