Sie verweisen darauf, dass sowohl Nutztiere wie Geflügel, Schafe, Schweine und Rinder, als auch Haustiere wie Hunde und Katzen mit chemischen Substanzen zur Insektenabwehr behandelt werden. Die Insektizide sind in Sprays, Shampoos, Lösungen zum auf die Haut tropfen (Spot-on-Präparaten) oder Halsbändern enthalten. Bei Hunden und Katzen würden dabei weiterhin Substanzen verwendet, deren Einsatz in der Landwirtschaft aus Umweltschutzgründen längst verboten ist. Und nach jeder Behandlung blieben für lange Zeit Rückstände im Fell der Tiere haften.
Die Forschenden hatten 103 Nester von Blaumeisen und Kohlmeisen auf Spuren der Insektizide untersucht. Meisen, aber auch viele andere Singvogelarten polstern nämlich ihre Nester mit Tierhaaren aus, die sie in der Natur finden.
Von 20 giftigen Substanzen, nach denen die Forscherinnen und Forscher gesucht hatten, konnten sie 17 in den Tierhaaren aus den Vogelnestern nachweisen. In jedem Nest waren mindestens zwei und bis zu elf verschiedene Insektizide nachweisbar. In allen untersuchten Proben fanden sich Rückstände des Insektengifts Fipronil: Der Einsatz zum Pflanzenschutz in der Landwirtschaft wurde 2013 in der EU untersagt, weil die EU-Kommission davon ausging, dass es Bienenpopulationen gefährdet. Als Flohschutzmittel für Haustiere ist es aber weiterhin legal im Handel erhältlich. Das Gleiche gilt für das Insektizid Imidacloprid, das in etwa 88 Prozent der untersuchten Nester nachgewiesen wurde.
Die Substanz Permethrin, die als Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft verboten ist, aber als Insektizid bei Hunden und Nutztieren eingesetzt wird, fand sich in rund 87 Prozent der Nester. Insgesamt hätten ihre Analysen bestätigt, dass behandelte Tierhaare die wahrscheinlichste Quelle für die Kontamination der Nester seien, heißt es in der Veröffentlichung. Zudem würden Vögel, Eier und Jungtiere die Gifte aufnehmen: über die Haut, durch den direkten Kontakt mit den Tierhaaren im Nest. Aber auch über den Verdauungstrakt. Weil die Vögel mit ihrem Schnabel das Nest bauen und sich das Gefieder putzen, an dem die Stoffe haften können. Und: Je größer die Rückstände der Insektizide waren, desto mehr tote Jungtiere oder ungeschlüpfte Eier fanden sich in den Nestern.
Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die die Vogelnester untersucht hatten, schreiben, die Auswirkungen der tiermedizinischen Produkte auf die Umwelt seien im Vergleich zu denen der landwirtschaftlichen Nutzung „unterschätzt worden“.Es gebe einen Bedarf an neuen, weniger schädlichen Produkten. Die Forschenden haben auch einen Hinweis für Hunde- und Katzenhaltende: Viele von ihnen würden Tierhaare bewusst in den Garten legen, damit sich Vögel daraus Nester bauen können. Das sei aber keinesfalls unbedenklich, wenn die Tiere zuvor mit Insektiziden behandelt wurden.