Die kalte Jahreszeit ist für die meisten einheimischen Tiere kein Problem – sie haben Überlebensstrategien. Einige gehen in den Winterschlaf, andere in die Winterruhe und wieder andere bleiben rund ums Jahr aktiv. Manche von ihnen sind dankbar über etwas menschliche Hilfe.
Wenn es draußen kalt und ungemütlich ist, wollen nicht nur wir Menschen uns am liebsten unter der Bettdecke verkriechen. Auch für viele Tiere heißt es: Ab ins Winterquartier! Gartenbewohner wie Igel, Haselmaus und Siebenschläfer legen sich in der kalten Jahreszeit zur Ruhe und halten Winterschlaf. Eichhörnchen hingegen sieht man auch bei Schnee und Kälte durch den Garten flitzen, und auch der eine oder andere neue Maulwurfshügel taucht auf. Jede Tierart hat ihre ganz eigene Überwinterungsstrategie.
■ Marienkäfer: In Gruppen von bis zu 100 Tieren überwintern Marienkäfer eng aneinander gekuschelt unter Steinen, Laub und Moos. Sie reichern ihre Körperflüssigkeiten mit Glycerin als natürlichem Frostschutzmittel an. Das sorgt dafür, dass sie bei Kälte nicht platzen.
■ Igel: Sie fressen sich im Herbst große Fettpolster an und ziehen sich zusammengerollt in einem mit Laub und Gras ausgestopften Bau zurück.
■ Bienen: Wildbienen überwintern in hohlen Pflanzenstängeln und altem Gehölz.
■ Frösche: Frösche und Kröten vergraben sich im Schlamm oder suchen sich ein Erdloch.
■ Haselmäuse: Graben sich in kleineren Gruppen in Laub oder lockerem Boden ein. Manche nutzen auch Baumhöhlen oder Nistkästen.
■ Fledermäuse: Auch wenn die meisten Arten grundsätzlich Winterschlaf halten, wachen sie zwischendurch auf, um ihre Position zu ändern oder Darm und Blase zu entleeren. Fressen tun sie in der Regel nicht. Andere Arten hingegen finden Unterschlupf in kleinsten Lücken in Dächern und Dachböden, aber auch in alten, dicken Bäumen mit natürlichen Baumhöhlen oder in Brennholzstapeln und gehen nachts auf die Jagd nach Insekten.
■ Hummeln: Sie suchen sich Erdlöcher im Halbschatten, direkte Sonneneinstrahlung würde Hummeln zu früh wecken.
■ Ohrenkneifer: Sie legen sich in einem hängenden Unterschlupf zur Ruhe. Überwintern gerne in alten Blumentöpfen.
■ Schmetterlinge: Bleiben an geschützten Orten wie Baumhöhlen oder einer Nische im Holzschuppen. Viele sterben aber auch, während Raupen und Puppen überleben.
■ Wespen: Die meisten sterben. Es überlebt nur die Wespenkönigin.
■ Siebenschläfer: Länger als ein halbes Jahr halten sie ausgedehnten Winterschlaf. Üblicherweise überwintern sie in Erdhöhlen unter Bäumen, weichen wegen zunehmenden Wohnraummangels aber auch auf Schuppen, Garagen oder Nistkästen aus.
■ Schnecken: Sie haben ausgeklügelte Überwinterungstechniken. Unter Laub versteckt oder in Erde eingegraben sind sie durch eine hohe Salzkonzentration im Blut geschützt (ähnlich zum Frostschutz im Auto). Gegen Austrocknung produzieren sie eine Schleimschicht um ihren ganzen Körper, wie eine Art Frischhaltefolie. Weinbergschnecken verschließen ihr Gehäuse mit einem Deckel aus besonders kalkreichem Schleim.
Nicht alle Tiere fallen in den langen Wintermonaten in einen Dauertiefschlaf – Regenwürmer etwa. Aber als wechselwarme Tiere sind sie von ihrer Umgebungstemperatur abhängig: Je kälter es wird, desto stärker verlangsamen sie ihren Stoffwechsel. Bei starker Kälte graben sie sich tiefer in den Boden und verfallen in eine Ruhestarre. Dabei rollen sie sich klein zusammen, um sich zu wärmen – oftmals in Gruppen, um die Körperwärme noch besser nutzen zu können.
Andere Tierarten müssen auch bei großer Kälte ausreichend Nahrung finden. Maulwürfe legen sich zusätzlich zu ihrer unterirdischen Nistkammer eine Vorratskammer an, in der sie im Herbst Nahrung sammeln. Eichhörnchen füllen im Herbst ebenfalls fleißig ihre „Vorratskammern“ – bis zu 10.000 Zapfen, Bucheckern, Walnüsse und Haselnüsse lagern meist in kleinen Erdmulden. Doch ist der Boden steinhart gefroren, nutzt das herbstliche Sammelfieber nichts. Tierfreunde können helfen, indem sie Futterstellen anbieten: Dafür eignen sich etwa spezielle Futtersilos aus dem Fachhandel, die nicht täglich neu befüllt werden müssen.
Für ihre Winterruhe sind Eichhörnchen auf einen warmen Bau angewiesen. Dazu bauen sie sich einen Kobel, ein aus Zweigen und Blättern gebildetes Nest. Künstliche Nisthilfen aus Holz – geräumig und mit großem Eingangsloch versehen – werden von den Nagern ebenfalls angenommen.
Am meisten hilft den Tieren beim Überwintern tatsächlich ein wenig Unordnung. Das bedeutet: Tote Äste bleiben liegen, verblühte Stauden werden erst im Frühjahr zurückgeschnitten. Denn in den hohlen Pflanzenstängeln und dem alten Gehölz überwintern etwa gefährdete Wildbienen. Unter Laub und Moos suchen sich Marienkäfer im Herbst ein geschütztes Plätzchen. Igeln hilft ein Haufen aus totem Holz, Reisig und Laub in einer ruhigen Gartenecke.
Was Gartenfreunde sonst noch tun können: Ein mit etwas Holzwolle versehener Blumentopf, der umgedreht und fast vollständig eingegraben wird, kann einer Hummelkönigin als Überwinterungsplätzchen dienen. Für Nützlinge wie Florfliegen gibt es sogenannte Insektenhotels. Diese im Frühjahr und Sommer praktischen Nisthilfen sollten auch in der kalten Jahreszeit draußen bleiben, sie dienen dann als Winterquartier. Wichtig: Das Insektenhotel sollte nach Süden hin ausgerichtet sein, und Regenwasser muss ablaufen können.