Mit kleinen Tricks zum großen Auftritt
Pariser Chic für den kommenden Opernball in Hannover – die erfahrene Kostümbildnerin Luzie Nehls-Neuhaus gibt Tipps für die Abendgarderobe

Mit Fächer: Luzie Nehls-Neuhaus hat coole Vorschläge, die wie hier auch ein bisschen geheimnisvoll wirken sollen.Foto: Christian Behrens

Ich bin gegen Mode, die vergänglich ist“, hat Coco Chanel, die so geniale wie resolute Grande Dame der Modewelt, einmal gesagt. Ganz sicher wäre es daher nicht in ihrem Sinne, sich für den diesjährigen Opernball am 13. und 14. Februar in Hannover ein Outfit zu kaufen, das kurzlebigen Trends folgt und daher nur einmal getragen wird. Auch für Luzie Nehls-Neuhaus ist das gerade in Zeiten von „Fast Fashion“ keine Option. Bei ihrer Arbeit als Kostümbildnerin legt sie Wert auf Nachhaltigkeit und rät, auch für die Ballgarderobe erst mal den eigenen Kleiderschrank zu durchforsten oder in Second-Hand-Shops zu stöbern.

Schon mit kleinen Tricks ist ein großer Auftritt möglich. „Oft reicht ein raffiniertes Accessoire, um einen Look aufzuwerten“, weiß Nehls-Neuhaus. Sie stattet bereits zum vierten Mal in Folge beim hannoverschen Opernball die Darsteller für Shows und Walk Acts aus. Mehr als 80 unterschiedliche Rollen gibt es, darunter sind Pariser Persönlichkeiten von Marie Antoinette über Marlene Dietrich und Coco Chanel bis zu Jane Birkin und Karl Lagerfeld. Die Kostüme stammen fast ausschließlich aus dem Fundus. Dort finden sich auch viele Beispiele, wie man als Gast auf dem Opernball mit wenig Aufwand einen festlichen Look kreiert.

Smoking oder dunkler Anzug für den Herrn – das ist kein Muss beim Opernball in Hannover. Gleichwohl wird Eleganz großgeschrieben. Dem kann mit einem edlen Hemd mit verdeckter Knopfleiste und aus hochwertigem Material entsprochen werden. Das erfordere nicht unbedingt eine Fliege oder eine Krawatte, sagt Nehls-Neuhaus. Sie ermuntert Männer außerdem, Farbe zu bekennen. „Ein Hemd oder eine Jacke in einem leuchtenden Ton sehen vor allem dann gut aus, wenn sie mit den Farben der weiblichen Begleitung korrespondieren“, sagt die ausgebildete Damenmaßschneiderin. Ist der Anzug schwarz, könnten außerdem farbige Socken aus edlem Material oder dezent gemusterte Hosenträger tolle Akzente setzen. Nicht zu unterschätzen sei außerdem die Wirkung von Manschettenknöpfen und Einstecktüchern. Auch farblich abgesetzte Schuhe machten sich gut zum dunklen Anzug.

Bei den jüngsten Red-Carpet-Events, etwa der Verleihung der Golden Globes, dominierte bei weiblichen Stars die Farbe Schwarz. Für Luzie Nehls-Neuhaus „ein absoluter Klassiker und nie langweilig“. Zumal sich Schwarz wunderbar mit farbigen Accessoires kombinieren lasse. Je schlichter das Kleid ist, umso auffälliger darf der Schuh, der Schmuck oder die Handtasche sein. Ein Seidenschal, eine extravagante Stola oder ein Fächer können ebenfalls für eine besondere Note sorgen. Ein besonderer Clou seien außerdem Handschuhe aus Spitze oder Satin, wenn das Kleid schulterfrei sei, sagt Nehls-Neuhaus. Doch muss es zum Ball immer ein Kleid sein? „Auf keinen Fall“, sagt die Kostümbildnerin. Auch eine Kombination aus langem Rock und Bustier sei denkbar, ebenso wie ein Jumpsuit. Nehls-Neuhaus ermutigt, „keine Scheu vor Hosen“ zu haben. Gerade wenn sich, wie in diesem Jahr, alles um Paris drehe. Denn passend zum Flair der französischen Metropole ist natürlich auch der Smoking für die Dame. Schon Marlene Dietrich bewies in den Dreißigerjahren, wie glamourös Hosenanzüge sein können, bevor Catherine Deneuve 1967 „Le Smoking“ von Yves Saint Laurent zu einem der ikonischsten Looks der Damenmode machte. Um Highlights zu setzen, ist Glitzer ein probates Mittel – sowohl für sie als auch für ihn. Während bei Frauen Pailletten oder Verzierungen mit Strass ein Oberteil, Schuhe, Haarschmuck oder eine Clutch zum Blickfang machen, können Männer mit dezenten Glitzerfäden im Hemdstoff oder einer silbrig schimmernden Fliege punkten.

Es gibt in Frankreich das Phänomen der ewigen Pariserin: Sie gilt als Stilikone mit dem „Je ne sais quoi“, dem gewissen Etwas. Viele Modeexperten haben sich schon daran abgearbeitet, zu ergründen, was das Geheimnis ist. Zusammengefasst lässt sich sagen: Pariserinnen tun viel dafür, unperfekt auszusehen und Mode wie eine Nebensächlichkeit erscheinen zu lassen.

Der Aufwand ist meist hoch: Hochsteckfrisuren und Dutts so attraktiv und gleichzeitig so nachlässig wirken zu lassen, als hätte man sie erst auf dem Weg im Taxi zusammengesteckt, erfordert einige Mühe. Ebenso wie der ultimative Lidstrich und chanel-rot geschminkte Lippen. Perfekt sind sie nicht etwa, wenn die Ränder scharf definiert sind, sondern mit einem Pinsel weichgezeichnet und verblendet werden. „Halo Lips“ nennt sich das – Lippen mit Heiligenschein. Ein Segen dürfte sein, dass es dafür Tutorials im Internet gibt.

Karten für den
Opernball gibt es unter
www.staatsoper-hannover.de

oder Telefon (0511) 99991111.

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