„Moore sind Superhelden“
34 Millionen Euro für die Wiedervernässung in der Region Hannover

So sollen es wieder aussehen: Das Projekt „RePeat“ zur Renaturierung von drei Mooren startet.Foto: Marcel Hollenbach/Region Hannover
Hannover. Ein Moorfrosch und ein Hirsch. Jens Palandt (Grüne), Umweltdezernent der Region Hannover, zeigt die Bilder bei der Auftaktveranstaltung von „RePeat“ – das steht für „Restoration of Peatlands”, also Torfgebieten. Im Zuge des 34-Millionen-Euro-Projekts für den Klimaschutz sollen Altwarmbüchener Moor, Trunnenmoor und Rehburger Moor auf 1840 Hektar Fläche wiedervernässt werden. Die auf den Bildern gezeigten Tiere sieht Palandt als „Symbolbild für die Konflikte“, die das mit sich bringt.

Die Amphibie ist in einem intakten, nassen Moor zu Hause, das Rotwild wandert über trockenes Gelände. Und von Letzterem hat die Region in den drei Mooren zu viel. „Knochentrockene Moorwälder“, so beschreibt Projektleiter Thomas Kutter vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) die aktuelle Situation.

Das Problem: Nur ein nasses Moor ist im Sinne des Klima- und Naturschutzes ein gutes Moor. Denn es wirkt wie ein Schwamm, der bei Starkregen Wasser bindet, es trägt zur Grundwasserneubildung bei, kühlt durch Verdunstung das Klima – und bindet große Mengen an Kohlenstoff. Ein trockenes Moor hingegen ist ein Klimakiller: 18 Prozent der Treibhausgase in Niedersachsen werden durch die CO2-Emissionen aus trockenen Mooren verursacht.

„Alles muss nass“ – auf diese einfache Formel bringt es Moorforscher Hans Joosten von der Uni Greifswald. Der Niederländer erzählt von seinem Großvater, der einst dem Moor Fläche für seine Landwirtschaft abtrotzte; fünf seiner acht Kinder wurden Bauern. Sein Enkel brach 1990 mit der Tradition. „Wir müssen radikal umdenken“, sagt der Moorexperte, der das auch in der eigenen Familie umsetzte.

Joosten sieht ein „existenzielles Problem“ und eine „moralische Dimension“ in trockenen Mooren. „Die deutsche Moorwirtschaft – damit meint er Torfabbau, Land- und Forstwirtschaft – verursacht 13,5 Milliarden Euro Klimaschäden jedes Jahr.“

Das Land Niedersachsen will gegenlenken. „Moore sind Superhelden“, findet Umweltminister Christian Meyer (Grüne). Er nennt „RePeat“ ein „Leuchtturmprojekt im Moorland Niedersachsen – für Deutschland und für die Welt“. Für den Torfabbau soll es keine neuen Genehmigungen geben: „Das Moor wächst einen Millimeter im Jahr, aber die Klimaschäden haben wir jetzt.“

Das Rehburger Moor wirkt in Luftaufnahmen wie ein Forst mit akkuraten Linien – das Ziel aber ist ein wiederhergestelltes Nassgebiet – wie in der Hannoverschen Moorgeest bei Otternhagen. Für „RePeat” steuert die EU-Kommission 10 Millionen Euro bei, jeweils 12 Millionen Euro zahlen Region und Land. Dafür werden Bewässerungsgräben wiederhergestellt, Dämme gebaut, Tümpel angelegt, Bäume gefällt.

Doch bevor diese Arbeiten beginnen, müssen laut Umweltdezernent Palandt „dicke Bretter“ gebohrt werden. Denn die Moorgrundstücke haben Eigentümer, oft auch Pächter, die mit Landwirtschaft oder Jagd ihre Familien versorgen. „Es geht um Ansprüche, Traditionen.“ Die Flurbereinigung wird allein die Hälfte der Projektsumme verschlingen.

Hier kommt das Amt für regionale Landesentwicklung Leine-Weser ins Spiel. „Transparenz, Kommunikation, Beteiligung“, verspricht Ottmar von Holtz, zumal das Vorgehen bei dem vorherigen Projekt Hannoversche Moorgeest kritisiert worden war.

Auch bei Altwarmbüchener Moor, Trunnenmoor und Rehburger Moor gelte: „Die Eigentümerstrukturen sind unübersichtlich, die Sorgen sehr unterschiedlich. Es gibt keine Standardlösung.“ In der Vergangenheit waren 65 bis 70 Cent pro Quadratmeter an die Landbesitzer geflossen. Landvolk-Vertreter Arnd von Hugo mahnt hier für das künftige Vorhaben „Fingerspitzengefühl“ an.

Bis 2035 soll das Projekt abgeschlossen sein. Für das Rotwild wird dann weniger Platz in den Moorgebieten sein, dafür werden neue Lebensräume für andere Tierarten geschaffen: Knoblauchkröte, Kammmolch und die Große Moosjungfer, eine Libellenart, haben dort dann eine Zukunft.



Druckansicht