Das Unternehmen Üstra Reisen macht aktuell den Frühjahrsputz bei seiner Maschseeflotte. Bevor die vier Boote ab Karfreitag, 18. April, wieder in See stechen und Menschen über Hannovers größtes Stadtgewässer transportieren können, muss einiges getan werden.
„Man merkt den Booten ihr Alter an, deswegen müssen wir sie gut pflegen, damit sie noch lange fahren können“, erklärt Kapitän Jens Treudler. Er leitet die Maschseeschifffahrt und kennt jedes der vier Boote bis auf die letzte Schraube. Mit 67 Jahren ist die „Deutschland“ das älteste Boot, das mietbare Partyschiff „Niedersachsen“ ist 64 Jahre alt und die „Hannover“ 61 Jahre. Der Edelstahlkatamaran „Europa“ ist Baujahr 2000.
Nach ihrer Zeit auf dem Wasser muss jeder Bootsrumpf von Muscheln (Treudler: „Denkt man kaum beim Maschsee”), Schlick und Rost befreit werden. Dann kommt neuer Lack darauf. Außerdem werden über den Winter Tische und Stühle von Bord genommen. Und die rund 1,5 Tonnen schweren Batterien müssen raus, sonst kann das Team die Boote nicht aus dem Wasser heben.
Neben weiteren Kosmetik-Reparaturen benötigt die „Hannover“ dieses Jahr auch ein Ersatzteil an der Bootsschraube, und das Partyschiff „Niedersachsen“ bekommt einen neuen Kühlschrank.
Seit November sind die Mitarbeiter von Üstra Reisen dabei, die Flotte wieder frisch zu machen. Über die Feiertage im Dezember gab es eine Pause. Aber im Januar mussten sie wieder ran – bei eiskalten Minustemperaturen im offenen Bootshaus eine unangenehme Arbeit. „Da muss die Laune hier schon stimmen, damit die Leute bei dem Wetter auch kommen. Deswegen wird hier viel gescherzt und herumgealbert“, erklärt Treudler.
Und die Kameraden, die fleißig werkeln, und sich dabei gegenseitig Witze über Boote hinweg zurufen? Das sind die Schiffskapitäne, die sonst über den Maschsee schippern. Bei Üstra-Reisen haben die Angestellten nämlich zwei Jobs in einem.
Da ist zum Beispiel Joachim Großmann, bei der Maschseeflotte von allen bloß Achim genannt. Er ist am längsten dabei, seit 1975. Davor war er Busfahrer bei der Üstra – und davor als Berufsschiffer unter anderem auch auf dem Rhein unterwegs. Ihn zieht es immer wieder zurück auf das Wasser, jetzt eben als Pensionär und Mini-Jobber. Die schönsten Momente für ihn finden beim Maschseefest statt. Dann bietet die Flotte ihre Piratenfahrten für Kinder an. „Darauf freue ich mich jede Saison“, erzählt Großmann mit einem Lächeln.
Ein paar Meter weiter putzt Ehrhardt Schulz die „Deutschland“. Auch er ist Rentner und bei der Flotte, „damit ich nicht den ganzen Tag vor dem Fernseher sitze“. Weil die Arbeit so viel Spaß macht, hat er gleich seine Ehefrau Elisabeth mitgebracht, die bei Sonderfahrten als Servicekraft aushilft. Die beiden haben sogar ihre Goldene Hochzeit auf der „Europa“ gefeiert. Wie Kollege Achim war er vorher Busfahrer in Hannover: „Das ist alles Üstra-Familie hier.“
Das Team zählt rund 20 Angestellte. Die meisten sind Rentnerinnen und Rentner wie Großmann oder Schulz.
Die Kapitäne freuen sich auf den Start der Saison. Dafür machen sie den Job – um auf dem Wasser und bei Menschen zu sein, erklärt Schulz: „Das ist ein großer Gegensatz zu Bus und Bahn. Die Leute sind ja freiwillig auf dem Boot. Bei uns ist die Stimmung deshalb immer super.“