Sind Fahrräder in Hannover so sicher wie nie? Die Zahl der Fahrraddiebstähle ist von 2024 auf 2025 um 18,2 Prozent gesunken – von 4811 auf 3936 Fälle. Damit setzt sich der Trend des Vorjahres fort: Schon 2024 verzeichnete die Polizeiliche Kriminalstatistik einen Rückgang um 23 Prozent.
Der aktuelle Wert ist laut Polizeidirektion Hannover der niedrigste seit 1988, dem ältesten elektronisch abrufbaren Berichtsjahr. 2016 registrierte die Polizei noch 6866 Diebstähle in Stadt und Region Hannover. Seitdem hat sich die Zahl halbiert.
Wie lässt sich dieser starke Rückgang erklären? Die Polizei nennt drei Hauptgründe: bessere Sicherung des Eigentums durch Technik, eine wachsende Sensibilität der Bevölkerung für Diebstahlprävention und gezielte polizeiliche Präventionsarbeit. „Die Nutzung von GPS-Trackern und gezielte Präventionsmaßnahmen wie beleuchtete oder überwachte Abstellplätze bei Großveranstaltungen, könnten ebenfalls eine Rolle spielen“, sagt Polizeisprecher Tristan Möller. Allerdings erfassen die Zahlen nur angezeigte Fälle – die Dunkelziffer dürfte höher liegen. Die Aufklärungsquote bleibt niedrig: Von den 3936 gemeldeten Diebstählen 2025 konnte die Polizei nur 352 aufklären, also nur etwa jeden zehnten Fall. Dennoch vermutet die Polizei, dass Besitzer versicherter Räder Diebstähle häufiger melden. „Versicherungen verlangen hierfür in der Regel einen entsprechenden Nachweis“, sagt Möller. „Insofern ist bei versicherten Fahrrädern eher von einer höheren Anzeigebereitschaft auszugehen.“
Die Kriminalstatistik zeigt auch, welche Stadtteile besonders von Fahrraddiebstahl betroffen sind. Spitzenreiter bleibt der Stadtteil Mitte mit 358 Fällen. Eine Vielzahl dieser Diebstähle entfällt auf den Bereich rund um den Hauptbahnhof.Betrachtet man die Zahl der Diebstähle pro 1000 Einwohner, schneiden nach dem krassen Ausreißer Mitte (30,6 Fälle pro 1000 Einwohner) die Calenberger Neustadt (12,1), die Oststadt (10,1) und die Nordstadt (8,5) am schlechtesten ab. Dennoch sind die Zahlen in den meisten Stadtteilen im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Im „Hotspot“ Mitte hat sich die Zahl der Diebstähle seit 2021 sogar fast halbiert – von 726 auf 358.
Trotz des positiven Trends bleibt das Diebstahlrisiko hoch – speziell, wenn man sein Rad nicht angemessen schützt. „Im Prinzip gilt: Mach es Dieben etwas schwerer, dein Rad zu klauen, als andere es tun“, rät Dirk Hillbrecht, der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) in Hannover.
Entscheidend sei ein solides Schloss. „Jedes Schloss kann geknackt werden“, sagt Hillbrecht zwar. „Aber Gelegenheitsdiebe suchen das schnelle, einfache Ziel.“ Wer sein Rad an einem festen Gegenstand mit einem robust wirkenden Schloss sichere, erhöhe die Hemmschwelle. Hilfreich sei auch, das Rad möglichst eng an den verankerten Gegenstand zu ketten und das Schloss so kurz wie möglich zu halten. So bleibt kaum Platz, um Werkzeug anzusetzen. Und: Über Nacht sollten Räder in der Innenstadt möglichst nicht draußenstehen.
Andre Schöll von „Pilos Fahrradshop“ hält ein hochwertiges Schloss ebenfalls für essenziell: „Wer am Schloss spart, spart am falschen Ende. Umso schwerer und teurer, desto sicherer.“ Gute Schlösser gebe es nicht für 20 oder 30 Euro. Seine Empfehlung: mindestens 100 Euro investieren. „Wem das zu teuer ist, wenn er mehrere Hundert oder sogar mehrere Tausend Euro für ein Fahrrad ausgegeben hat, den verstehe ich nicht“, sagt Schöll. Sinnvoll sei die Kombination aus zwei verschiedenen Schlossarten, etwa einem Faltschloss plus einem Kettenschloss. Das erschwere das Vorgehen zusätzlich. Denn: „Es gibt unter Fahrraddieben Experten für bestimmte Schlösser“, sagt Schöll. Gerade bei E-Bikes, die immer häufiger gekauft werden, hält der Händler GPS-Tracker für die derzeit sicherste Ergänzung zum Schloss. Die Systeme, die laut Schöll im Abomodell um die 250 Euro in drei Jahren kosten, seien von außen nicht sichtbar und schwer auszubauen. Wer bei einem Diebstahl schnell reagiere, habe gute Chancen, sein Rad zurückzubekommen. Ergänzend empfiehlt er eine Fahrradversicherung – die bekomme man im Drei-Jahres-Paket für 350 bis 450 Euro. Die 10 bis 12 Euro im Monat könnten sich rasch rentieren, sagt Schöll. „Denn häufig gibt es bei Diebstahl den vollen Kaufpreis zurück.“
Die Polizei empfiehlt außerdem, Fahrräder codieren zu lassen. Dann sind sie als Diebesgut schwerer zu verkaufen. Den individuellen Ziffern- und Buchstabencode können Eigentümer beim Fachhändler oder beim ADFC in den Rahmen gravieren lassen. Auch ein Fahrradpass mit Fotos, Rahmennummer und weiteren Details erleichtere die Identifizierung im Fall eines Diebstahls.