Von der Bühne in den Feed
Kampagne „Shalom Digga“ verbindet Jugendgeschichte und jüdisches Leben

Vorstellungder Kampagne „Shalom Digga“: Moderatorin Christina von Saß, Michal Smorodinski, Gerhard Wegner, Rabbiner AlexanderKovtun und Stella Hilb.Foto: HelgeKrückeberg
Hannover. Margarita ist 15, lebt in Berlin und verbringt ihre Sommer bei den Großeltern in Chicago. Als sie von dort zu ihrer Mutter nach Israel geschickt werden soll, hat sie darauf keine Lust. Die Geschichte der jüdischen Jugendlichen bildet den Anknüpfungspunkt für „Shalom, Digga.“: Mit der Social-Media-Kampagne will das Netzwerk Niedersachsen gegen Antisemitismus junge Menschen für Antisemitismus sensibilisieren und die Vielfalt jüdischen Lebens sichtbar machen.

Vorgestellt wurde die Kampagne am Donnerstag, 29. Oktober, im Schauspiel Hannover, anlässlich der Wiederaufnahme von „Gewässer im Ziplock“. Lena Brasch hat Dana Vowinckels Roman für die Bühne inszeniert; das Stück feierte im Februar 2026 Premiere. Seine Coming-of-Age-Geschichte führt über drei Länder und erzählt zugleich von Margaritas persönlicher Suche nach Zugehörigkeit.

Das Netzwerk setzt mit seiner Kampagne beim Teenagerleben der Protagonistin an. Jüdische und nichtjüdische Jugendliche können darin Anknüpfungspunkte finden. „Shalom, Digga.“ überträgt Margaritas Erfahrungen aus der Romanvorlage in den digitalen Raum. Damit richtet sich die Kampagne an eine Altersgruppe, die nach Angaben des Netzwerks in Niedersachsen vielfach kaum persönliche Berührungspunkte mit Jüdinnen und Juden hat. Was junge Menschen über jüdisches Leben wissen, stammt demnach aus dem Geschichtsunterricht, den Nachrichten oder sozialen Medien.

Im Anschluss an die Aufführung wurden die Eindrücke aus dem Stück und aktueller Antisemitismus in Deutschland zum Thema eines Gesprächs. Daran beteiligten sich Ensemblemitglied Stella Hilb, Rabbiner Alexander Kovtun von der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover und Michal Smorodinski, Referentin für Bildung an der Villa Seligmann. Sie sprachen mit der NDR-Journalistin Christina von Saß.

Margaritas Geschichte beginnt mit einer familiären Konstellation über mehrere Kontinente hinweg. Ihr Alltag ist in Berlin, die Großeltern leben in Chicago, die Mutter in Israel. Diese hatte Margarita und ihren Vater verlassen, als Margarita noch ein Baby war. Damals lebte die Familie in Hannover. Nun soll die Tochter zu einer Mutter reisen, die ihr fremd geblieben ist.

Der Aufenthalt in Israel bringt unerwartete Herausforderungen: Margarita verliebt sich, erlebt Demonstrationen und unternimmt mit ihrer Mutter einen merkwürdigen Roadtrip. Dabei geht es für sie nicht allein um die Begegnung mit der Mutter. In einem Durcheinander von Sprachen, Herkünften, Zugehörigkeit und Traditionen muss sie herausfinden, welchen Weg sie gehen und wer sie sein möchte.

Zur Besetzung der Inszenierung gehören Leyb Elias, Philippe Goos, Stella Hilb und Jonathan Stolze. Die Bühne stammt von studio dietrich&winter, die Kostüme von Luisa Wandschneider. Für die Musik zeichnen Wenzel Krah und Felix Kuhnt verantwortlich, für die Dramaturgie Cathrin Rose.
RED
„Gewässer im Ziplock“ ist im Ballhof 1 des Schauspiel Hannover am Montag, 23. November,
ab 19.30 Uhr, am Dienstag,
24. November, ab 11 Uhr sowie am Dienstag, 22. Dezember, ab
18 Uhr zu sehen. Am 23. November wird die Aufführung simultan in Deutsche Gebärdensprache übersetzt. An diesem Tag sowie am 22. Dezember gibt es jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn eine Einführung. Weitere Termine sind in Planung. Eintrittskarten gibt es im Vorverkauf auf
staatstheater-hannover.de.
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