Abenteuer auf der Leinwand
Klettern, Kajak, Expeditionen: Die European Outdoor Film Tour (EOFT) ist zu Gast im Theater am Aegi

Die Kletterinnen Sasha DiGiulian und Mariana „Mango“ Ordoñez im Film „Bravo Les Filles“: Der Film ist Teil der EOFT.Foto: Jan Novak
Hannover. Ein Kajak vor einem mächtigen Wasserfall, eine schmale Highline in schwindelerregender Höhe und Kletterer an einer nahezu unberührten Felswand: Die European Outdoor Film Tour (EOFT) führt an Orte, die selbst für erfahrene Abenteurer eine Herausforderung darstellen. Seit 2001 bringt das nach eigenen Angaben größte Outdoor-Filmfestival Europas außergewöhnliche sportliche Unternehmungen ins Kino. Dabei geht es längst nicht nur um spektakuläre Bilder und körperliche Höchstleistungen. Die Dokumentarfilme erzählen auch von persönlichen Lebensträumen, Rückschlägen, Freundschaften und der Frage, weshalb Menschen bereit sind, für ihre Ziele erhebliche Risiken einzugehen.

Mit ihrer Ausgabe 2026/27 ist die EOFT seit Oktober wieder unterwegs. Mehrere Hundert Veranstaltungen in 15 Ländern stehen auf dem Tourplan, darunter Auftritte in mehr als 50 deutschen Städten. In Hannover macht das Festival am Sonntag, 15. November, im Theater am Aegi Station. Vorstellungen beginnen um 15 und 19 Uhr. Das Programm umfasst fünf Filme mit insgesamt rund 120 Minuten Laufzeit. Einschließlich Moderation und Pause dauert eine Vorstellung etwa zweieinhalb bis drei Stunden. Sämtliche Produktionen laufen in der Originalfassung mit deutschen Untertiteln und sind ohne Altersbeschränkung freigegeben.

Die fünf Beiträge führen von griechischen Felsklippen über die Wasserfälle Islands und Venezuelas bis zu den Granitwänden Madagaskars und den verschneiten Gipfeln der Schweizer Alpen. So unterschiedlich die Schauplätze und Sportarten sind, verbindet die Protagonisten die Bereitschaft, jahrelang an einem Vorhaben festzuhalten.

■ Wand in Sicht: Eine Felswand, die unmittelbar aus dem Meer aufragt, ist für Philipp Hans mehr als eine eindrucksvolle Landschaft. Der Kletterer aus Stuttgart möchte auf der griechischen Insel Amorgos eine eigene Route erschließen. Dafür reist er mit einem Segelboot in die Ägäis, begleitet von seinem Kindheitsfreund Falk Oberbach. Das Ziel ist eine 250 Meter hohe, bislang unerschlossene Felswand. Schon die Vorbereitung verlangt einiges an Geschick, denn die ersten Sicherungshaken müssen unmittelbar über dem Wasser angebracht werden. Unterstützung erhält Hans von seinem Bruder Moritz, der als Gewinner der Fernsehsendung „Ninja Warrior“ bekannt wurde und ebenfalls ein erfahrener Kletterer ist. Doch nicht nur die sportlichen Schwierigkeiten machen dem Team zu schaffen. Auch das Wetter und die Bedingungen an der abgelegenen Felswand beeinflussen den Versuch einer Erstbegehung. Der 27-minütige deutsche Film von Philipp Hans und Simone Miller begleitet ein Unternehmen, bei dem Planung, Improvisation und die Zusammenarbeit der Beteiligten entscheidend sind.■ Six Days to the Edge: Seit 17 Jahren beschäftigt den deutschen Slackliner Lukas Irmler ein außergewöhnliches Vorhaben: Er will eine Highline über den Angel Falls in Venezuela spannen und in rund 1000 Metern Höhe über das schmale Band balancieren. Bevor daran überhaupt zu denken ist, muss er gemeinsam mit fünf Begleitern den Weg durch eine schwer zugängliche Landschaft bewältigen. Sechs Tage lang führt die Expedition durch Savanne, Flüsse und dichtes Unterholz. Schlamm und starke Wasserströmungen erschweren das Vorankommen. Schließlich erreicht die Gruppe den 2450 Meter hohen Tafelberg Auyan-Tepui, von dem die berühmten Wasserfälle in die Tiefe stürzen. Die gewaltigen Dimensionen der Landschaft bilden den Rahmen für ein Projekt, dessen Vorbereitung bereits eine erhebliche körperliche Belastung darstellt. Regisseur Valentin Rapp dokumentiert in seinem Film aus dem Jahr 2026 nicht nur die Suche nach einem geeigneten Platz für die Highline, sondern auch den langen Weg zu einem Ziel, das Irmler seit fast zwei Jahrzehnten verfolgt.■ I Follow Rivers: Für die norwegische Kajakerin Mariann Sæther ist der Aldeyjarfoss auf Island ein besonderer Ort. Seit 20 Jahren möchte sie den mächtigen Wasserfall mit ihrem Kajak befahren. Ihr Wunsch hat sie durch eine erfolgreiche Sportkarriere begleitet, in der sie zweimal Weltmeisterin wurde. Auch die Geburt ihrer beiden Kinder und persönliche Veränderungen haben daran nichts geändert. Allerdings kennt Sæther die Gefahren des Wildwassersports aus eigener Erfahrung. In reißenden Strömungen können kleinste Fehler schwerwiegende Folgen haben. Mit zunehmender Lebenserfahrung verändert sich deshalb auch der Blick auf das Risiko. Wie viel Freiheit ist möglich, wenn zugleich Verantwortung für andere Menschen besteht? Dieser Konflikt steht im Mittelpunkt der 38-minütigen norwegischen Dokumentation von Barbora Hollan aus dem Jahr 2025. Der Film zeichnet das Porträt einer Athletin, die ihren sportlichen Ehrgeiz nicht aufgeben möchte, zugleich aber die möglichen Konsequenzen ihres Handelns abwägen muss.■ Bravo Les Filles: Im Tsaranoro-Tal auf Madagaskar ragen Granitwände bis zu 800 Meter in die Höhe. Dort wollen die Kletterinnen Sasha DiGiulian und Mariana „Mango“ Ordoñez ein Vorhaben vollenden, das seinen Ursprung im Jahr 1999 hat. Damals erschlossen Lynn Hill, Nancy Feagin, Beth Rodden und Kath Pike eine anspruchsvolle Route mit dem Namen „Bravo Les Filles“. Eine besonders schwierige Passage im Schwierigkeitsgrad 8b konnten sie jedoch nicht frei klettern. Nun wollen DiGiulian und Ordoñez die gesamte Strecke erstmals als reine Frauenseilschaft im freien Kletterstil bewältigen. Der 18-minütige Film von Chelsea Jackson verbindet die aktuelle Expedition mit der Geschichte ihrer Vorgängerinnen. Dabei wird deutlich, wie sehr sportliche Leistungen über Generationen hinweg wirken können. Die Pionierarbeit der vier Kletterinnen aus dem Jahr 1999 wird zum Ausgangspunkt eines neuen Versuchs. Zugleich erzählt die amerikanische Produktion von Ehrgeiz, gegenseitiger Inspiration und der Bedeutung weiblicher Vorbilder in einer anspruchsvollen Sportart.■ La Source du Freeride: Den Abschluss der filmischen Reise bildet die Schweizer Bergwelt. Am 3223 Meter hohen Bec des Rosses bei Verbier treffen drei Generationen des Freeridens aufeinander: der frühere Sieger der Freeride World Tour Emilien Badoux, seine Weggefährtin Géraldine Fasnacht und Nachwuchsfahrer Liam Rivera. Gemeinsam unternehmen sie eine Splitboard-Tour auf einen Berg, der eng mit der Geschichte des internationalen Freeride-Wettkampfs verbunden ist. Alle drei kennen die anspruchsvolle Nordflanke bereits aus Situationen, in denen ihre Abfahrten von einer Jury bewertet wurden. Diesmal steht jedoch nicht die Platzierung im Mittelpunkt. Vielmehr beschäftigt sich die Dokumentation mit der Frage, was die Faszination des freien Fahrens abseits präparierter Pisten ausmacht. Regisseur Thibaut Louvrier richtet in dem rund acht- bis zehnminütigen Film den Blick auf Erfahrungen, persönliche Überzeugungen und die Freude an einer Sportart, deren Bedeutung für die Beteiligten weit über Medaillen und Wettbewerbsergebnisse hinausgeht.
R/HR

Karten gibt es unter de.eoft.eu/tickets.

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