Frankreich, Spanien, Italien, die Schweiz und Österreich erlebten in diesem Jahr den heißesten Sommer seit Beginn der Messungen und Australien den wärmsten je dokumentierten Winter, heißt es in einem Bericht zur Tagung. Der August 2026 sei global der wärmste seit Beginn der Messungen gewesen. Besonders beunruhigend sei eine lange Serie von Rekordtemperaturen: Jeder Tag zwischen dem 9. August und dem 7. September 2026 war weltweit der wärmste seit Aufzeichnungsbeginn Ende des 19. Jahrhunderts.
Die Temperaturen hätten spürbare Auswirkungen gehabt, sagte Tobias Fuchs vom Deutschen Wetterdienst dazu in einer Stellungnahme: „Die außergewöhnliche Hitzewelle im Juni, begleitet von intensiver Trockenheit, hatte schmerzhafte Folgen: Große Waldbrände und eine hohe Zahl an Hitzetoten. Fast 16.000 Menschen sind in Deutschland im Kontext der Hitzewellen dieses Sommers gestorben“, so Fuchs.Das extreme Wettergeschehen sei ohne den Einfluss des Klimawandels nicht erklärbar, und ein weiterer Anstieg der Temperaturen in den nächsten Jahren sei wahrscheinlich: „Es ist gut möglich, dass wir in 30 Jahren zurückblicken und feststellen, dass der Sommer 2026 trotz seiner rekordverdächtigen Temperaturen noch einer der kühleren war.“
Auch die Meere heizen sich auf: Ihre Oberflächentemperaturen sind im weltweiten Mittel derzeit so hoch wie nie zuvor zu dieser Jahreszeit. Besonders hoch waren und sind die Wassertemperaturen um Europa herum, vor allem in der Nordsee und im Mittelmeer, und bis weit ins nördliche Polarmeer. Im östlichen Teil des arktischen Ozeans gab es laut Konferenzbericht in diesem Sommer keine feste Eisdecke mehr, sondern nur lose Schollenverbände.
Ende August wäre es theoretisch möglich gewesen, von der norwegischen Inselgruppe Spitzbergen über den Nordpol Richtung Beringstraße zu fahren - einer Meerenge zwischen Ostsibirien und Alaska. Und zwar ganz ohne dabei auf dem Weg im Eis stecken zu bleiben. Der Eisrückgang und die hohen Ozeantemperaturen haben laut Konferenzbericht Auswirkungen auf das arktische Ökosystem, wie eine deutliche Zunahme von Walsichtungen bis in hohe Breiten deutlich mache.Auf dem Extremwetterkongress wurde auch der neue Weltrisikobericht mit dem Schwerpunkt Stürme vorgestellt. Demnach sind Stürme die Naturgefahr, die derzeit die größten wirtschaftlichen Schäden verursacht. Die Leiterin der Untersuchung, Katrin Radtke von der Ruhr-Universität Bochum, nannte als Beispiel den Hurrikan Melissa. Der Tropensturm hatte im Oktober vergangenen Jahres mit 305 Kilometern pro Stunde Jamaika getroffen, er war der stärkste jemals dort registrierte Sturm. 90 Menschen kamen ums Leben, gleichzeitig entstand allein auf der Insel ein Schaden von mehr als 12 Milliarden US-Dollar (rund 10,6 Milliarden Euro).
„Stürme werden durch den Klimawandel zwar nicht häufiger“, so Radke in einer Stellungnahme, „aber eindeutig intensiver. Ihre Zugbahnen verschieben sich, sodass neue Risikogebiete entstehen. Betroffen sind dann Regionen, deren Bauweise und Notfallpläne nie für schwere Stürme ausgelegt waren.“ Zehn Länder seien weltweit besonders gefährdet, am stärksten die Philippinen, Mexiko und Madagaskar.
„Wir gehen von einer Zunahme der Risiken vor allem für Menschen in Küstenregionen und auf kleinen Inselstaaten aus“, sagte Radtke. Um sich besser zu schützen, könnten viele Regionen auf Entwicklungshilfe angewiesen sein. Diese sei aber zuletzt gekürzt worden, wie bei der Vorstellung des Weltrisikoberichts kritisiert wurde.
Ein weiterer Bericht, der auf dem Kongress veröffentlicht wurde, fasst zusammen, welche Auswirkungen des Klimawandels bereits in Deutschland zu beobachten sind. So erhöht die globale Erwärmung auch hierzulande die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten bestimmter Extreme, wie die bereits zu beobachtenden Hitzewellen. Auch die Häufigkeit von Trockenphasen hat zugenommen.
Wegen sommerlicher Hitzewellen steigt die Temperatur des Rheins sowie in der Nord- und Ostsee, was dort marine Ökosysteme bedroht. Es häufen sich Niedrigpegel in Flüssen, die sich laut Bericht nur als Folge des Klimawandels erklären lassen. Dürren sorgen jetzt schon für Probleme in der Landwirtschaft und bedrohen Lebensräume von Tieren und Pflanzen, die natürlichen Wasserressourcen in Deutschland nehmen ab. In Bezug auf Stürme wurde noch keine eindeutige Veränderung festgestellt.
Auch Starkregen ist ein Extremwetterereignis, dass durch den Klimawandel wahrscheinlich öfter auftreten wird. Hier sei die Datenlage aber weniger eindeutig, betonte Tobias Fuchs vom Deutschen Wetterdienst. Der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Starkniederschlägen sei „komplex“ und „belastbare Trendaussagen“ für Deutschland seien noch nicht möglich. Zwar zeigten Messungen an vielen Orten eine Tendenz zu mehr Starkregen, die sei ist aber häufig „statistisch nicht signifikant“. Durch die hohen Wassertemperaturen in den umliegenden Meeren würden jedoch große Wassermengen verdunsten – was im Herbst starke Regenfälle begünstigen und Überschwemmungen in Deutschland verursachen könne.
Thema in Hamburg war auch, wie sich Städte verändern müssen, um besser mit den Folgen des Klimawandels zurechtzukommen. Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) forderte, Städte konsequent nach dem Schwammstadt-Prinzip umzubauen. Dieses sieht vor, Regenwasser durch entsiegelte Flächen und Speicher wie ein Schwamm aufzufangen. Bei Trockenheit kann es verdunsten und zur Kühlung der Städte beitragen.
Zu einer Schwammstadt gehören außerdem viele Grünflächen, Bäume, Dach- und Fassadenbegrünung. So werden Überschwemmungen durch Starkregen verhindert, das Stadtklima verbessert sich deutlich und Hitzewellen sind besser zu ertragen. Zusätzlich wird Trockenheit vorgebeugt.
Während sich die Experten und Expertinnen auf dem Extremwetterkongress über langfristige Entwicklungen des Klimas austauschten, warnte das „Climate Impact Lab“ vor einer ganz aktuellen Gefahr. So könnte das bestehende Klimaphänomen El Niño weltweit für 450.000 zusätzliche Todesfälle sorgen. Es hat im Juni dieses Jahres begonnen und soll noch bis zum Sommer nächsten Jahres anhalten.
Bei einem El Niño kommt es zu erhöhten Temperaturen in Ozeanen und veränderten Meeresströmungen, was Hitzewellen, Dürren und Starkregenfälle in verschiedenen Gebieten auslösen kann. Betroffen sind vor allem Regionen in Äquatornähe. Das aktuelle El Niño sorgt laut Bericht schon jetzt für Temperaturanstiege, wie sie in 20 Jahren zu erwarten sind, und ist damit eine unheilvolle Vorausschau auf die Zukunft.
Viele Hitzetote seien in den nächsten Monaten in der Sahelzone zu erwarten, in Nigeria, Sudan und Tschad. Auch Länder in Südostasien sowie Indien und Brasilien dürften betroffen sein. Den Ländern wird geraten, Angebote für besonders gefährdete Personen wie Kälteräume oder Zugang zu Wasser zu schaffen und den Arbeitsschutz zu verbessern. Der Bericht legt nahe, dass Hilfsorganisationen über Notfallhilfen nachdenken sollten, um die zu erwartende Zahl der Toten zu senken.