Ein Klavier für alle
Auf dem Opernplatz wird täglich spontan musiziert – und das Piano soll bleiben

„Das Piano bedeutet mir wirklich eine ganze Menge“: Anatoly Dyatlov nutzt das Klavier auf dem Opernplatz mehrmals in der Woche.Fotos: LHH
Hannover. Ein paar Töne reichen manchmal schon, damit Menschen auf dem Opernplatz stehen bleiben. Andere setzen sich länger an die Tasten, spielen bekannte Melodien oder eigene Stücke. Das massive Klavier aus Beton ist frei zugänglich und hat sich seit seiner Aufstellung am 12. Dezember 2025 zu einem festen Ort für spontane Musik entwickelt.

105.265 Minuten wurde das Instrument bislang bespielt. Das entspricht rund 73 Tagen im Dauerbetrieb. Nach Angaben des Herstellers ist das Piano damit das meistbespielte Outdoor-Klavier der Welt. Zwischendurch musste es für einige Großveranstaltungen vom Opernplatz weichen. Inzwischen steht es wieder an seinem Platz im Kulturdreieck zwischen Opernhaus, Künstlerhaus und Schauspielhaus.

Anatoly Dyatlov sitzt mehrmals in der Woche an dem Piano. Für den 28-Jährigen geht es dabei nicht allein um Musik. „Das Piano bedeutet mir wirklich eine ganze Menge“, sagt er. Besonders schätzt er die Begegnungen, die dort entstehen. Auch seine Verlobte hat er am Klavier kennengelernt.

Die Idee für das Piano auf dem Opernplatz stammt vom Verein Piano Bombing e.V. Der Verein stellt bundesweit Klaviere im öffentlichen Raum auf, häufig ältere Instrumente, die ausgesondert wurden. Das erste Piano wollte ein Freund von Mitgründer Enno Walz verschenken. Walz kam daraufhin auf die Idee, es unter einer Brücke in Linden aufzustellen und Passantinnen und Passanten zum Spielen einzuladen.

Aus diesem ersten Projekt entstand nach Darstellung von Walz der Wunsch nach einem Instrument, das dauerhaft im Freien stehen kann. „Die Idee des ewigen Pianos war interessant. Also ein Klavier, das für die Ewigkeit bestimmt ist.“ Für den Opernplatz wurde deshalb ein besonderes Modell gebaut.

Die Konstruktion wiegt 500 Kilogramm. Unter ihrer Betonhülle befindet sich ein elektronisches Klavier. Zur Ausstattung gehört auch ein Solarpanel. Eine App ermöglicht es der Stadtverwaltung, die Lautstärke zu regulieren. Das Projekt im Kulturdreieck wurde mit Unterstützung der Landeshauptstadt Hannover umgesetzt und über einen öffentlichen Pitch des Programms Restart:#HANnovativ ermöglicht.

Sahand Saadat-Krüger schätzt besonders, dass sich am Piano Menschen begegnen, die sich vorher nicht kannten. Er erinnert sich an eine gemeinsame Session: „Wir haben alle gemeinsam musiziert, dabei kannten wir uns vorher gar nicht. Das zeigt, dass Menschen durch die Musik zusammenkommen, egal wo sie herkommen.“ Immer wieder spielten Menschen mit eigenen Instrumenten dazu oder sängen am Klavier.

Melanie Botzki, Leitung der Stabstelle Kulturmanagement, sieht darin einen besonderen Wert des Orts. „Das ist ganz wichtig für uns. Kultur ist demokratiefördernd und an diesem Piano erleben wir das jeden Tag. Solche Kulturorte, die konsumfrei sind und wo man sich einfach begegnen kann, brauchen wir mehr in der Stadt. Das Piano ist einer der ersten dieser Art.“

Neben den spontanen Einlagen nutzt die Stadt das Instrument für die Reihe OPEN KEYS: Klaviermusik im Kulturdreieck. Dabei treten professionelle Pianistinnen und Pianisten am Outdoor-Piano auf. Das nächste Konzert spielt Lina Roß am Mittwoch, 7. Oktober, ab 18 Uhr. Der Termin wird vom Netzwerk „wim – FLINTA* in music“ durchgeführt.

Derzeit steht das Klavier mit einer Sondergenehmigung auf dem Opernplatz, die noch bis Dezember gilt. Nach Angaben von Botzki soll es wegen der positiven Resonanz anschließend dauerhaft bleiben. Saadat-Krüger, der auch ein eigenes Klavier besitzt, beschreibt seine Bindung an den Ort so: „Es ist zu einem Begegnungsort geworden. Ich bin regelmäßig hier und wenn das Piano irgendwann nicht mehr da sein sollte, würde mir im Leben etwas fehlen. Das wäre sehr schade.“ R/HR

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