Bodycams im Nahverkehr
ÜSTRA-Tochter protec startet Pilotprojekt:
Mitarbeitende des Sicherheitsdienstes werden mit mobilen Kameras ausgestattet

DieUniformen der protec-Mitarbeitenden sindmit einem Hinweis auf den Einsatz der Kamera gekennzeichnet.Foto: ÜSTRA/Arp
Hannover. Die ÜSTRA-Tochter protec erprobt den Einsatz von Bodycams im Sicherheitsdienst. Während einer zunächst sechsmonatigen Pilotphase sollen die mobilen Kameras zeigen, ob sie Beschäftigte in Konfliktsituationen unterstützen und zugleich zur Sicherheit von Fahrgästen beitragen können. Nach Angaben des Unternehmens steht dabei insbesondere die mögliche deeskalierende Wirkung im Mittelpunkt.

Rund 80 der mehr als 300 protec-Beschäftigten sind täglich im Sicherheitsbereich unterwegs. Sie kontrollieren unter anderem Tunnelstationen und Haltestellen und begleiten Fahrgäste in Bussen und Stadtbahnen. Insgesamt kommen dabei jährlich etwa 15.000 Einsätze sowie mehr als 60.000 Service- und Unterstützungsmaßnahmen zusammen. Häufig genügten bereits die Anwesenheit der Sicherheitskräfte oder Gespräche mit Beteiligten, um angespannte Situationen zu beruhigen.

Die sichtbar an der Dienstkleidung getragenen Kameras sollen in schwierigeren Situationen eine zusätzliche Möglichkeit bieten. Bereits der Hinweis darauf, dass eine Aufnahme gestartet werden kann, soll nach den Erwartungen des Unternehmens vorbeugend wirken. Zugleich können Aufzeichnungen im Rahmen der rechtlichen und datenschutzrechtlichen Vorgaben zur Dokumentation von Vorfällen genutzt werden.

„Unsere Mitarbeitenden im Sicherheitsdienst leisten jeden Tag einen wichtigen Beitrag dazu, dass sich unsere Fahrgäste in Bussen, Stadtbahnen und Stationen sicher fühlen können. Mit dem Einsatz von Bodycams erproben wir eine weitere Möglichkeit, die Kolleginnen und Kollegen in schwierigen Situationen zu unterstützen“, sagt ÜSTRA-Vorstandsvorsitzende Elke van Zadel.

Die Pilotphase ist in vier Abschnitte gegliedert. Die Mitarbeiter im Streifendienst sollen nach und nach mit den Kameras ausgestattet werden. Bis Ende Februar ist vorgesehen, sämtliche Beschäftigten dieses Bereichs auszurüsten. Während des Tests sollen unter anderem die technische Zuverlässigkeit und die Abläufe im täglichen Einsatz überprüft werden. Die Beschäftigten wurden bereits vor Beginn des Projekts geschult. Weitere interne Informationsveranstaltungen, Besprechungen und Unterstützungsangebote sollen folgen.

Nach Angaben von protec-Geschäftsführer Mathias Lindscheid soll sich insbesondere zeigen, welche Lösungen sich im Arbeitsalltag bewähren. Entscheidend sei, dass die Technik einfach und zuverlässig funktioniere und in kritischen Situationen unterstützend eingesetzt werden könne.

Für die Nutzung gelten festgelegte Grenzen. Die Bodycams dürfen demnach zum Eigenschutz, zum Schutz anderer Personen, zur Deeskalation, zur Beweissicherung und zur Durchsetzung des Hausrechts eingesetzt werden. Zulässig ist ihr Einsatz nur dort, wo protec über das Hausrecht verfügt. Dazu zählen unter anderem Fahrzeuge, Haltestellen, U-Bahn-Stationen und der Bereich der Niki-de-Saint-Phalle-Promenade.

Die Kameras sind sichtbar an den Uniformen angebracht, die zusätzlich entsprechend gekennzeichnet werden. Zunächst wird auch das Display der Geräte eingeschaltet. Zudem ist eine sogenannte Pre-Recording-Funktion vorgesehen, durch die jeweils die 90 Sekunden vor dem eigentlichen Start einer Aufnahme erfasst werden. Sobald eine reguläre Aufzeichnung aktiviert wird, muss dies verbal angekündigt werden. Eine rote Leuchtdiode zeigt währenddessen an, dass die Kamera läuft. Ton wird nicht aufgezeichnet.

Auf die gespeicherten Aufnahmen können weder die Träger der Bodycams noch deren Führungskräfte zugreifen. Eine Auswertung erfolgt nach Angaben des Unternehmens nur auf behördliche Aufforderung durch ein Team außerhalb des Sicherheitsbereichs.

Nicht benötigte Daten werden nach drei Tagen automatisch gelöscht. Aufgezeichnete und interessierte Personen sollen über eine sogenannte Berechtigungskarte informiert werden. Für rund 50 Kameras einschließlich Software veranschlagt protec etwa 65.000 Euro. Hinzu kommen jährliche Betriebskosten von rund 15.000 Euro. Die Bodycams sollen die bereits vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen ergänzen. Dazu zählen Notruf- und Informationssäulen, Kameras in Fahrzeugen und Stationen sowie die Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten.Die protec service GmbH wurde 1997 gegründet. Neben dem Sicherheitsdienst übernimmt das Unternehmen unter anderem Aufgaben bei der Fahrausweisprüfung, im Objektschutz und bei der Reinigung von Stationen, Haltestellen und Fahrzeugen. Gesellschafter sind ÜSTRA und regiobus. RED
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