Rund 50.000 Straßenbäume wachsen im Stadtgebiet. Dazu kommen etwa 200.000 Bäume in Parks und anderen Grünanlagen. Regelmäßig mit zusätzlichem Wasser versorgt werden derzeit ungefähr 5.000 Bäume. Dabei handelt es sich überwiegend um junge Exemplare, die nach der Pflanzung zunächst an ihrem neuen Standort anwachsen müssen. Ältere Bäume werden nur bei dringendem Bedarf zusätzlich bewässert.
Neu gepflanzte Straßenbäume erhalten fünf Jahre lang Wasser von der Stadt. In den ersten zwei bis drei Jahren sind dafür in der Regel wöchentlich etwa 200 Liter je Baum vorgesehen. Vom dritten Standjahr an verlängert sich der Abstand zwischen den Wassergaben auf zwei Wochen. Auf diese Weise sollen die Bäume nach und nach tiefere Wurzeln entwickeln und vorhandene Wasservorräte im Boden selbst erschließen.
In diesem Jahr begann die Bewässerung im Mai. Wie früh die Fahrzeuge ausrücken, hängt von der Witterung ab. In besonders trockenen Jahren kann der Start bereits im April erforderlich sein. Wasser bekommen die Bäume bis in den Spätherbst, solange sie noch Laub tragen. Für die Einsätze stehen neun Fahrzeuge mit Gießarmen zur Verfügung.Wie stark sich extreme Trockenperioden auf den Arbeitsaufwand auswirken können, zeigte sich 2022. Damals mussten zusätzlich mehrere Hundert ältere Straßenbäume versorgt werden. Eine ähnliche Entwicklung zeichnet sich in diesem Sommer bisher nicht ab. Auffällig sind allerdings die Linden an der Georgstraße. Dort führt Trockenstress bereits zu Laubabwurf. Nach Angaben der Stadt sind die Standortbedingungen für Straßenbäume an dieser Stelle besonders schwierig.
Um Wasser möglichst gezielt einzusetzen, greift der Fachbereich verstärkt auf digitale Hilfsmittel zurück. Neben einer digitalen Steuerung der Arbeitsabläufe kommen inzwischen 400 Bodenfeuchtesensoren zum Einsatz. An ausgewählten Bäumen befinden sich jeweils vier Messpunkte direkt im Bereich des Wurzelballens. Sie erfassen die Feuchtigkeit an der Oberfläche sowie in Tiefen von 30, 60 und 90 Zentimetern. Dadurch lässt sich genauer feststellen, wann Wasser tatsächlich benötigt wird.Die bisherigen Erfahrungen mit der Technik bewertet der Fachbereich positiv. Die Messwerte sollen nicht nur unnötige Wassergaben vermeiden, sondern zugleich dafür sorgen, dass trockene Böden frühzeitig erkannt werden. Damit reagiert die Stadt auch auf die langfristig steigenden Anforderungen an die Pflege des Stadtgrüns.
Bewässert werden neben Straßenbäumen vor allem öffentliche Pflanzkübel in der Innenstadt sowie einzelne Beete und Pflanzflächen. Insgesamt setzt die Stadt dafür jährlich etwa 11.000 Kubikmeter Wasser ein. Seit der Entwicklung eines neuen Bewässerungskonzepts ab 2018 ist die Menge insgesamt gestiegen. Verantwortlich dafür sind nach Angaben der Stadt unter anderem leistungsfähigere Technik, zahlreiche Neupflanzungen und die regelmäßige Versorgung junger Bäume. Gegenüber dem Vorjahr wird derzeit allerdings nicht mehr Wasser eingesetzt. Die umfangreicheren Bewässerungseinsätze gehören inzwischen zum normalen Arbeitsablauf des Fachbereichs.
Auch die städtischen Grünanlagen haben die bisherigen Wetterbedingungen ohne ungewöhnlich große Schäden überstanden. Die von der Verwaltung betreuten Flächen umfassen knapp 1.200 Hektar. Rund 400 Hektar davon entfallen auf öffentliche Grünflächen und etwa 210 Hektar auf Parkanlagen. Hinzu kommen 115 Hektar Spiel- und Freizeitflächen, knapp 240 Hektar Verkehrsgrün und rund 180 Hektar Freiflächen an öffentlichen Gebäuden und Grundstücken. Sonstige Flächen machen knapp 50 Hektar aus.
Eine umfassende Bewässerung dieser Grünanlagen ist nicht vorgesehen. Der Schwerpunkt liegt weiterhin auf Straßenbäumen sowie ausgewählten Beeten und Pflanzflächen. Nach Einschätzung der Stadt ist es bislang gelungen, die Anlagen so zu gestalten und zu pflegen, dass sie Hitze- und Trockenperioden vergleichsweise gut verkraften.
Langfristig rechnet der Fachbereich jedoch mit einem wachsenden Aufwand. Höhere Durchschnittstemperaturen, der Hitzeinsel-Effekt in dicht bebauten Stadtgebieten und häufigere sowie längere Trockenperioden dürften Bewässerung, Kontrolle und Pflege erschweren. Künftig könnte deshalb auch bei Teilen des älteren Baumbestands häufiger zusätzliche Versorgung notwendig werden.
Bei Neupflanzungen berücksichtigt die Stadt bereits die erwarteten klimatischen Veränderungen. Orientierung bietet unter anderem der Katalog „Zukunftsbäume für die Stadt“ der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz. Grundsätzlich sollen weiterhin heimische Arten bevorzugt werden, besonders in Grünanlagen. Sie haben zugleich eine wichtige Funktion als Nahrungsquelle und Lebensraum für heimische Tiere. An besonders belasteten Straßenstandorten können jedoch auch klimaresiliente Arten verwendet werden, die ursprünglich nicht in der Region heimisch sind. Zu diesen gehören die Zerreichen, die an der Schmiedestraße gepflanzt wurden.
Wirtschafts- und Umweltdezernentin Anja Ritschel sieht in den veränderten klimatischen Bedingungen bereits heute zusätzliche Anforderungen an die Stadt. „Für die Stadt bedeutet der Klimawandel bereits heute einen höheren Kontroll- und Pflegeaufwand. Gleichzeitig bleibt die Verkehrssicherheit ein zentraler Aspekt bei der Pflege des Baumbestands“, erklärt sie. Eine geeignete Auswahl der Baumarten, eine am Bedarf ausgerichtete Bewässerung und moderne Technik sollen nach ihrer Einschätzung dazu beitragen, Hannovers Stadtgrün auch unter schwierigeren Bedingungen widerstandsfähig zu halten.