Schon in wenigen Wochen geht die Pilzsaison los. Ihre Liebhaberinnen und Liebhaber sollten die Zeit nutzen, um sich darauf vorzubereiten, meinen Experten. Warum? „Durch die veränderten Wetterbedingungen sehe ich immer wieder Pilze, die sich in ihrer Erscheinung stark verändert haben und deshalb schwerer zu bestimmen sind“, sagt Udo Winter. Seit vielen Jahren schaut er in die Körbe von Sammlerinnen und Sammler und trennt dort Giftiges von Genießbarem. Der Pilzberater aus Bad Kösen im Burgenlandkreis warnt davor, unvorsichtig oder nachlässig zu sein. „Die Verwechslungsgefahr ist ein großes Thema – vor allem, wenn die Pilze sich so stark in Form und Farbe verändern.“
Es gebe ein paar grundlegende Regeln, die es beim Sammeln und Sortieren zu beachten gilt, sagt Winter. „Zum Beispiel alles an kleinen, weißen Pilzen einfach stehenlassen.“ Stattdessen sollten die Liebhaberinnen und Liebhaber auf den Waldböden und Wiesen eher nach Pilzen mit großem Fruchtkörper und mindestens zwei bis drei Zentimeter großen Hüten Ausschau halten. „Und dann bitte alles mitnehmen, nichts abschneiden. Für die Bestimmung ist der ganze Pilz wichtig.“Ab September gehe die Sammelsaison so richtig los, sagt Winter. An manchen Tagen stehen die Menschen dann mit ihren Körben vor seiner Garage Schlange, in der er sich jeden einzelnen Pilz genau anschaut, um auszuschließen, dass nichts gegessen wird, was im Zweifel Lebensgefahr bedeutet. „Wenn ich mich irre, ist der Mensch tot“, betont Winter.
Der Landesverband der Pilzsachverständigen in Sachsen-Anhalt führt Statistiken, die unter anderem zeigen, wie viele giftige Pilze zu den Beratenden gelangt sind. In den vergangenen Jahren waren demnach jedes Jahr Hunderte giftige Pilze dabei. So seien 2019 insgesamt 12.794 Pilze bestimmt worden, 2789 davon Giftpilze.
Winter hat sein Wissen und das Interesse für Pilze von seinem Opa mitgegeben bekommen, erzählt der 72-Jährige. Zuletzt seien immer mehr junge Menschen zu ihm gekommen. Seine Vermutung: „Die sind wieder naturverbundener.“
Um Berater zu werden, muss man viele Pilze sicher bestimmen können. Das habe auch viel mit Erfahrung zu tun, sagt Winter. Es gebe – trotz veränderter Erscheinungsformen – immer sichere Merkmale, die Giftpilze als solche entlarven. Wichtig sei dafür aber, das Gewächs in der Hand halten und riechen zu können – was Bilder und Apps als Bestimmhilfe ausschließt. Und spätestens, wenn die Pilze zum Verzehr bereit sind, gebe es noch eine wichtige Regel: „Wenn’s stinkt in der Pfanne, ist Alarm!“