Ein Naturgarten braucht im Spätsommer keine aufwendigen Pflegemaßnahmen, sondern vor allem kluge Entscheidungen: Boden bedecken, Wasser sparen, wilde Ecken zulassen, heimische Pflanzen fördern und Tiere mitdenken. Mehr braucht es oft nicht, damit aus einem Garten ein lebendiger und resilienter Naturraum wird.
Ein gesunder Boden ist das Herzstück jedes Naturgartens. Liegt er im Spätsommer offen, heizt er sich schneller auf, verliert Feuchtigkeit und wird auf Dauer weniger fruchtbar. Deshalb gilt jetzt mehr denn je: mulchen, mulchen, mulchen! Eine Schicht Rasenschnitt, Laub, gehäckseltes Schnittgut oder andere organische Materialien halten die Erde kühler, schützen vor Austrocknung und fördern nach und nach den Humusaufbau, rät das Umweltinstitut München.
Auch oberflächliches Hacken kann helfen, wenn die Erde nach längerer Trockenheit verkrustet ist. Dabei werden feine Kapillaren im Boden unterbrochen, über die Wasser sonst rasch verdunstet. Wichtig ist, nur flach zu arbeiten, damit Bodenlebewesen geschont werden. Wer den Boden schützt, statt ihn zu versiegeln oder ständig umzupflügen, schafft die beste Grundlage für robuste Pflanzen.
Gerade im heißen Spätsommer ist Wasser ein wertvoller Rohstoff. Im Naturgarten kommt es deshalb auf die Art des Gießens an: Statt täglich nur oberflächlich zu sprengen, ist es besser, seltener und dafür gründlich zu gießen. So gelangt das Wasser tiefer in den Boden, die Pflanzen bilden kräftigere Wurzeln aus und kommen mit Trockenphasen besser zurecht, rät der Nabu. Am besten gießt man am frühen Morgen, wenn der Boden noch kühl ist und das Wasser gut aufnehmen kann. Besonders wirksam ist das Gießen direkt an der Wurzel – das spart Wasser, reduziert Verdunstung und beugt zugleich Pilzkrankheiten vor.
Regenwasser ist dafür eine naturnahe und ressourcensparende Lösung, die auch den Geldbeutel schont. Für Beete, Sträucher und Topfpflanzen ist das kalkarme Wasser zudem besonders gut verträglich. Wer Regenwasser in einer Tonne sammelt, sollte diese abdecken oder mit einer Ausstiegshilfe sichern, damit Tiere nicht hineinfallen beziehungsweise wieder herausfinden. Gerade in trockenen Spätsommerwochen, in denen tierische Gartenbesucher immer weniger natürliche Wasserstellen finden, ist das eine kleine Maßnahme mit lebenswichtiger Wirkung.
Ordnung ist im Naturgarten nicht das oberste Ziel. Im Gegenteil: Für die Natur sind gerade kleine Unregelmäßigkeiten besonders wertvoll. Verblühte Staudenstängel sollten daher nicht vorschnell zurückgeschnitten werden. Sie dienen Insekten als Rückzugsort und Überwinterungshilfe. Auch Laubhaufen, hohes Gras und Brennnesseln sind kein Zeichen der Verwahrlosung, sondern bieten Nahrung und Deckung für Igel, Kleintiere und viele Vogelarten.
Gerade im Spätsommer lohnt es sich also, nicht alles perfekt aufzuräumen, sondern einige Bereiche bewusst unberührt zu lassen. Solche „wilden Ecken“ müssen nicht groß sein, damit sie wirken. Schon ein kleiner Bereich hinter dem Gartenhäuschen oder am Rand des Grundstücks kann zu einer kleinen Schatzkammer der Artenvielfalt werden. Wer hier etwas Gelassenheit übt, gewinnt Lebensraum, Struktur und Natürlichkeit im Garten zurück.
Ein naturgerechter Garten profitiert von Pflanzen, die an Standort und Klima angepasst sind. Besonders wertvoll sind trockenheitsliebende Wildstauden, Blühpflanzen und Sträucher, die gleichzeitig Nektar, Pollen oder Verstecke liefern, zum Beispiel Natternkopf, Schafgarbe, Fetthenne oder Glockenblumen sowie Kräuter wie Thymian, Rosmarin oder Lavendel, rät das Umweltinstitut.
Im Gemüsebeet kommen Mangold, Kartoffeln und Zwiebeln mit weniger Wasser aus. Auch ein Kräuterrasen oder eine kleine Blühfläche sind im Spätsommer sinnvoll, weil sie weniger Wasser brauchen und länger ökologisch aktiv bleiben. So entsteht ein Garten, der nicht nur schön aussieht, sondern auch Nahrung und Struktur für Tiere bietet.
Spätsommerliche Trockenheit trifft nicht nur Pflanzen, sondern auch Wildtiere. Vögel, Insekten, Igel und andere Kleinsäuger finden nun oft weniger natürliche Wasserquellen. Eine flache Wasserschale oder eine Tränke kann hier viel bewirken. Wichtig ist, diese Angebote artgerecht zu gestalten und regelmäßig zu pflegen.Wasserstellen für Vögel sollten etwas erhöht, für Igel und andere Kleintiere bodennah platziert werden. Damit Insekten nicht ertrinken, sollten Steine oder andere flache Ausstiegshilfen im Wasser liegen. Zudem sollten die Tränken regelmäßig gereinigt und mit frischem Wasser gefüllt werden. Wer Tiere mitdenkt, plant automatisch nachhaltiger und schafft einen Garten, der für alle attraktiv ist.