Das Gesamtvolumen des Doppelhaushalts umfasst Aufwendungen von mehr als 3,4 Milliarden Euro im Jahr 2027 und mehr als 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2028. Für Investitionen sind davon rund 311 Millionen Euro im ersten und 334 Millionen Euro im zweiten Jahr vorgesehen.
Den größten Investitionsschwerpunkt bilden Schulen und Kindertagesstätten. Kämmerer Axel von der Ohe beziffert die Investitionen in Schulen und Kitas über beide Jahre auf insgesamt 277 Millionen Euro. Der Hochbau-Etat ist für 2027 und 2028 jeweils mit rund 138 Millionen Euro angesetzt. Nach Angaben von Oberbürgermeister Belit Onay sollen davon rund 80 Prozent in Kitas und Schulen fließen. Geplant sind Neubauten, Sanierungen und Interimslösungen an Schulstandorten.
Auch bei den laufenden Ausgaben zeigt sich, welche Summen Bildung und Betreuung inzwischen binden. Für Kindertagesstätten, Tagespflege, Hilfen zur Erziehung und weitere Angebote der Jugendhilfe sind nach Angaben des Kämmerers allein 2027 mehr als 628 Millionen Euro eingeplant. Weitere 248 Millionen Euro fließen in Schulen und Ganztagsangebote.
Hinzu kommen neue gesetzliche Aufgaben. Für die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung veranschlagt die Stadt 44,9 Millionen Euro im Jahr 2027 und 50 Millionen Euro im Jahr 2028. Dafür werden nach Angaben Onays zusätzlich 37 Stellen benötigt. Fünf Millionen Euro sind außerdem für die schrittweise Einführung eines kostenfreien Mittagessens an Grundschulen vorgesehen.
„Eine gute Bildungsinfrastruktur ist nicht nur eine Investition in unsere Kinder, sondern auch in die Zukunftsfähigkeit unserer Stadt“, sagte Oberbürgermeister Belit Onay bei der Einbringung des Haushalts.
Dass öffentliche Sicherheit ebenfalls erhebliche Mittel bindet, zeigt ein Blick auf die Feuerwehr. Für den entsprechenden Teilhaushalt sind 158 Millionen Euro im Jahr 2027 und 163 Millionen Euro im Jahr 2028 vorgesehen. Die Stadt will zudem den Ordnungsdienst stärken und seine Präsenz in den Stadtteilen ausbauen. Für zusätzliche Leistungen der Stadtreinigung bei aha sind rund zwei Millionen Euro eingeplant.
Ein weiterer großer Investitionsbereich bleibt die Verkehrsinfrastruktur. Für Tief- und Straßenbau sind knapp 35 Millionen Euro im Jahr 2027 und knapp 40 Millionen Euro im Jahr 2028 vorgesehen. Finanziert werden sollen damit unter anderem Straßen und der weitere Ausbau von Velorouten.
Für Sport und Bäder sind in beiden Jahren zusammen 36 Millionen Euro eingeplant. Weitere 26 Millionen Euro nennt der Kämmerer für Kultur und gesellschaftliche Teilhabe. Auch die Digitalisierung der Verwaltung bleibt ein Schwerpunkt. Ziel sind unter anderem schnellere Bearbeitungszeiten, weniger Medienbrüche und Verwaltungsleistungen, bei denen Daten nicht mehrfach in verschiedenen Systemen erfasst werden müssen.
Investitionen sind außerdem über die neu gegründete hanova Kommunal GmbH geplant. Sie soll zusätzliche Bauprojekte übernehmen und insbesondere Schulsanierungen schneller umsetzen. Für 2027 und 2028 befindet sich unter anderem die Sanierung der IGS Roderbruch und der IGS Vahrenheide in der Planung.
Die Stadt will außerdem ihr Wohnbauförderprogramm fortsetzen, das inzwischen ein Volumen von mehr als 76 Millionen Euro umfasst. Bis 2035 werden nach Angaben der Verwaltung rund 17.000 zusätzliche Wohnungen benötigt.
Den hohen Investitionen stehen stark wachsende laufende Ausgaben gegenüber. Einen wesentlichen Grund dafür sieht die Stadt in zusätzlichen Aufgaben, die Kommunen von Bund und Ländern übertragen bekommen, ohne dass ihre Finanzierung entsprechend mitwächst.
„Zur Wahrheit gehört, dass Städte und Gemeinden immer mehr Aufgaben übernehmen, ohne dass die finanzielle Ausstattung im gleichen Maße mitwächst“, sagte Oberbürgermeister Belit Onay in seiner Haushaltsrede.
Onay nahm dabei ausdrücklich beide staatlichen Ebenen in die Verantwortung: „Bund und Land sind in der Verantwortung, die kommunale Ebene endlich dauerhaft und verlässlich auszustatten.“
Besonders deutlich wird das nach Angaben der Stadt bei der Kinderbetreuung. Allein dieses Aufgabenfeld weist laut Onay ein Defizit von 240 Millionen Euro auf. Die Summe liegt damit deutlich über dem Umfang der Einsparungen, die die Stadt selbst im neuen Haushaltssicherungskonzept erreichen will.
Auch Kämmerer Axel von der Ohe sieht ein strukturelles Problem bei der Finanzierung kommunaler Aufgaben. Er fordert unter anderem eine bessere Beteiligung der Kommunen an Einkommen- und Umsatzsteuer, eine höhere Ausstattung des kommunalen Finanzausgleichs in Niedersachsen sowie eine konsequentere Anwendung des Konnexitätsprinzips. Dahinter steht der Grundsatz, dass Bund oder Land Aufgaben, die sie den Kommunen übertragen, auch ausreichend finanzieren sollen.
Im Haushalt rechnet Hannover deshalb bereits mit zusätzlichen Entlastungen von jeweils rund 70 Millionen Euro in den Jahren 2027 und 2028, wenn übertragene Aufgaben künftig besser durch Region, Land und Bund finanziert werden.
Gleichzeitig wachsen auch andere große Ausgabenblöcke. Die sozialen Transferleistungen sind für 2027 mit rund 879 Millionen Euro angesetzt und steigen 2028 auf fast 900 Millionen Euro. Hinzu kommt die Regionsumlage mit 556 Millionen Euro 2027 und 550 Millionen Euro 2028. Zusammen mit den Personal- und Versorgungsaufwendungen binden diese drei Bereiche nach Berechnungen des Kämmerers 2027 rund 2,3 Milliarden Euro und damit nahezu zwei Drittel des gesamten Haushaltsvolumens.
Auch die Personalkosten steigen deutlich. Der Personaletat liegt 2027 bei 867 Millionen Euro und wächst 2028 auf mehr als 904 Millionen Euro. Das wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich zu dem erklärten Ziel, Verwaltung zu digitalisieren und Bürokratie abzubauen.
Die Stadt begründet den Anstieg damit, dass neue Stellen vor allem dort geschaffen werden sollen, wo zusätzliche Aufgaben entstehen oder Personal nicht durch digitale Verfahren ersetzt werden kann. Genannt werden unter anderem Erzieherinnen und Erzieher für den Ganztag, Ordnungskräfte und Beschäftigte in der Pflege.
„Stellen, die wir ganz sicher nicht durch digitale Prozesse ersetzen können“, sagte Oberbürgermeister Belit Onay dazu in seiner Haushaltsrede.
Gleichzeitig soll die Modernisierung der Verwaltung mittelfristig dazu führen, dass frei werdende Stellen in anderen Bereichen nicht mehr automatisch neu besetzt werden. Bis 2035 wird nach Angaben der Stadt eine Vielzahl von Beschäftigten altersbedingt in den Ruhestand gehen. Die Verwaltung erwartet deshalb in mehreren Bereichen eher einen Fachkräftemangel als einen dauerhaften Personalüberschuss.
Der Stellenplan sieht nach Angaben des Kämmerers insgesamt 770 neue Stelleneinrichtungen vor. Davon seien rund 200 tatsächlich zusätzlich haushaltsbelastend.
Trotz der hohen Einnahmen gelingt es der Stadt nicht, einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Für 2027 werden Gewerbesteuereinnahmen von knapp 886 Millionen Euro erwartet, für 2028 rund 917 Millionen Euro. Gleichzeitig wachsen die Ausgaben schneller als die Einnahmen.
Deshalb muss Hannover erneut ein Haushaltssicherungskonzept aufstellen. Rund zwei Prozent der Aufwendungen und damit etwa 69 Millionen Euro pro Jahr sollen innerhalb der Verwaltung eingespart werden. Zusätzlich soll ein Modernisierungsprogramm schrittweise weitere Einsparungen ermöglichen.
Nach Berücksichtigung des Haushaltssicherungskonzepts bleibt für 2027 ein Defizit von 13,8 Millionen Euro und für 2028 von 12,8 Millionen Euro.
Auch die Verschuldung wird weiter steigen. Ende 2028 rechnet die Stadt im Kernhaushalt mit rund 2,2 Milliarden Euro investiven Schulden. Einschließlich Konzernkrediten und Krediten der Eigenbetriebe sollen es rund 3,5 Milliarden Euro sein. Hinzu kommen voraussichtlich rund 1,3 Milliarden Euro Liquiditätskredite, mit denen das laufende Verwaltungsgeschäft finanziert wird.
Dass innerhalb der Verwaltung unterschiedliche Akzente gesetzt werden, wurde bei der Haushaltseinbringung ebenfalls deutlich. Von der Ohe erinnerte zu Beginn seiner Rede daran, dass Kämmerer traditionell zum Maßhalten und zur Haushaltsdisziplin mahnen. Er hält vor allem das bislang vorgesehene Tempo der Verwaltungsmodernisierung für zu niedrig und warnt davor, strukturelle Probleme in den nächsten Haushalt zu verschieben. Onay betont dagegen, dass Sparen und Investieren gleichzeitig möglich sein müssten. „Wer heute ausschließlich spart, verschiebt Probleme lediglich in die Zukunft. Wer hingegen klug investiert, schafft die Grundlagen dafür, dass kommende Generationen in einer lebenswerten und leistungsfähigen Stadt leben können.“