Neue Bilder aus der Tiefsee
In vielen Teilen noch unerforscht: Auf einer Expedition hat Greenpeace die
Ökosysteme der Meerestiefe mit einem Tauchroboter erkundet - und womöglich neue Arten entdeckt

In der Näheeines Unter-wasserbergs inder sogenannten"Banani-Hole-Region"wurde dieser lilafarbeneSeestern von GreenpeaceForschenden aufgenommen.Quelle: Solvin Zankl / Greenpeace
Berlin. Forschende von Greenpeace haben bei einer Expedition in die Arktis spektakuläre Unterwasseraufnahmen von Lebewesen am Meeresboden gemacht und womöglich neue Arten entdeckt. Vier Wochen lang war ihr Schiff für die „Deep Arctic Expedition“ in einem Meeresgebiet zwischen Grönland und Norwegen unterwegs, das wegen seiner bogenartigen Form auch das „Banana-Hole“ genannt wird. Dort hatten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen eine Tiefseebergkette namens Mohns-Ridge erforscht. Ziel war es, mehr über die Tiefseeökosysteme an Seebergen und hydrothermalen Quellen zu erfahren.

Das wichtigste Instrument bei der Expedition war der Tiefseeroboter Holly: Das gut drei Tonnen schwere Gerät wurde in bis zu 3.000 Meter Tiefe ins Meer hinabgelassen. Mit einer Kamera für hochauflösende Videos ausgestattet machte Holly faszinierende Aufnahmen von Tiefseelebewesen: von Wasserflöhen, Krebstieren, Würmern und Korallen, aber beispielsweise auch von Seespinnen, bei denen die Männchen die Jungtiere nach dem Schlüpfen bei sich tragen. Oder von einem „Dumbo“ Oktpopus, benannt nach dem Disney-Elefanten, weil seine Flossen wie riesige Ohren aussehen.

Das Bildmaterial zeigt auch Tiefseethermalquellen, aus denen schwarzer Rauch aufzusteigen scheint, eine schwefelwasserstoffhaltige Lösung. Im Umfeld solcher Quellen finden sich viele Organismen, die sich an die eigentlich giftigen Lebensbedingungen angepasst haben. Sie sind noch teils unerforscht und deshalb für die Wissenschaft interessant. Insgesamt sind mit Hollys Hilfe mehr als 100 Stunden Videoaufzeichnungen aus der Tiefsee entstanden.

Außerdem ließen die Forschenden den Roboter mit seinen fernsteuerbaren Greifarmen Gewebeproben von wirbellosen Tieren sammeln sowie Sediment- und Wasserproben. „Unter den über 400 Proben von Schwämmen haben wir bei dieser Expedition schon drei möglicherweise unentdeckte Arten ausgemacht“, sagte Paco Cárdenas, der als Experte für Tiefseeschwämme an der Expedition teilgenommen hatte, in einer Stellungnahme.

Und er erklärt auch, warum solche Funde bedeutsam sein können. „Schwämme gibt es seit über 500 Millionen Jahren und sie haben eigene Stoffe entwickelt, um Fressfeinde und Krankheitserreger abzuwehren. Daher könnten die chemischen Verbindungen der hier vorkommenden Tiefseearten auch den Schlüssel zur Entwicklung von Heilmitteln für derzeitige und künftig auftretende Krankheiten darstellen“, so Cárdenas.

Das zeige, wie wichtig es sei, das Leben in der Tiefsee zu erhalten: „Wenn diese Ökosysteme verschwinden, laufen wir Gefahr, sie für immer zu verlieren.“ In den kommenden Wochen müssen die Proben und Bilder der Expedition noch genauer ausgewertet werden.

Greenpeace erhofft sich neue Erkenntnisse über gefährdete, seltene, endemische und noch nicht beschriebene Arten, die im Gebiet des Banana Hole vorkommen. Sie könnten die Verantwortlichen überzeugen, dort Schutzgebiete einzurichten. Norwegen hat in der Region Tiefseebergbau geplant, es will im Meeresboden nach metallreichen Erzen schürfen. Wegen Protesten von Umweltschützern war das Vorhaben vorläufig gestoppt worden. Durch die Einrichtung von Schutzgebieten ließe sich das Projekt dauerhaft verhindern.

„Jetzt ist der Moment, eine Umweltkatastrophe zu verhindern, bevor sie eintritt. Wir werden die Daten und Erkenntnisse der Expedition nutzen, um diese außergewöhnlichen Ökosysteme ins Rampenlicht zu rücken und die Politik dazu zu bewegen, Meeresschutzgebiete einzurichten“, heißt es in einer Stellungnahme von Sandra Schöttner, Tiefseebiologin und leitende Wissenschaftlerin der Greenpeace Deep Arctic Expedition.

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