Und wie heißt das Pferd?
Derzeit steht der König kopflos da, das Ernst-August-Denkmal vorm Hauptbahnhof wird renoviert:
Sieben Dinge, die Sie bestimmt noch nicht über Hannovers Wahrzeichen wussten

KopfloserKönig: Das Ernst-August-Denkmal wird saniert, das royale Haupt wurde dafür demontiert.Foto: IrvingVillegas
Hannover. Er ist ein Wahrzeichen der Stadt. Ein Ankerpunkt lokaler Identität. Bremen hat den Roland, Braunschweig den Löwen – und Hannover hat Ernst August. Den „Bahnhofsvorsteher“. Derzeit sorgt das Denkmal am Ernst-August-Platz für Aufsehen, weil der König kopflos dasteht. Das Reiterstandbild wird restauriert – und rückt so in den Fokus der Öffentlichkeit. Hier erfahren Sie sieben Dinge über den Welfenmonarchen und sein Denkmal, die Sie (wahrscheinlich) noch nicht wussten.

Ernst August kam aus London, er wurde 1771 im Buckingham Palace geboren. Er war der Sohn von König Georg III., der gleichzeitig über das britische Weltreich und das vergleichsweise kleine Hannover herrschte. Diese Personalunion endete 1837: In London konnte mit Queen Victoria eine Frau Königin werden, in Hannover kam Ernst August auf den Thron. Er starb 1851.

Drei Jahre nach Ernst Augusts Tod gründeten Honoratioren ein „Comité“ zur Errichtung eines Denkmals; die Bronzeplastik sollte rund 60.000 Thaler kosten. Doch die Spendenaufrufe fanden wenig Resonanz. Obwohl ein leibhaftiger Londoner Lord, der Schützenverein zu Melle und ein Rabbiner samt seiner ostfriesischen Synagogengemeinde Geld gaben, flossen die Spenden nur spärlich. Am Ende bezahlte Ernst Augusts Sohn, König Georg V., selbst 35.000 Thaler für das Standbild.

Als das Denkmal 1861 errichtet wurde, hielt anfangs ein eiserner Zaun dem Landesvater sein treues Volk vom Leib: Ernst August war nicht sonderlich beliebt gewesen. Kaum an der Macht, hatte er 1837 ein halbwegs liberales Grundgesetz für nichtig erklärt und sieben Göttinger Professoren, die dagegen protestierten, ins Exil getrieben.

Gerne hätten die Initiatoren einen „vaterländischen Künstler“ für das Denkmal beauftragt. Doch der hannoversche Bildhauer Heinrich Hesemann starb in der Planungsphase, und sein Entwurf hatte Ernst August auch eher als kraftlosen Greis abgebildet. So bekam der Preuße Christian Daniel Rauch, der schon das Denkmal für Friedrich den Großen in Berlin gestaltet hatte, den Zuschlag. Sein Schüler Albert Wolff setzte den Entwurf dann um. Immerhin wurde das Denkmal in Hannover gegossen, beim Hof-Bronze-Fabrikanten Bernstorff & Eichwede.

Der steinerne Sockel des 1861 errichteten Denkmals stammt aus der Gegend um Torfhaus im Harz. Der Transport war ein Problem: Ein von Arbeitern behauenes Stück wog 629 Zentner. Eine Holzbrücke musste dafür verstärkt werden, doch vor Harzburg fuhr sich ein eigens konstruierter Wagen fest. Erst bei trockener Witterung konnte der Sockel, um einige Zentner erleichtert, nach Hannover geschafft werden – dank freundlicher Unterstützung der Braunschweigischen Eisenbahn.

Wegen des U-Bahn-Baus musste das Denkmal umziehen: Es wurde 1971 an den Landtag versetzt. Als es am 3. Juli 1975 vor den Hauptbahnhof zurückkehrte, feierten Tausende ein Volksfest. Heute ist Ernst August beliebt; ein Brauhaus und eine Einkaufsgalerie sind nach ihm benannt. Das Denkmal für die von ihm geschassten „Göttinger Sieben“, das heute nahe dem Landtag steht, wirkt weit weniger glanzvoll.

Das Denkmal zeigt den alten Kavalleristen Ernst August in Husarenuniform. Bei seiner Beisetzung war 1851 sein Leib- und Lieblingspferd Ibrahim gleich hinter dem Leichenwagen hergeführt worden. Wahrscheinlich stand das treue Tier auch für das Denkmal Pate. Bei dessen Einweihung zog am 21. September 1861 ein feierlicher Festzug vom Waterlooplatz zum Bahnhof, etwa 23.000 Menschen drängten sich dort. Ob Ibrahim unter ihnen war, ist nicht überliefert.

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