Doch ganz so einfach ist es nicht. Schwarz zieht eine differenzierte Bilanz von den Titelkämpfen in Paris, die am Sonntag zu Ende gegangen sind. Er schwamm stark, aber hatte ein gewaltiges Problem: die nationale Konkurrenz. Vor allem in Person von Johannes Liebmann – dem neuen deutschen Shooting-Star. Schwarz ging im Schatten des Doppel-Europameisters und Weltrekordlers unter.
Über die 800 Meter schnappte ihm Liebmann Gold weg, für den Hannoveraner von Waspo 98 blieb „nur“ Silber. Über die 1500 Meter Freistil gehörte Schwarz erneut zu den Favoriten – doch diesmal erreichte er nicht mal den Endlauf. Dabei hätte seine geschwommene Zeit (14:52,16 Minuten) locker dafür gereicht. Es war die fünftbeste Zeit aller Teilnehmer. Aber nur zwei Starter einer Nation dürfen ins Finale. Liebmann und Oliver Klemet waren schneller. Im Endlauf erreichte die Liebmann-Show ihren Höhepunkt, als der 19-Jährige aus Eckernförde in 14:26,79 Minuten zum Weltrekord flog.An diese Zeit wäre Schwarz nicht herangekommen. Edelmetall wäre aber dringewesen. „Ja, ich habe mir über 1500 Meter mehr erhofft. Es war schon ein bisschen bitter. Ich wäre gern im Finale geschwommen. Ich wäre kompetetiv genug gewesen, eine Medaille zu gewinnen“, sagt der 24-Jährige selbstbewusst. Das Scheitern über die 400 Meter Freistil kam für ihn hingegen nicht überraschend. Er habe „nicht damit gerechnet, ins Finale zu kommen“. Die Distanz hatte er nur zusätzlich ins Programm genommen, weil sie am Ende der EM lag und seine Hauptstrecken nicht beeinflusste.
Schwarz war mit 800-Meter-Silber glücklich. Seine erste Medaille bei einer Langbahn-EM. „Damit kann ich gut leben. Die kann mir keiner nehmen“, sagt der Waspo-Mann. „Es war wichtig, auf dem Podium zu stehen, von allen gesehen zu werden. Das ist wichtig für die Anerkennung – und die weitere Förderung.“ Schwarz sagt sich: „Ich gehöre weiter zu den Besten der Welt. Darauf kann ich aufbauen. Ich verbuche Paris als Erfolg. Ich muss mich nicht verstecken.“ Auch nicht vor Liebmann. „Johannes schwimmt in diesem Jahr einfach auf einer Erfolgswelle. Er ist aktuell kaum zu schlagen. Das kann im nächsten Jahr aber wieder ganz anders aussehen.“
Natürlich sei es „ärgerlich“, selbst gut in Form zu sein und doch so starke Schwimmer vor sich zu haben. Zumal aus dem eigenen Land. Aber Schwarz schaut nicht neidisch auf Liebmann nach Magdeburg, wo dieser mit den anderen Superstars Lukas Märtens und Florian Wellbrock zusammen trainiert: „Konkurrenz belebt das Geschäft.“
Sein Verhältnis zur Magdebuger Gruppe ist weiter sehr gut. „Wenn wir sechs oder sieben Wochen zusammen im Trainingslager sind, bleibt nur wenig Zeit, sich nicht zu mögen“, sagt Schwarz. „Auch wenn wir uns in der Zeit sportlich bekriegen, ist es ein sehr freundschaftliches Verhältnis, das wir alle haben. Und: Wir lernen ja auch alle gegenseitig voneinander.“
Die Verlockung, auch nach Madgeburg zu wechseln, lässt Schwarz weiterhin kalt. „Das kommt nicht infrage. Es gibt gar keine Überlegung zu wechseln. Ich bleibe definitiv hier. Es ist alles gut hier.“ Die tägliche Arbeit mit seinem Trainer Emil Guliyev und die Erfolge der letzten Jahre bestätigen und bestärken ihn. Außerdem ist Schwarz ehrgeizig genug, jetzt selbst noch eine Schippe draufzulegen, um Liebmann 2027 gefährlich zu werden. Aber erst nach der Sommerpause. Die Schwimmsaison ist vorbei.
Schwarz hat jetzt zweieinhalb Wochen Urlaub, will einige liegengebliebene Dinge erledigen, mit der Freundin aber auch eine Woche nach Süditalien fahren, um abzuschalten. Dann beginnt der Saisonaufbau, Anfang Dezember steht die Kurzbahn-WM in China auf dem Programm.