Und weil prominente Rückkehrer schließlich standesgemäß wohnen sollen, hat der Zoo ihnen gleich ein neues Zuhause gebaut: ein eigenes Schildkrötenhaus im Zoologicum. Langsam war gestern – bei diesem Bau wurde in Hannover ordentlich Tempo gemacht mit nur neun Monaten Bauzeit. Und reichlich investiert: Gut 1,6 Millionen Euro kostet die Anlage, aufgeteilt in einen Zuschuss durch die Region Hannover in Höhe von 669.000 Euro und einen Zoo-Anteil von 950.000 Euro.
Rückblick: Die Riesenschildkröten-Gruppe war 2008 in andere Zoos umgezogen, weil ihr altes Haus in Hannover baufällig war und der Platz für die Alaskalandschaft Yukon Bay gebraucht wurde. Ursprünglich hatte die Population noch aus einer weiteren Schildkröte bestanden, doch die soll im Zoo Darmstadt bleiben, wo sie sich prächtig eingelebt hat.
Die Gäste im Zoo Hannover können sich in Kürze über ein neues bauliches Schmuckstück freuen und das Riesenschildkröten-Quartett auf ein geräumiges, komfortables Wohnquartier: Auf rund 240 Quadratmetern erstreckt sich das gläserne Warmhaus – ausgestattet mit Natursteinboden, großem Badebecken, Sandbädern und üppig bepflanzten Inseln, die tropisches Flair verbreiten und zugleich als Rückzugsorte dienen. Luxus, der sich sehen lassen kann.
Der ist aber auch nötig. Denn die Internationale Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) stuft den Bestand der Seychellen-Riesenschildkröte als gefährdet ein. Ihr Lebensraum im Indischen Ozean ist heute fast ausschließlich auf das Aldabra-Atoll beschränkt. Klimawandel sowie invasive Arten setzen dem Bestand zusätzlich zu. Im Zoo Hannover sollen Romina, Cassiopeia, Leopold und Bert deshalb nun beste Lebensbedingungen vorfinden. Hier werden sie noch viele schöne Jahre verbringen: Seychellen-Schildkröten können über 100 Jahre alt werden.
Damit die anspruchsvollen Bewohner auch garantiert nicht frieren, gibt es eine Kombination aus Fußbodenheizung, UV-Leuchten, Infrarotstrahlern und zusätzlichen Heizquellen entlang des Dachfirsts. Hinzu kommt eine Luftbefeuchtungsanlage für ein Klima wie im tropischen Paradies – mit gleichbleibend 26 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von 60 bis 80 Prozent. Wer hier einzieht, muss sich um das Wetter keine Gedanken mehr machen.
Auch an die Familienplanung wurde gedacht. Zwei eigens eingerichtete und beheizte Sandbereiche stehen Romina und Cassiopeia für die Eiablage zur Verfügung. „Dort können sie sorgfältig Gruben ausheben und pro Gelege vier bis 14 kugelförmige Eier im angenehm vorgewärmten Sand vergraben“, kündigt Klaus Brunsing, der zoologische Leiter, hoffnungsfroh an.
Und wer als Zoobesucher schon immer mal mitten in eine ungewöhnliche Wohngemeinschaft eintauchen wollte, bekommt ebenfalls Gelegenheit dazu. Über den Köpfen der Gäste ziehen nämlich auch Faultiere in gewohnt gemächlichem Tempo durch die Baumwipfel – und demonstrieren eindrucksvoll, dass Entschleunigung auch ein Lebenskonzept sein kann.
Die Wohngemeinschaft komplettieren außerdem Warane, Leguane und vietnamensische Langnasennattern – in drei verschiedenen Terrarien, die sich in dem Warmhaus verteilen. Später sollen eventuell noch Vögel hinzukommen, weshalb Besucher das Warmhaus stets über eine Schleuse betreten und verlassen. Und: Zumindest für die Schildkröten wird sich das Revier im nächsten Jahr sogar noch erweitern.
Für sie hat der Zoo zusätzlich eine großzügige, rund 320 Quadratmeter umfassende, grasbewachsene Außenanlage angelegt, die mit dem Zoologicum verbunden ist. Dort können die Tiere im Sommer tatsächlich bis auf Streichelarmlänge an die Besucher herankommen – wobei das Streicheln ausdrücklich nicht erlaubt sein wird, wie der zoologische Leiter betont.
Bleibt noch die Frage, warum die Rückkehr der Seychellen-Riesenschildkröten so lange gedauert hat. Wegen stetig steigender Baupreise habe man das Haus mehrfach umplanen müssen, erklärt Zoochef Andreas Casdorff. Auch der richtige Ort war nicht leicht zu finden. „Es gab viele Widrigkeiten, aber der große Zuspruch der Zoogäste und Schildkrötenfreunde hat uns an dem Projekt festhalten lassen.“
Für die Rückkehr der Riesen waren in den vergangenen Jahren viele Fans kreativ und aktiv geworden: Beim Zoo-Run zum Beispiel traten 2200 Laufende in Schildkröten-T-Shirts an, es wurden Bilder gemalt und Schildkrötenkekse gebacken. „Durch die vielen Spenden sind rund 46.000 Euro zusammengekommen, die mit ins Schildkrötenhaus geflossen sind“, sagt Casdorff erfreut.
Wichtig: Das neue Schildkrötenhaus ist erst ab dem 20. August vormittags für die Öffentlichkeit begehbar. Die Schildkröten sind dann schon ein paar Tage zurück in Hannover und haben sich an ihre neue Umgebung gewöhnt.