Angesichts zunehmender Hitzeperioden und sinkender Grundwasserspiegel wird Wasser im Garten zum kostbaren Gut. Wer klug wirtschaftet, nutzt die Geschenke der Natur und setzt auf Regenwasser sowie auf eine intelligente Pflanzenauswahl, um Wasser und Geld zu sparen.
Statt Trinkwasser aus dem Hahn zu nutzen, lohnt es sich, Regenwasser zum Bewässern zu nutzen. Nach Berechnungen der Klimanauten der Heinrich-Böll-Stiftung sammeln sich durch ein durchschnittliches Dach etwa 70.000 Liter Regenwasser pro Jahr. Umgerechnet wären das 365 Regentonnen. Allein eine durchgehend mit Regenwasser gefüllte Gießkanne spare durchschnittlich 135 Euro pro Jahr. Die Pflanzen profitieren sogar vom Regenwasser, da es für sie bekömmlicher ist. Aufbereitetes Trinkwasser aus der Leitung kann einen hohen Kalkgehalt oder zugesetztes Chlor, Fluor oder Ozon enthalten, das viele Pflanzen nicht gut vertragen. Wer die Regentonne aktiv und effektiv nutzen möchte, sollte in eine Pumpe investieren. Diese ermöglicht es, direkt aus der Tonne zu gießen oder einen Sprenger zu betreiben. Die durchschnittlichen Kosten liegen bei etwa 70 Euro.
Im Idealfall sollte von der Regenrinne direkt ein Fallrohr in die Regentonne laufen. Alternativ lässt sich ein „Regendieb“ nutzen. Die Regenwassersammler, so der korrekte Name, werden in die Fallrohre eingebaut und können das Wasser ableiten. Bei Regen öffnet man deren Klappe und leitet das Wasser in die bereitgestellte Regentonne um.
Wichtig ist eine Abdeckung der Regentonne, um Unfälle zu vermeiden – gerade in einem Haushalt mit kleinen Kindern oder Tieren. Außerdem sollte die Regentonne regelmäßig geleert werden, da sich in stehenden Gewässern sonst leicht Mückenlarven einnisten.
Für viele Gärten ist das Fassungsvermögen einer Regentonne ausreichend. Aber gerade für größere Grundstücke kann auch der Einbau einer Zisterne oder eines Regenwassertanks sinnvoll sein. Diese sammeln das Regenwasser unterirdisch und sind in unterschiedlichen Größen erhältlich. Je nach Material und Größe ist eine Zisterne ab mehreren hundert Euro erhältlich. Größere Anlagen mit 10.000 Liter Fassungsvermögen liegen eher bei 2000 Euro. Die benötigte Größe sollte man vorab genau abwägen, denn bei Hitze benötigt ein Quadratmeter Rasen etwa 15 Liter Wasser (im Normalfall zehn Liter). Bei einer Rasenfläche von 100 Quadratmetern wären das in Hitzeperioden schon 1500 Liter bei einer vollständigen Wässerung, die einmal pro Woche erfolgen sollte. Bei extremer Hitze öfter, dann aber mit etwas weniger Wassermenge.
Viele Gartenbesitzer lassen fälschlicherweise täglich den Rasensprenger laufen. Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass beim Rasensprengen am Mittag bis zu 90 Prozent der Wassermenge ungenutzt verdunstet. Und nicht nur das: Ist der Rasen tagsüber nass, wirkten die Wassertropfen in der Sonne wie ein Brennglas, erklärt Rasenspezialist Norbert Lischka: „Die beste Uhrzeit zum Gießen ist morgens zwischen 4 und 8 Uhr.“ Zu dieser Zeit sei es am kältesten, weil die Sonne die Luft noch nicht erwärmt habe. Das Wasser verdunstet dann nicht so schnell und kann tief in den Boden zu den Wurzeln eindringen. Wer da aber noch nicht an Gartenarbeit denken kann, könne dies auch nach Sonnenuntergang tun.
Grundsätzlich sind die meisten Rasengräser gut an sommerliche Trockenheit angepasst. Zu viel Wasser begünstigt die Bildung von Unkraut. Hält die Dürreperiode länger an, können dann auf der einst so schönen Grünfläche braune und gelbe Stellen entstehen. Das liegt in erster Linie natürlich am Wassermangel. Wenn jedoch Flächen häufig betreten werden, verdichtet sich der Boden dort, sodass die Wurzeln nur schwer Wasser aufnehmen können. Dann reicht es jedoch aus, die betroffenen Stellen entsprechend zu wässern: „Wenn der Rasen nur punktuell trocken ist, dann ist das Gießen mit der Hand am effektivsten“, rät der Rasenexperte. So würden nur die betroffenen Stellen versorgt und gleichzeitig Wasserkosten gespart.
Verbrannten Rasen kann man durch Auflockern des Bodens retten: Damit das Wasser zu den belasteten Wurzeln vordringen kann, können mithilfe einer sogenannten Grabgabel (ein großer Spaten mit drei Zinken) kleine Löcher gebohrt werden, in die das Wasser laufen kann.
Wie viel gegossen werden soll, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Grundsätzlich gilt: Der Rasen braucht mindestens so viel Wasser, wie den Tag über auf der Fläche verdunstet. Bei Temperaturen von 25 Grad sind das etwa vier Liter pro Quadratmeter, bei 35 Grad schon sechs Liter. Aber auch die Grasart und die Beschaffenheit des Bodens beeinflussen, wie viel Wasser der Rasen braucht. Lehmige Böden müssen länger gegossen werden als sandige. Dafür müssen letztere häufiger bewässert werden, da sie das Wasser nicht so lange halten können.
Der Boden ist unser natürlicher Wasserspeicher. Sie können dafür sorgen, dass er mehr Wasser auf- und an die Pflanzen abgibt. Je mehr offene Erde zu sehen ist, desto mehr geht über Verdunstung verloren. Es lohnt der Einsatz von Bodendecker – diese beugen zusätzlich Unkraut vor. Regenwasser muss versickern können, deshalb sollten weniger Flächen undurchlässig versiegelt werden. Mulch, Holzhäcksel, Kompost, Humus, Stallmist oder Hornmehl halten die Feuchtigkeit länger in der Erde. So werden die Erwärmung und die Verdunstung durch direkte Sonneneinstrahlung um bis zu 75 Prozent gemindert. Pflanzen sollten direkt am Übergang zum Boden gegossen werden – nicht auf die Blätter. So kann das Wasser am besten ins Erdreich eindringen.
Merken Sie sich diese drei Tipps für die Bewässerung:
– Nicht allzu häufig, dafür gründlich wässern: Zu häufiges Wässern nützt nur dem Moos.
Lieber seltener Rasenmähen: Durch Hitze und Trockenheit ist der Rasen stark strapaziert, Rasenmähen erzeugt noch mehr Stress. Außerdem benötigt sehr kurzer Rasen mehr Wasser, um grün zu bleiben.
– Hochdruckreiniger auf dem Rasen verwenden: Wer mit dem Hochdruckreiniger Gartenmöbel oder das Fahrrad reinigt, sollte das direkt auf dem Rasen tun. So wird das Wasser doppelt genutzt. Reinigungsmittel sind in diesem Fall tabu, um Boden und Grundwasser nicht zu belasten.
– Schon bei der Auswahl der Pflanzen und dem Aufbau des Gartens kann man zum Wassersparen ansetzen. Nutzen Sie Pflanzen, die etwas mehr Trockenheit vertragen, oder schaffen Sie durch die Anordnung der Pflanzen „Verschattungsinseln“. Diese spenden Schatten – und für die Pflege der sich dort befindenden Pflanzen wird wiederum weniger Wasser benötigt. Ideal für besonders durstige Pflanzen wie Rhododendren und Hortensien.
– Bei der Auswahl der Pflanzen sind sogenannte trockenheitstolerante Pflanzen ideal. Ein paar Beispiele: Oleander, Zitrusgewächse, Sukkulenten, Hartlaubgewächse, Prachtkerze, Rudbeckien, Purpur-Fetthenne, Sommerflieder, Schmetterlingsflieder, Sanddorn, Holunder, Kaukasus-Storchschnabel, Schlehe, Goldgarbe, Großer Ehrenpreis, Blauer Stauden-Lein, Steinquendel, Flausch-Federgras, Carex- oder Festuca-Arten, Thymian, Lavendel, Ginster, Liguster, Tamariske und mehr. Solche Arten lassen sich auch wunderbar an Trocken- oder Natursteinmauern in Szene setzen. Diese sind pflegeleicht und fördern die Artenvielfalt.