Derzeit leben drei volljährige junge Menschen in der Wohngemeinschaft. Kennengelernt haben sie sich über das Kinderhospiz Löwenherz, weshalb sie auch „Löwenherzen“ genannt werden. Gegründet wurde die WG 2021 von Eltern lebenslimitiert erkrankter junger Menschen. Der Unterschied zu einer Einrichtung zeigt sich vor allem im Alltag. „Wir haben kein Paket gebucht wie in der Einrichtung, wo alles von Reinigung, Wäsche waschen, Arztbesuche, Medikamenten-Versorgung, etc. mit erledigt wird, sondern kümmern uns um jede Dienstleistung wie bei einer Mietwohnung“, so Anke Tielker, die Mutter eines Bewohners. Die jungen Erwachsenen wohnen also nicht in einem Heim, in dem alle Abläufe zentral organisiert sind. Viele Dinge müssen einzeln geregelt und abgestimmt werden.
Damit bleibt auch die Rolle der Eltern groß. „Da die Bewohner*innen im Erdgeschoss Pflegestufe 5 haben und sich nicht äußern können, sind wir als Eltern in der Verantwortung“, so Tielker. Das gelte auch dann, wenn Pflege ausfällt. Fallen Mitarbeitende des Pflegedienstes aus und werde kein Ersatz gefunden, „sind wir Eltern gefragt und übernehmen die Pflege“.
Nach fünf Jahren beschreibt Tielker den Alltag in der WG als ein Miteinander mit „Hoch und Tiefs“. Wichtig seien vor allem Austausch und Kommunikation, „da alle großen Wert auf Lebensqualität legen“. Genau darum geht es in der WG: den jungen Erwachsenen trotz schwerer Erkrankung ein Zuhause außerhalb klassischer Einrichtungsstrukturen zu ermöglichen.
Der feierliche Anlass des „Fünfjährigen“ macht somit sichtbar, wie ein anderer Weg der Versorgung aussehen kann: mit mehr Eigenständigkeit im Wohnmodell, aber auch mit viel Organisation durch Angehörige, Pflegedienst und das Umfeld der WG.