Während der Weißstorch vor knapp 40 Jahren in der Region fast verschwunden war, setzt sich seine Rückkehr eindrucksvoll fort. 1988 war mit lediglich neun Brutpaaren der historische Tiefstand erreicht worden. Heute sind es mehr als zwanzigmal so viele. Gegenüber 2025 nahm die Zahl der Horstpaare um 17 auf nun 204 zu – ein Plus von gut neun Prozent.
Auch die Kommunen im Süden der Region tragen ihren Teil zu dieser Entwicklung bei. In Hemmingen wurden drei Brutpaare gezählt. Alle drei brachten Nachwuchs hervor, insgesamt sieben Jungstörche werden dort voraussichtlich flügge. In Laatzen besetzten ebenfalls drei Paare Nester. Zwei davon zogen erfolgreich vier Jungvögel groß, ein Paar blieb ohne Bruterfolg. In Pattensen wurde ein Brutpaar registriert, das zwei Jungstörche aufzog. Die Zahlen zeigen, dass sich die Bestände auch außerhalb der traditionellen Storchengebiete stabilisieren.
Den Schwerpunkt des Storchenvorkommens bildet allerdings weiterhin der Nordwesten der Region. Unangefochten an der Spitze liegt Wunstorf mit 60 besetzten Nestern – sieben mehr als im vergangenen Jahr. Dort werden voraussichtlich 97 Jungstörche flügge. Es folgen Neustadt mit 37 Brutpaaren und 66 Jungvögeln sowie Garbsen mit 17 Paaren und 32 Jungstörchen. Nach Einschätzung von Dr. Reinhard Löhmer ist insbesondere die weitere Zunahme im Raum Bokeloh, Mesmerode und Idensen bemerkenswert, weil sich die Lebensräume dort seit Jahren kaum verändert haben.
Insgesamt verlief die Brutsaison solide, blieb aber hinter den Erwartungen zurück. Von den 204 Brutpaaren waren 147 erfolgreich, 57 Paare zogen keinen Nachwuchs auf. Damit blieb fast jedes dritte Nest ohne Jungvögel. Am Ende der Saison werden voraussichtlich 357 Jungstörche ausgeflogen sein. Das entspricht durchschnittlich 1,75 Jungtieren je Brutpaar und liegt damit leicht unter dem langjährigen Mittel.
Die Ursache sieht der Storchenexperte vor allem im Wetter. Während der Eisheiligen und der Schafskälte sorgten kühle und nasse Bedingungen für erhöhte Verluste bei den Jungvögeln. Das sei besonders bedauerlich, weil gleichzeitig ein gutes Nahrungsangebot vorhanden gewesen sei. Vor allem die hohe Zahl an Mäusen im Grünland hätte eigentlich deutlich bessere Brutergebnisse erwarten lassen. In zehn Nestern wurden dennoch jeweils vier Jungstörche großgezogen, ein Paar in Steinwedel brachte sogar fünf Junge durch.
Dass der Bestand dennoch weiter wächst, führt Löhmer vor allem auf den starken Storchenjahrgang 2024 zurück. Viele dieser inzwischen zweijährigen Tiere beteiligten sich erstmals an der Brut oder gründeten eigene Nester. Gleichzeitig verändert sich das Zugverhalten der Vögel. Mehr als 70 Prozent der Brutstörche in der Region zählen inzwischen zu den sogenannten Westziehern. Sie überwintern häufig nicht mehr in Westafrika, sondern in Spanien oder sogar in Mitteleuropa. Die deutlich kürzeren Zugstrecken erhöhen ihre Überlebenschancen erheblich.
Selbst die Vogelgrippe im Großraum Madrid habe sich nach bisherigen Erkenntnissen nicht gravierend auf den Brutbestand in der Region Hannover ausgewirkt. Mögliche Verluste seien durch die starken Nachwuchsjahrgänge offenbar ausgeglichen worden.
Die jetzt vorgestellten Zahlen sind noch vorläufig. Weil immer mehr Weißstörche ihre Horste in Bäumen anlegen, wird die Erfassung schwieriger. Bereits mehr als jedes dritte Nest befindet sich inzwischen in oder auf einem Baum und ist durch das dichte Laub oft kaum einzusehen. Bis Anfang August werden die letzten Jungstörche ihre Nester verlassen haben. Für das kommende Jahr rechnet Dr. Reinhard Löhmer grundsätzlich mit einem weiteren Anstieg der Brutpaare – sofern Seuchen oder außergewöhnliche Naturereignisse die positive Entwicklung nicht bremsen.