Speed-Dating mit dem neuen Hannover-Sound
„Musste Hören! Live“: Die HAZ feiert spannende neue Acts auf dem Maschseefest. Wer ist am 28. Juli auf der Hauptbühne am Nordufer dabei?

Schlussapplaus beim „Musste Hören! Live“ der HAZ im August 2025: Das Bild sieht fast aus wie von KI errechnet, die Veranstaltung war aber tatsächlich ein fantastisches Highlight für Hannovers lokale Musikszene.Foto: Sylvia Bothmer
Hannover. Was läuft eigentlich gerade in Hannovers Musikszene der up-and-coming Pop-Acts? Bringen wir doch einfach zehn der spannendsten Künstlerinnen und Künstler auf eine Bühne, an einem Abend – dann können sich Musikinteressierte gleich selbst davon ein Bild machen: Am Dienstag, 28. Juli, lädt die HAZ wieder zum „Musste Hören! Live“-Festivalabend auf dem Maschseefest ein. Von 18.30 bis 22 Uhr sind auf der Hauptbühne am Nordufer diese Acts dabei: JANYNA, Esther Odefey, Reddym, VINTER, KARGO, jeanie, Toni Vice, Linski, MAMA und Kunstloses Brot.

Angefangen hat das alles vor drei Jahren mit dieser fragenden Refrain-Zeile von Thees Uhlmann: „Was wird aus Hannover, wenn die Scorpions nicht mehr sind …“. Darauf wollte die HAZ eine Antwort und mit den zehn Acts gleich einen Überblick über das breite stilistische Spektrum der Unesco City of Music Hannover geben. Das funktioniert. Und damit neun Umbaupausen zwischen den Acts nicht zur Geduldsprobe für das Publikum werden, gibt’s einfach gar keine solchen Unterbrechungen. Eine eigens für die Show zusammengestellte Band mit Nic Knoll (Musical Director), Lena Plogsties (Piano), Peer Bothmer (Schlagzeug), Stephan Püschel (Gitarre) und Finn MacCormac (Bass) begleitet alle Künstlerinnen und Künstler. Sie sind nicht nur fantastische Musikerinnen und Musiker, sondern schrecken auch nicht davor zurück, für die einmalige Show mal eben rund 40 Songs einzustudieren.

JANYNA: Die meisten Menschen studieren Medizin, um Arzt oder Ärztin zu werden. JANYNA hat Medizin studiert, um jetzt Popstar zu werden. Geprägt von mehr als zehn Jahren musikalischer Ausbildung und inspiriert von Pop, Hip-Hop und Neo-Soul, erzählt die Luxemburgerin mit bulgarischen Wurzeln Geschichten über Ehrgeiz, Identität und den Mut, den eigenen Weg zu gehen. Statt Menschen im Behandlungszimmer zu begleiten, erreicht sie diese nun mit ihrer Musik und den Geschichten, die verbinden, bewegen und Mut machen.Esther Odefey: Geboren in Norfolk, Virginia (USA), wächst zusammen mit vier Geschwistern und Hund Charly nahe Nürnberg auf. Angefangen hat sie mit Youtube-Karaoke-Sessions, gelandet ist sie schließlich für ihr Musikstudium in Hannover. Das Songschreiben ist für Odefey ein wichtiges Ventil, um Gedanken zu sortieren und um ihrer Gefühlswelt Ausdruck zu verleihen. Heute interpretiert Esther Odefey Country-Sound auf moderne Art – ohne Klischees von Pick-up-Trucks und Cowboys.Reddym macht Sprache selbst zum Instrument. Als Rapper, Sänger und Producer bringt er ein besonderes rhythmisches Gespür in seine Musik, die sich zwischen Rap, R&B, Neo-Soul und Jazz bewegt. Und er übersetzt diesen Sound in eine energiegeladene, organische Bühnenshow. Seine Texte sind ehrlich und poetisch, sie kreisen um Verletzlichkeit, Naturverbundenheit und die Suche nach Ruhe in einer überreizten Welt. Mit androgynem Auftreten und einer klaren Haltung löst er sich bewusst von gängigen Rap-Klischees – zu einer eigenen, offenen Form von Hip-Hop und Pop.

Live auf der Bühne klingen Songs immer anders, als die im Studio aufgenommenen Versionen. Wer aber neugierig ist und auf jeden Fall schon mal vor der Show am Maschseefest am 28. Juli reinhören will, kann das in dieser Playlist tun.

VINTER: Nicola Kilimann, die hinter dem Soloprojekt VINTER steht, träumte als Kind davon, Schriftstellerin zu werden. Heute lebt sie diesen Wunsch in ihrer Musik aus, die eine Mischung aus packendem Alt-Pop, organischem Indie-Folk und Singer-Songwriter-Elementen darstellt. Ihre Songs sind geprägt von starken Kontrasten und emotionalen Facetten, in denen sie autobiografische und fiktive Elemente miteinander verwebt. Ihr zweites Album „Romance is dead“ begeisterte Fans wie Kritiker gleichermaßen.KARGO erzählt Geschichten, die bleiben. Seine Songs handeln vom Tod seines Vaters, vom frühen Ausziehen, von Freundschaft, mentaler Gesundheit und Selbstzweifeln – aber auch von Nähe, Liebe und dem Versuch, sich im Leben zu orientieren. Diese Ehrlichkeit prägt nicht nur seine Musik, sondern auch seine Liveshows, in denen KARGO eine unmittelbare Verbindung zum Publikum aufbaut und eine Atmosphäre schafft, die gleichermaßen verletzlich wie kraftvoll ist.Jeanie: Sanft und frech zugleich – Alternative Pop meets Neo Soul. Jeanies Signature-Sound ist geprägt von Laid-Back-Beats, verspielten Synthesizern, bouncy Basslines und Girlyness. Die aufgeweckte Natur und samtigen Vocals der Künstlerin verweben Selbstsicherheit mit Zerbrechlichkeit und einer Prise Grooviness. Seit sie als kleines Mädchen Hannah Montana in funkelnden Outfits auf der Bühne gesehen hat, hat Jeanie sich vorgenommen, die gemütlichsten, groovigsten und kraftvollsten Songs überhaupt zu schreiben.Toni Vice ist Produzent und Musiker in Hannover, macht Musik für die Momente, in denen man nicht genau weiß, ob man gerade heilt oder kaputtgeht. Irgendwas zwischen Rap und Gesang. Ehrlich, nahbar und ein bisschen vernarbt. Nach vielen Jahren als Produzent für andere Künstlerinnen und Künstler (etwa die Hannoveranerinnen SERPENTIN, MOTTE) veröffentlicht er seit 2025 eigene Songs.Linski: Eine Naturgewalt. Laut, roh, mitreißend. Ein Statement. Klar, haltungsstark, vehement. Ein Geheimnis. Unergründlich, vielschichtig, hypnotisch. Kindheit am Steinhuder Meer, mit 14 von zu Hause ausgezogen, aufgewachsen in Hannover, ein paar Semester Kunststudium, dann „erfolgreich abgebrochen“. Das klingt nicht nach dem typischen Anfang einer Soul-Pop-Vita. Wäre da nicht Linskis Stimme. Die ist von Popkritikern schon mal lobend als „smoky Paprika-Timbre“ bezeichnet worden. Wer sie auf der Bühne sieht, erlebt Star-Appeal – und wer sie dann kennenlernt, lernt automatisch auch etwas über Charisma.MAMA ist die musikalische Selbsthilfegruppe von Nic Knoll und Alex Müller. Mit Live-Drums, Synthesizern und ungeschönten Texten verhandelt das Duo aus Hannover alles, was man eigentlich lieber verdrängen würde. Zwischen Hoffnung, Kontrollverlust und schwarzem Humor entsteht deutschsprachiger Indie-Pop mit offenen Wunden und ohne Pflaster.Kunstloses Brot: Das ist Art-Pop gespickt mit lebensnaher Lyrik. Eine musikalische Brotwanderung zwischen Kunst und Performance. Das Duo Chris Croissant und Ben Brioche verbindet Retro-Pop mit Beats. Alltagssituationen verpackt in einen Teigmantel aus Drama, körnig wie locker, fluffig wie sättigend. Falco trifft Alexander Marcus und geht dann mit Deichkind einen trinken. Party mit Gehirn, Tanzen mit Niveau. Fast wie Berlin (leicht ironischer Unterton), aber eben aus Hannover.

Das Hannover-Musik-Spektakel „Musste Hören! Live“ findet am Dienstag, 28. Juli, statt. Die Show auf der Hauptbühne am Nordufer (gegenüber dem Sprengel Museum) beginnt um 18.30 Uhr und endet um 22 Uhr. Der Eintritt ist – wie überall auf dem Maschseefest – natürlich frei.

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