Zwergotter im Dschungelpalast
Neue Bewohner im Erlebnis-Zoo Hannover ziehen mit Charme,
Teamgeist und einer ziemlich lautstarken Kommunikation die Blicke auf sich

Am Teich im Dschungelpalast leben Asiatische Kurzkrallenotter.Foto: Erlebnis-Zoo Hannover
Hannover. Wer den Dschungelpalast im Zoo Hannover betritt, sollte die Ohren spitzen. Zwischen tropischem Grün und alten Mauern ist neuerdings ein Konzert zu hören, das irgendwo zwischen Pfeifen, Summen, Kichern und Quieken liegt. Verantwortlich dafür sind drei Asiatische Kurzkrallenotter, auch Zwergotter genannt. Die kleinsten Otter der Welt haben ihr neues Zuhause am Teich der Hulman-Languren bezogen und bringen seitdem jede Menge Leben in den einstigen Maharadscha-Palast.

Schon beim ersten Blick wird klar, warum die Tiere das Zeug zu Publikumslieblingen haben. Mit ihren glänzenden Knopfaugen, dem dichten braunen Fell, kurzen Beinen und einem kräftigen Schwanz flitzen sie scheinbar rastlos durch ihr neues Revier. Mal gleiten sie lautlos durchs Wasser, mal verschwinden sie blitzschnell zwischen Gräsern und Steinen, nur um Sekunden später an anderer Stelle wieder aufzutauchen. Kaum ein Winkel bleibt unerkundet. Jeder Ast, jeder Stein und jeder Uferbereich wird neugierig untersucht.

Dabei sind die Otter nicht nur geschickte Schwimmer. Ihre kleinen Vorderpfoten erinnern beinahe an menschliche Hände. Mit ihnen ertasten sie ihre Umgebung, halten Beute fest oder knacken Muscheln. Im Wasser wirken sie spielerisch leicht, an Land erstaunlich flink. Und fast immer sind sie miteinander beschäftigt. Zwergotter leben ausgesprochen sozial und pflegen enge Familienverbände. Entsprechend rege fällt auch ihre Unterhaltung aus. Mehr als ein Dutzend verschiedener Lautäußerungen gehören zu ihrem Repertoire. Je nach Situation wird gepfiffen, geknurrt, gezwitschert oder gequiekt.

„Asiatische Zwergotter sind charismatische Tiere, sehr aktiv, sie spielen viel und beschäftigen sich in ihrem Familienverband sehr stark miteinander“, beschreibt Zoo-Kurator Fabian Krause die neuen Bewohner. Gerade diese ständige Bewegung und Neugier machten ihren Reiz aus. „Es macht einfach Spaß, die flinken und äußerst geschickten Tiere zu beobachten.“

Für ihre ersten Tage im Dschungelpalast bekamen die Neuankömmlinge allerdings zunächst alle Zeit der Welt. Ohne neugierige Mitbewohner konnten sie die Anlage in Ruhe kennenlernen, Schlafplätze entdecken und den Weg in die rückwärtigen Bereiche finden. Während dieser Eingewöhnungsphase nutzten Otter und Hulman-Languren die Anlage deshalb abwechselnd und lernten sich zunächst über Gerüche kennen.

Inzwischen teilen sich beide Tierarten ihre Anlage. Die Kombination ist bewusst gewählt. Während die Otter vor allem am Boden und im Wasser unterwegs sind, bewegen sich die Hulman-Languren elegant durch Bäume, Felsen und Ruinen. Für die Tiere bedeutet diese Vergesellschaftung zusätzliche Beschäftigung und vielfältige Sinneseindrücke, ohne dass sie sich ständig in die Quere kommen. Besucherinnen und Besucher können dabei beobachten, wie zwei völlig unterschiedliche Arten denselben Lebensraum auf ihre jeweils eigene Weise nutzen.

Auch Zoo-Geschäftsführer Andreas M. Casdorff freut sich über die Verstärkung im Dschungelpalast. „Mit den Asiatischen Kurzkrallenottern bereichert eine faszinierende und zugleich bedrohte Tierart den Dschungelpalast“, sagt er. Zugleich wolle der Zoo die Gelegenheit nutzen, auf die Gefährdung der kleinen Raubtiere aufmerksam zu machen.

Denn so unbeschwert die Zwergotter im Wasser wirken, so schwierig ist ihre Situation in freier Wildbahn. Die Tiere leben in Flüssen, Seen sowie Mangroven- und Sumpfgebieten Südostasiens. Dort setzen ihnen vor allem zerstörte Lebensräume und verschmutzte Gewässer zu. Chemikalien aus Landwirtschaft und Industrie belasten ihre Lebensräume ebenso wie die fortschreitende Zerstückelung der Landschaft. Die Weltnaturschutzunion IUCN führt den Asiatischen Kurzkrallenotter deshalb als gefährdete Art.

Der Erlebnis-Zoo Hannover beteiligt sich am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für Zwergotter. Ziel ist es, langfristig stabile Bestände in menschlicher Obhut zu sichern und damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz dieser außergewöhnlichen Tiere zu leisten.

Für die Besucherinnen und Besucher beginnt die Begegnung mit den neuen Bewohnern jedoch meist viel einfacher: mit einem leisen Pfeifen aus dem Gebüsch, einem neugierigen Blick über den Teichrand und drei kleinen Ottern, die mit unerschöpflicher Energie ihren neuen Dschungelpalast erkunden. RED
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