Die letzte Reise zu Gleis 0
SNNTG-Festival bringt in seiner letzten Ausgabe vom 16. bis 18. Juli Hannovers Straßenbahnmuseum zum Klingen und zum Leuchten

Auf den vier Bühnen Öllager, Gleis 0, Wummerland und Funkloch treffen HipHop, Indie, Pop, Punk, New Wave, House, Techno und experimentelleKlänge aufeinander.Fotos (2): Jan Krueger
Region Hannover. Das SNNTG-Festival kehrt von Donnerstag, 16. Juli, bis Sonnabend, 18. Juli, ein letztes Mal auf das Gelände des Hannoverschen Straßenbahnmuseums in Wehmingen zurück. Nach zehn Jahren Festivalgeschichte steht die diesjährige Ausgabe unter besonderen Vorzeichen: Der ehrenamtlich organisierte Verein hat angekündigt, dass das dreitägige Kultur- und Musikfestival in dieser Form nicht fortgesetzt wird.

Der Abschied soll kein leiser werden. Nach der eintägigen Ausgabe im vergangenen Jahr breitet sich das Festival wieder über drei Tage aus: mit vier Bühnen, zwei Geländeteilen und historischen Straßenbahnen, die nicht bloß Kulisse sind, sondern Teil des Festivalprinzips. Zwischen Industriehallen, Gleisen, Waldstücken und kleinen Rückzugsorten entsteht ein Programm, das weniger auf die große Headliner-Geste setzt als auf eine Mischung aus Neugier, Bewegung und überraschenden Übergängen.

Das Line-up liest sich entsprechend wie eine Einladung zum Streunen. Elektronische Acts wie Montezuma, orbit, Pølaroit, bbtriebswirt, Konfusia, Hebûn oder Schwesta2Schwesta stehen neben Namen wie Vandalisbin, *maliiik, ENGIN, ELFI, CARY, LÙISA, Yara, Brenda Blitz, AMINA, Linski und Animat. Dazu kommen unter anderem Funkhaus, Hidden Gemz, DJ Soulstice, Charis Die Anstalt, Ele Luz, Eurobabes, LILA SOVIA, Lina12345, LOBSTERBOMB, DJANGO, vasil, Too Young, DISCOPAPI, SAVO und Tamara Flores. Weitere Acts sollen folgen.

Gerade diese Breite gehört zur Handschrift des Festivals. Das SNNTG versteht sich nicht als Genre-Schaufenster mit sauber getrennten Abteilungen, sondern als Ort, an dem Hip-Hop, Indie, Pop, FLINTA*-Punk, New Wave, House, Techno und experimentelle Klänge ineinandergreifen. Die vier Bühnen Öllager, Gleis 0, Wummerland und Funkloch geben dem Wochenende dabei verschiedene Räume und Geschwindigkeiten. Mal dürfte der Weg in Richtung Clubnacht führen, mal eher in ein Konzert, das nicht auf Lautstärke, sondern auf Atmosphäre setzt. Das Programm ist damit weniger Fahrplan als Geländeplan: Wer sich treiben lässt, landet möglicherweise bei einem Act, den er vorher nicht gesucht hätte.

Das passt zum Ort. Ein Festival im Straßenbahnmuseum bringt eine eigene Dramaturgie mit. Die alten Bahnen verbinden Bühnen und Geländeteile, der Wechsel zwischen den Spielorten wird selbst zum Teil des Erlebnisses. Statt eines abgeschlossenen Konzertareals entsteht ein Kulturparcours, bei dem Ankommen, Weiterfahren, Aussteigen und Wiederentdecken zusammengehören. Das SNNTG lebt von solchen Zwischenräumen: von Wegen, Ecken, Kunstinseln, Pausen im Grünen und Momenten, in denen nicht klar zwischen Programm und Atmosphäre zu trennen ist.

Organisiert wird das Festival vom SNNTG e.V., einem gemeinnützigen soziokulturellen Verein aus Hannover. Der nicht kommerzielle Charakter prägt auch das Konzept. Das Wochenende wird ehrenamtlich vorbereitet, viele Elemente des Geländes entstehen in gemeinsamer Arbeit schon lange vor dem ersten Festivaltag.

Auch inhaltlich will das SNNTG mehr sein als ein Musikwochenende. Konzerte und DJ-Sets stehen gleichberechtigt neben Kunst, Kultur, Nachtprogramm, Ausstellungen, Lesungen, Workshops und Performances. Das Festival setzt damit auf eine Form von Vielfalt, die nicht nur im Line-up sichtbar wird, sondern auch in der Art, wie das Publikum das Gelände nutzen kann: tanzen, zuhören, schauen, mitmachen, ausruhen, weiterziehen.

Die Haltung des Festivals bleibt sichtbar. Das SNNTG positioniert sich gegen Diskriminierung und verweist auf Awareness-Strukturen, die Gestaltung des Geländes und eine bewusste Programmplanung. Weiterhin verfolgt das Festival das Ziel, mindestens die Hälfte des Programms mit FLINTA*- und BIPoC-Personen zu besetzen. Diese politische und soziale Dimension tritt nicht als Zusatzprogramm auf, sondern gehört zum Selbstverständnis des Vereins. Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine Rolle: Essensstände sollen in diesem Jahr plastikfreie Materialien und Verpackungen verwenden. Besucherinnen und Besucher können eigene Campingteller oder Behälter mitbringen, um Verpackungsmüll zu vermeiden. Kostenlose Trinkwasserstellen stehen auf dem Gelände bereit, selbst mitgebrachte Mehrwegflaschen und -becher sind erwünscht. Der barrierefreie Festival-Shuttle besteht aus Niederflurbussen mit Rampen und startet an der Bahnstation Kronsberg (Linie 6) zur Bushaltestelle Wehmingen.

Auszeichnungen wie der popNDS-Sonderpreis für Nachhaltigkeit, der Höme Festivalaward für Awarenessarbeit und Zusammenarbeit der Festivals sowie der Helga! Festival Award in der Kategorie „Gemischteste Tüte“ zeigen, dass das SNNTG in der Festivalszene längst als eigenständiges Modell wahrgenommen wird. So wird das SNNTG 2026 zu einer Abschiedsausgabe, die vieles bündelt, wofür das Festival stand: selbst organisierte Kultur, musikalische Entdeckungen, politische Haltung, ein ungewöhnlicher Ort und ein Programm, das sich nicht auf eine einfache Formel bringen lässt. Wenn im Juli noch einmal Bahnen zwischen Wummerland, Öllager, Funkloch und Gleis 0 fahren, geht es nicht nur um ein letztes Wochenende Musik. Es geht um den Schlussakkord eines Festivals, das in der Region eine eigene Form gefunden hat. RED

Tickets sind über die Internetseite des Festivals snntg.de erhältlich. In der zweiten Verkaufsphase kostet der Festivalpass mit Camping 145 Euro zuzüglich 5 Euro Müllpfand, der Festivalpass ohne Camping 130 Euro. Der Tagespass für Freitag, 17. Juli, kostet 80 Euro, der Tagespass für Sonnabend, 18. Juli, 85 Euro. Ein Camping-Upgrade ist für 15 Euro zuzüglich 5 Euro Müllpfand erhältlich, ein Caravan-Upgrade für 30 Euro. Außerdem können Soli-Ticket-Anteile für 5 Euro hinzugebucht werden, um Menschen mit geringerem Budget den Festivalbesuch zu ermöglichen.



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