Ein Jazzgigant
auf dem Rücksitz
1990 hat Klaus Ritgen den Trompeter Miles Davis für ein Konzert nach Hannover geholt. Jetzt zeigt er Bilder des großen Musikers in seinem „Kunstladen“.

„Sketches of Miles“: Klaus Ritgen vor einer Skizze von Miles Davis in seinem „Kunstladen“.Foto: Ilona Hottmann
Hannover. Ein Geschenk? Klaus Ritgen ist nicht ganz sicher, ob er richtig verstanden hat. Der Mann im Fonds seines Wagens spricht leise und mit krächzender Stimme. In seiner Autobiografie erzählt der Jazztrompeter Miles Davis, wie er nach einer Kehlkopfoperation in Streit mit einem Kollegen geriet und dabei laut wurde – seither ist seine Stimme ruiniert. Jetzt sitzt Davis im Auto von Ritgen und fragt tatsächlich, was für ein Geschenk man für seine Ankunft in Hannover vorbereitet habe. Ein Teppich vielleicht oder ein Schmuckstück? Ritgen ist bis heute nicht sicher, ob Davis das damals ernst gemeint hat- oder ob er sich über ihn lustig machen wollte.

Im Oktober 1990 hat Ritgen den Trompeter für einen Auftritt in der Music Hall auf dem ehemaligen Hannomag-Gelände nach Hannover geholt. Anders als bei Popstars wie Sting oder Santana, mit denen Ritgens Firma Showtops damals Konzerte veranstaltete, reiste Miles Davis nicht mit seiner Band und eigener Technik nach Hannover. Er kam ganz allein am Flughafen an. „Ich war überrascht, wie klein er war“, erinnert sich Ritgen, der ihn damals dort abholte. „Auf dem Rücksitz meines Autos sah er richtig verloren aus.“

Das Konzert war dann aber ein großer Erfolg. Natürlich war der Abend ausverkauft. 3000 Menschen waren bei dem Auftritt am 22. Oktober in der Music Hall dabei, die dafür ausnahmsweise vollständig bestuhlt wurde. Es war einer der letzten Deutschland-Auftritte von Davis: Der Trompeter starb ein knappes Jahr später.

36 Jahre später hat Ritgen wieder mit Miles Davis zu tun. Das Konzertgeschäft hat er inzwischen an den Nagel gehängt. Er betreibt als Galerist den „Kunstladen“ an der Lister Straße. Ab heute sind dort Bilder und Zeichnungen des Musikers zu sehen. Der Titel der Schau, „Sketches of Miles“, ist an das berühmte Miles-Davis-Album „Sketches of Spain“ angelehnt.

Ritgen ist über die Göttinger Galerie Ahlers an 30 Davis-Originale gekommen. Deren Inhaber Oliver Ahlers hatte die Werke aus dem Nachlass einer ehemaligen Freundin des Trompeters erworben. Bei einer ersten Schau in Göttingen konnte Ahlers die meisten ausgestellten Blätter verkaufen, doch er hat inzwischen weitere Arbeiten erworben, die nun in Hannover gezeigt werden. Für Ritgen schließt sich mit der Schau ein Kreis zu seiner Hochzeit als Konzertveranstalter. Für alle Besucherinnen und Besucher ist sie eine Gelegenheit, eine unbekannte Seite von Miles Davis kennenzulernen.

Die Ausstellung „Sketches of Miles“ ist bis zum 31. Juli donnerstags und freitags von 17 Uhr bis 20.30 Uhr und samstags von 15 Uhr bis 21 Uhr im „Kunstladen“, Lister Straße 3, zu sehen.

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