Die Roten Bänke sind bewusst im öffentlichen Raum platziert. Sie sollen dort wirken, wo Menschen wohnen, einkaufen, unterwegs sind und miteinander ins Gespräch kommen. Ihre Farbe macht sie unübersehbar. Zugleich stehen sie für ein Thema, das häufig im Verborgenen bleibt: häusliche und sexualisierte Gewalt, vor allem gegen Frauen. Die Bänke sollen nicht nur Betroffene ermutigen, Hilfe zu suchen. Sie richten sich auch an das Umfeld und mahnen, nicht wegzusehen, wenn Gewalt vermutet oder bekannt wird.
Die Idee geht auf das italienische Projekt „La Panchina Rossa“ zurück, übersetzt „Die Rote Bank“. Es startete 2016 und versteht die Rote Bank als Zeichen gegen geschlechtsspezifische Gewalt. Sie steht symbolisch auch für die Plätze, die leer bleiben, wenn Frauen durch häusliche oder sexualisierte Gewalt getötet werden oder aus ihrem Alltag gerissen werden. In Hannover wird der Ansatz unter dem Titel „Rote Bänke für Hannover“ vom Kommunalen Präventionsrat getragen, der beim Zentrum für Kommunale Kriminalprävention der Landeshauptstadt angesiedelt ist.
In der List hatte der Stadtbezirksrat Anfang Mai einstimmig beschlossen, erstmals eine solche Bank im Stadtteil aufzustellen. Der Wunsch war, sie noch vor den Sommerferien freizugeben. Der Fachbereich Umwelt und Stadtgrün strich dafür eine bereits vorhandene Bank an derselben Stelle rot. Der Anstrich kostete rund 100 Euro. Die Plaketten für 195 Euro finanzierte das Zentrum für Kommunale Kriminalprävention.
Im Roderbruch stellte das Wohnungsunternehmen Gundlach die Bank bereit und übernahm auch die Kosten für Farbe und Plaketten. Für den Stadtbezirk Buchholz-Kleefeld ist es bereits die dritte Rote Bank. Weitere stehen dort an der Kreuzung Kirchröder Straße/Uhlhornstraße in Kleefeld sowie an der Kreuzung Schwarmstedter Straße/Burgdorfer Damm.
Hannovers Erster Stadtrat und Ordnungsdezernent Dr. Axel von der Ohe hob bei den Freigaben die Bedeutung der Bänke in den Stadtteilen hervor. Dort erreiche die Botschaft die Menschen in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld. Die roten Bänke seien ein sichtbares Zeichen für Zivilcourage und machten deutlich, dass es Hilfsangebote gebe. Bezirksbürgermeister Thorsten Baumert begleitete die Freigabe in Vahrenwald-List, Bezirksbürgermeisterin Belgin Zaman die im Roderbruch. Zaman betonte, Gewalt gegen Frauen komme in allen gesellschaftlichen Gruppen vor und sei Ausdruck von Macht, Kontrolle und fehlendem Respekt.
Ausgangspunkt des hannoverschen Projektes war 2021 die Initiative „Hannover ist stärker als Gewalt – für sichere Familien in unserer Stadt“. Ende 2022 wurden im Rahmen dieses Projektes zunächst vier rote Bänke in der Innenstadt aufgestellt. Inzwischen stehen neben den beiden neuen Standorten drei Bänke in Buchholz-Kleefeld, zwei in Döhren-Wülfel, zwei in Südstadt-Bult beziehungsweise in der Südstadt sowie vier in der Innenstadt. Unterstützt wird das Projekt durch das Netzwerk Hannoversches Interventionsprogramm unter Federführung des Referates für Frauen und Gleichstellung, durch die Polizeidirektion Hannover und den Frauennotruf Hannover.