Büffel in der Aue
Vier Wasserbüffel beweiden jetzt die Große Koppel in Herrenhausen. Das Projekt soll
die historische Weidelandschaft ökologisch aufwerten und mehr Artenvielfalt in die Leineaue bringen.

Wasserbüffel im urbanen Raum: Auf der „Großen Koppel“ in Herrenhausen sind am Montag die ersten Tiere eingezogen.Fotos: Marie-Kristin Rheinländer / LHH
Hannover. Auf der Großen Koppel in Herrenhausen hat ein ungewöhnliches Naturschutzprojekt begonnen. Am Montag sind die ersten vier Wasserbüffel auf die Weidefläche zwischen Leine und Ernst-August-Kanal gebracht worden. Weitere Tiere sollen in den kommenden Tagen folgen. Die Landeshauptstadt Hannover setzt damit erstmals Wasserbüffel zur Pflege eines innerstädtischen Landschaftsschutzgebietes ein.

Die Große Koppel ist keine gewöhnliche Grünfläche. Sie gehört zu einer historischen Weidelandschaft, auf der einst die königlichen Pferde aus Herrenhausen grasten. Die früheren Strukturen der rund 15 Hektar großen Koppel sind bis heute erkennbar, unter anderem an Baumreihen, die das Gelände gliedern. Heute liegt die Fläche im Landschaftsschutzgebiet und Flora-Fauna-Habitat-Gebiet „Leineaue zwischen Hannover und Stöckendrebber“. Dort soll sich eine naturnahe, dynamische Auenlandschaft mit typischen Tier- und Pflanzenarten entwickeln.

Bei der Vorstellung des Projekts betonte Oberbürgermeister Belit Onay den besonderen Charakter des Vorhabens. „Es ist ein bislang einzigartiges Projekt, die Landeshauptstadt Hannover setzt erstmals Wasserbüffel zur Pflege eines innerstädtischen Landschaftsschutzgebietes ein. Das ist für eine Großstadt ziemlich ungewöhnlich, zeigt aber, dass der Einsatz für Biodiversität und Landschaftsschutz auch in überwiegend urbanen Räumen möglich ist. Die robusten Tiere sollen für mehr Artenvielfalt sorgen und eine wertvolle Auenlandschaft zwischen Westschnellweg und den Herrenhäuser Gärten ökologisch weiterentwickeln. Umweltschutz und Erhaltung der Natur sind uns ein wichtiges Anliegen“, sagte Onay.

Der Einsatz der Tiere ist das Ergebnis einer fachlichen Bewertung der Fläche. Eine Begutachtung hatte ergeben, dass das Grünland auf der Großen Koppel bislang nur eine geringe Strukturvielfalt und eine eher artenarme Vegetation aufweist. Weil die Fläche bisher ausschließlich gemäht wurde, fehlten viele jener kleinräumigen Unterschiede, die für Pflanzen, Insekten, Amphibien und Vögel wichtig sind. Aus dieser Analyse entstand die Idee, die Koppel künftig beweiden zu lassen.

Für die feuchte Lage in der Leineaue eignen sich Wasserbüffel besonders gut. Die Tiere kommen – anders als viele „klassische“ Rinderrassen – mit wechselnden Wasserständen zurecht, bewegen sich sicher auf nassen Böden und können auch Futter verwerten, das für andere Weidetiere weniger attraktiv ist. Dazu gehören Schilf und andere Röhrichtpflanzen. Auch junge Gehölze werden von den Büffeln verbissen. Dadurch halten sie offene Bereiche frei und verhindern, dass die Landschaft einheitlich zuwächst. Damit die Beweidung beginnen konnte, mussten zunächst die Voraussetzungen geschaffen werden. Wasserbüffel brauchen auf ihrer Weide mindestens ein kleineres Gewässer, außerdem eine sichere Einzäunung.

Diese Arbeiten wurden zwischen Oktober 2025 und Juni 2026 durch den Forstbetrieb des Fachbereichs Umwelt und Stadtgrün der Landeshauptstadt Hannover und den Pächter umgesetzt. Der Pächter bringt Erfahrung mit Wasserbüffeln aus anderen Projekten mit. Finanziert wurde das Vorhaben teilweise aus Eigenmitteln der Stadt. Die Anlage der Gewässer wurde über den Sparkassenbrief N+ durch die Sparkasse Hannover gefördert.

Die Tiere leisten künftig eine Form der Landschaftspflege, die zugleich sichtbar und ökologisch wirksam ist. Wenn Wasserbüffel durch feuchte Bereiche laufen, entstehen Trittspuren, offene Bodenstellen und kleine Wasserflächen. Beim Suhlen halten sie Gewässer frei und schaffen immer wieder neue Kleinstlebensräume. Gerade diese unregelmäßigen Strukturen sind für viele Arten wertvoll. Amphibien finden flache Wasserzonen, Insekten profitieren von lückiger Vegetation und bodenbrütende Vögel von offenen Bereichen im Grünland.

Für die Stadt verbindet das Projekt mehrere Ziele. Die Große Koppel bleibt landwirtschaftlich nutzbar, wird aber zugleich stärker auf Artenvielfalt, Klima- und Hochwasserschutz ausgerichtet. Die Landeshauptstadt Hannover verweist dabei auf eigene Programme und Strategien, darunter das Agrikulturprogramm, die Biodiversitätsstrategie „Mehr Natur in der Stadt“ und die Deklaration zum Insektenbündnis Hannover. Gesteuert wird die Pflege der Grünlandflächen in den Landschaftsräumen maßgeblich durch das Sachgebiet Landschaftsräume und Naturschutz im Fachbereich Umwelt und Stadtgrün.

Mit den Wasserbüffeln bekommt die Leineaue nun robuste Landschaftspfleger, die mehr tun, als Gras kurz zu halten. Sie verändern die Fläche Schritt für Schritt, ohne Maschinenlärm und mit einem Effekt, der vielen Arten zugutekommt. Zwischen Westschnellweg und Herrenhäuser Gärten entsteht so ein Projekt, das zeigt, wie urbane Naturräume neu gedacht werden können: nicht als Restfläche am Rand der Stadt, sondern als lebendige Aue, in der Bewegung, Wasser und Weidetiere wieder eine wichtige Rolle spielen. RED

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