Tränen vor dem Abflug
Mit Rohr und Niemann: U20-Handballerinnen verpassen Turniersieg. Jetzt geht es zur WM.

Am Ball für Deutschland: Chiara Rohr bei ihrem „Heimspiel“.Foto: Uwe Serreck
Hannover. Für Chiara Rohr und Emma Niemann war es ein ganz besonderer Augenblick. Nach dem Länderspiel der deutschen U20-Nationalmannschaft gegen Spanien überreichte der Badenstedter Spartenleiter Jörg Rast Blumen und wünschte beiden viel Glück für ihre Karriere. „Ich musste eine kleine Träne verdrücken“, gab Rohr zu. Zum Ende ihrer Zeit beim TVB durfte das Duo noch einmal vor „seinen Fans“ am Salzweg antreten. „Ich war vorher mächtig aufgeregt“, gab Niemann zu und war sich mit ihrer langjährigen Mannschaftskameradin einig: „Es war ein besonderes Spiel für uns.“

Sportlich ging es in der Wiederauflage des Endspiels der EM 2025 um einiges. Für beide Teams war es die letzte Standortbestimmung vor der Weltmeisterschaft vom 24. Juni bis 5. Juli in China. Obendrein fiel die Entscheidung über den ersten Platz im Vier-Länder-Turnier mit Frankreich und Portugal. Trotz einer furiosen Aufholjagd in der zweiten Halbzeit musste sich die Mannschaft von Bundestrainer Christopher Nordmeyer mit 29:30 (13:18) geschlagen geben. Der ehemalige Coach der Recken sammelte wichtige Erkenntnisse im Hinblick auf die Weltmeisterschaft: „Die Mädels haben gemerkt, worauf es ankommt. Es geht um eine hohe Intensität. Insofern war diese Erfahrung Gold wert.“

Die Fans in Badenstedt gaben stimmungsmäßig alles. Nach gutem Start und der 8:7-Führung (13.) durch Chiara Rohr brachte der Ausfall der früheren Burgdorferin Laura Klocke, die nach einem Zusammenprall ein blaues Auge davontrug, einen Bruch ins Spiel. Die Zahl der Ballverluste stieg, und nach 44 Minuten lag die DHB-Sieben mit 19:26 in Rückstand. Das Team kämpfte sich aber zurück. „Wir sind unberechenbar, aber wir zweifeln nie an uns“, sagte Chiara Rohr. Tatsächlich glich Jana Walther vom HC Leipzig fünf Minuten vor dem Abpfiff zum 27:27 aus. Zu mehr reichte es in der dramatischen Schlussphase nicht. „Es ist schade, dass wir uns nicht belohnen konnten“, ärgerte sich Nordmeyer. Das Turnier hatte mit der Auftaktpartie gegen Portugal nach Wunsch begonnen. In der restlos ausverkauften Halle am Sahlkamp feierte der amtierende Europameister einen überzeugenden 43:26 (20:13)-Sieg. „Es war für mich ein sehr schöner Abend“, sagte Co-Trainerin Nadine Große-Thiemann nach ihrem „Heimspiel“.

Zweiter Gegner war im Sportzentrum Vinnhorst Frankreich. Nach einer verkorksten ersten Hälfte lagen die Deutschen zur Pause mit 14:21 in Rückstand, starteten nach Wiederanpfiff aber eine furiose Aufholjagd und retteten durch das Tor von Ruslana Litvinov kurz vor Schluss das 30:30-Unentschieden. Weil die Spanierinnen beide Partien gewannen, hätte die DHB-Auswahl einen Sieg gebraucht. Obwohl das nicht gelang, war Nordmeyer mit dem Turnier zufrieden und blickt optimistisch auf die WM: „Ich habe volles Vertrauen in die Mädels. Wir müssen an der Abstimmung im Angriff arbeiten, aber wir haben ja noch einige Tage.“

Bevor zum Abschluss den Spanierinnen der Siegerpokal übergeben wurde, gab es von Anja Althaus, Managerin der deutschen Frauennationalmannschaft, ein Lob für die zahlreichen Helfer: „Danke an Hannover für eine tolle Ausrichtung des Turniers.“

Die deutschen Spielerinnen dürfen nach einer kräftezehrenden Woche einige freie Tage genießen. Im Sporthotel in Barsinghausenwird wurde dann am letzten Feinschliff gearbeitet. Am heutigen Sonnabend besteigt der DHB-Tross in Frankfurt den Flieger nach China. Die WM beginnt am folgenden Mittwoch (10.15 Uhr deutscher Zeit) mit dem ersten Gruppenspiel gegen Brasilien.

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