Die Nachbarn haben gerade die hippe Outdoor-Küche aufgebaut, die beste Freundin schwärmt vom neuen Gewächshaus – und laut Instagram braucht doch jeder eigentlich ein Insektenhotel. Die Liste an solchen Gartentrends ist lang: Outdoor-Cooking, Selbstversorgung, Naturgarten. Aber sollte man beim Gärtnern wirklich auf Trends achten, geschweige denn aufspringen?
Claudia Schaaf, Landschaftsarchitektin und geschäftsführende Gesellschafterin von Beran Gärten, sieht den Begriff der Gartentrends kritisch. „Trend“ klingt für sie oft nach etwas Kurzfristigem – nach einer Mode, die schnell wieder verschwindet. Gerade im Garten, der über Jahre wächst, greift das aus ihrer Sicht aber viel zu kurz. Stattdessen spricht sie lieber von Entwicklungen: also von Bedürfnissen der Menschen, die sich langfristig in bestimmte Richtungen verändern – und vor diesem Hintergrund auch die Ansprüche an Gärten verändern.
Einige der Entwicklungen, die Schaaf im Alltag erkennt, decken sich dabei durchaus mit Dingen, die auf Garten-Trendlisten zu finden sind. Ein Beispiel: „Wir erleben mehr Schönwetterzeiten. Die Menschen nutzen ihre Gärten intensiver – und damit steigen auch die Ansprüche“, sagt sie. Der Garten wird immer mehr zum erweiterten Wohnraum: kochen, essen, arbeiten, entspannen. Outdoor-Küche, Sitzplätze, Rückzugsorte – all das gehört für viele inzwischen dazu. Was auf Garten-Trendlisten als „Outdoor Living“ beschrieben wird, ist für die Landschaftsarchitektin also definitiv eine Entwicklung, die sie in der Praxis täglich erlebt. Ähnlich sieht sie es bei der Selbstversorgung, ein häufig genannter Gartentrend, den auch Schaaf in den Wünschen ihrer Kunden sieht. Seit der Corona-Zeit bauen viele Menschen eigenes Obst und Gemüse an.
Andere Trends sieht Schaaf in ihrem Alltag deutlich seltener. „Nachhaltiges oder klimafestes Gärtnern wird oft als Trend dargestellt, ist für viele aber definitiv kein Hauptaugenmerk bei der Gartenplanung“, sagt sie. Einzelne Elemente wie Insektenhotels oder Regentonnen, die Wasser auffangen, seien zwar beliebt. Im Fokus stehe aber weniger ein Garten, der ans Klima angepasst ist – sondern vielmehr eine grüne Oase, die auch entsprechend gewässert werden müsse.
Bleibt die Frage: Was heißt das alles für den eigenen Garten? Wie ernst kann man Trends nehmen? Und sollte man grundsätzlich aufspringen? Expertin Schaaf rät klar davon ab. „Der Garten ist keine schnelle Anschaffung, sondern eine langfristige Investition.“ Um weder Geld noch Zeit zu verschwenden, sollte man vor der Gartenplanung – oder der Weiterentwicklung des Gartens – eigene Gewohnheiten rund um den Garten bewusst erkennen. Wenn die eigenen Ansprüche zufällig auf Gartentrends treffen und man beispielsweise gerne Gemüse anbaut, dann darf man natürlich aufspringen. Keinesfalls aber sollte man sich in Dinge zwingen, die man selbst nicht lebt, nur weil sie modern sind.
Ein Beispiel ist der klassische Pavillon mit Chillout-Lounge im hinteren Gartenteil. Klingt idyllisch, wird aber in der Praxis oft kaum genutzt. „Wir empfehlen, Sitzplätze stattdessen immer traditionell nah am Haus“, sagt Schaaf. Morgens ein Kaffee in der Sonne oder Abendbrot an der frischen Luft – das funktioniert nur, wenn die Wege kurz sind. Auch Feuerstellen oder Outdoor-Küchen sind nichts für jeden. Sie sind im Trend, aber nur sinnvoll, wenn man sie auch wirklich nutzt.
Egal, ob Outdoor-Küche, Pavillon oder andere Gartenelemente: Diese müssen nicht nur angeschafft, sondern auch langfristig gepflegt werden. Die Landschaftsplanerin Schaaf warnt in Beratungsgesprächen oft vor dem „Garten-Burnout“, wie sie es nennt. Gemeint ist ein Garten, der mehr Arbeit macht, als er Freude bringt – und zwar dann, wenn man einige Elemente integriert, die intensiv gepflegt werden müssen, die man aber nicht nutzt.
Deshalb gilt: ehrlich planen, statt Trends zu folgen. Wer unsicher ist, ob draußen kochen wirklich langfristig Freude bereitet, kann auch erst einmal mit kleineren Elementen arbeiten, zum Beispiel einem besseren Grill. Damit geht man in jedem Fall mit dem Trend des Outdoor-Cookings, verzichtet aber auf pflegeaufwändige oder überflüssige Anschaffungen.
Auch Selbstversorgung lässt sich in reduzierter Ausführung leben: Statt direkt ein Gewächshaus zu bauen, ist ein Hochbeet der einfachere Einstieg. Hier kann man erst einmal testen, ob man wirklich langfristig Spaß am Gemüse-Anbau hat.
Flexibilität und Wandelbarkeit sind aus Schaafs Sicht ohnehin ganz wichtige Punkte in der Gartenplanung. „Viele junge Familien wünschen sich oft einen eigenen Bereich für Spielgeräte für die Kinder“, erzählt die Expertin. „Wir planen den Garten aber so, dass er langfristig funktioniert – und ergänzen Dinge wie eine Sandkiste eher als flexible Elemente.“ Denn auch, wenn die Kinder größer sind und die Spielelemente verschwinden, sollte der Garten noch attraktiv sein.
Heißt also: Bei der Gartenplanung sollte man nicht nur den Moment sehen, sondern langfristig die eigenen Bedürfnisse im Blick haben. Feste Strukturen sollten bleiben, Details dagegen können sich immer wieder verändern.