An der Hartwig-Claußen-Schule Hannover, einem Förderzentrum für Hören und Kommunikation, hat die 2025 neu gegründete Theater-AG gezeigt, wie kulturelle Teilhabe gelingen kann, wenn Barrieren nicht einfach hingenommen, sondern bewusst abgebaut werden. In der Arbeitsgemeinschaft spielen Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlich ausgeprägten Hörschädigungen. Sprache ist dabei nur eine von vielen Möglichkeiten, sich auszudrücken. Im Mittelpunkt stehen Mimik, Gestik, Körpersprache, emotionale Präsenz und das Vertrauen in die eigene Wirkung. Gegründet wurde die AG von den theaterbegeisterten Lehrkräften Leonie Pabels und Daniel Höhn. Inzwischen gehören 14 Schülerinnen und Schüler zur Gruppe. Für sie ist die Bühne nicht nur ein Ort des Spiels, sondern auch ein Raum, in dem Selbstbewusstsein wachsen kann. Die Jury würdigte besonders den Mut und das Engagement der Beteiligten. Die Theater-AG trete den Beweis an, dass kulturelle Teilhabe für alle möglich sei, wenn individuelle Ausdrucksformen ernst genommen würden. Das Projekt stehe damit für Inklusion und Empowerment, aber auch für die Kraft des Ausdrucks jenseits gesprochener Sprache.
Wie lebendig dieses Konzept wird, zeigte das erste Theaterstück der AG: In „Nachts im Museum“ verwandelten sich die Darstellenden in Museumsexponate, die plötzlich zum Leben erwachen und einen Dieb verfolgen. Der musste am Ende ohne Beute Reißaus nehmen. Für dieses Projekt erhielt die Hartwig-Claußen-Schule einen zweiten Preis, dotiert mit 2.000 Euro. Die Laudatio hielt Stefani Schulz, Leiterin des Teams Kultur der Region Hannover.
Ebenfalls mit einem zweiten Preis und 2.000 Euro wurde das Gymnasium Schillerschule Hannover ausgezeichnet. Dort verbindet das Profilprojekt „Klappe die Erste – Akademie der Künste“ kulturelle Bildung, künstlerische Praxis und digitale Medienarbeit. Das Angebot richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 10 und ist auf drei Jahre angelegt. Während viele Unterrichtsformate zwischen Theorie und Praxis trennen, setzt die Schillerschule auf einen Lernraum, in dem beides zusammenkommt.
Die Jugendlichen schreiben Drehbücher, entwickeln Bühnenideen, produzieren Filme, komponieren Musik, gestalten Podcasts, arbeiten mit Licht, Ton und Schnitt oder stehen selbst auf der Bühne und vor der Kamera.
Dabei geht es nicht allein darum, Techniken zu erlernen. Entscheidend ist, dass die Schülerinnen und Schüler eigene Themen, Perspektiven und gesellschaftliche Beobachtungen künstlerisch umsetzen können. In einer Welt, die stark von digitalen Bildern, Medien und schnellen Botschaften geprägt ist, lernen sie, ihre eigene Stimme zu finden und ihr Ausdruck zu verleihen.
Die Jury hob hervor, dass sich in „Klappe die Erste“ künstlerische Praxis, die Aneignung kultureller Formate und mediale Kompetenz nachhaltig verbinden. Die Schülerinnen und Schüler erhielten viel Raum, eigene Inhalte zu entwickeln und zu präsentieren. Das stärke nicht nur Kreativität, sondern auch kritisches Denken, Teamarbeit und Selbstvertrauen. Die Laudatio hielt Sabine Busmann, Geschäftsführerin des MusikZentrums Hannover.
Der mit 4.000 Euro dotierte erste Preis ging an die Projektreihe „kulturen schulen“ der Berufsbildenden Schulen Springe und des Otto-Hahn-Gymnasiums Springe in Kooperation mit dem Verein Kunst und Begegnung Hermannshof Völksen; ausgezeichnet wurde das Projekt für seine nachhaltige Zusammenarbeit und dafür, dass Kunst Begegnungsräume für Jugendliche mit sehr unterschiedlichen Bildungswegen und kulturellen Erfahrungen schafft.
Einen weiteren zweiten Preis über 2.000 Euro erhielten die Grundschule Bredenbeck und die Janusz-Korczak-Schule Springe für „Zirkus inklusiv“ in Kooperation mit dem Zirkus Dobbelino; das Projekt ermöglicht Kindern mit unterschiedlichen sprachlichen, körperlichen und sozialen Voraussetzungen, gemeinsam in der Manege über sich hinauszuwachsen.
„Unsere diesjährigen Preisträger-Projekte haben uns durchweg begeistert. Sie zeigen, wie kulturelle Bildung unser gesellschaftliches Handeln fördert und stützt“, sagte Stefan Becker, Geschäftsführer der Stiftung Kulturregion Hannover. Mike Brauner, Geschäftsführer der TUI Stiftung, betonte, der Preis solle insbesondere Lehrkräfte und Schulleitungen ehren, die sich mit Herzblut dafür einsetzen, junge Menschen für Kunst und Kultur zu begeistern.
Der KulturKometen-Preis wurde bereits zum fünften Mal vergeben. Bewerben konnten sich allgemeinbildende und berufsbildende Schulen aus der Region Hannover. Auf der Bühne des Pavillons wurde sichtbar, was kulturelle Bildung leisten kann: Sie bringt junge Menschen ins Spiel, gibt ihnen Ausdrucksmittel an die Hand und lässt sie erfahren, dass ihre Geschichten zählen.