Wilde Gäste im geordneten Garten
Neue Ausstellung und Kuratorenführung: Der Berggarten als Lebensraum

KuratorDr. Boris Schlumpberger zeigt die„Wilden Bewohner“ im Berggarten.Foto: privat / LHH
Hannover. Im Berggarten Herrenhausen ist sonst vieles bis ins Detail komponiert: seltene Pflanzen, sorgfältig gepflegte Sammlungen, Blütenbilder mit botanischer Präzision. In einer gerade eröffneten Ausstelung und bis zum 18. Oktober rückt dort nun ausgerechnet das in den Mittelpunkt, was sich nicht planen, pflanzen oder dekorativ anordnen lässt. Die Ausstellung „Wilde Vielfalt im Garten“ zeigt, wie viel ungezähmtes Leben selbst in gestalteten Parks und Privatgärten steckt.

Moose zwischen Steinen, Pilze im Boden, Insekten an Blüten, Kleinstlebewesen im Verborgenen: Gärten sind weit mehr als grüne Kulissen oder Orte der Erholung. Sie sind Lebensräume, manchmal sogar kleine lebendige Inseln in einer zunehmend versiegelten Umgebung. Die Ausstellung des Verbands Botanischer Gärten nimmt diese oft übersehene Welt in den Blick. Sie macht sichtbar, welche Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen Gärten und Balkone besiedeln, auch dann, wenn niemand sie bewusst dorthin gebracht hat. Gleichzeitig regt sie dazu an, die eigenen Außenflächen als Oasen der Artenvielfalt zu denken: mit heimischen Pflanzen, weniger Ordnungsliebe an der falschen Stelle und mehr Mut zur lebendigen Unschärfe.

Zu sehen ist „Wilde Vielfalt im Garten“ im Subtropenhof und im Gelände des Berggartens. Passend zur Eröffnung bietet der Berggarten am Sonnabend, 13. Juni, eine besondere Kuratorenführung an. Unter dem Motto „Von Filzkraut bis Feuerschmied“ begibt sich Dr. Boris Schlumpberger um 15 Uhr auf Spurensuche nach den „wilden“ Bewohnern des Gartens. Der Titel deutet bereits an, dass es dabei nicht nur um das Offensichtliche geht. Viele Arten, die in einem botanischen Garten leben, stehen nicht auf Pflanzplänen und tragen keine Schilder. Sie siedeln sich spontan an, nutzen Nischen, finden Nahrung, Schutz und Partner. Gerade darin liegt ihr Reiz.

Der Berggarten dient als botanischer Garten vor allem dazu, Pflanzen aus aller Welt zu kultivieren, zu bewahren und zu zeigen. Doch zwischen Schauhäusern, Beeten, Gehölzen und Wegen entsteht zugleich ein Geflecht aus Lebensräumen. Dort, wo Besucherinnen und Besucher Orchideen, Kakteen oder Stauden bewundern, haben längst auch Wildpflanzen, Tiere und Pilze ihre eigenen Wege gefunden. Schlumpberger erklärt bei dem einstündigen Rundgang, welche Arten sich im Berggarten angesiedelt haben, welche Rolle sie im Ökosystem spielen und warum ein genauerer Blick oft mehr offenbart als die große Blüte.

Die Führung beginnt um 15 Uhr an der Kasse des Berggartens. Sie kostet 5 Euro zuzüglich Garteneintritt. Der Eintritt in den Berggarten beträgt 5 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre sind Eintritt und Führung kostenfrei. Eine Anmeldung ist erforderlich unter herrenhausen.de, per E-Mail an 46.1@hannover-stadt.de oder telefonisch unter (0511) 16834000.

Die Ausstellung „Wilde Vielfalt im Garten“ läuft noch bis zum 18. Oktober im Berggarten Herrenhausen. Die nächste Gartenführung findet am 17. Juni statt und widmet sich dem Thema Buchsbaum im Großen Garten. RED
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